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Erfolg mit Hedgefonds : Der rücksichtslose Mr. Dalio

Natürlich bleibt ein derart mechanistischer Ansatz selbst in der eigentlich recht hart gesottenen Hedgefondsbranche nicht ohne Widerspruch. Ehemalige Bridgewater-Mitarbeiter berichten, dass es in dem Unternehmen bisweilen zugehe wie in einer Sekte: Alles sei auf Ray Dalio ausgerichtet. Glaubt man ihnen, führt dies mitunter zu recht absurden Situationen. So habe der Chef einmal in einem seiner schriftlichen Marktkommentare einen Apostroph an der falschen Stelle gesetzt. Worauf sich unter seinen Angestellten eine lebhafte Diskussion entspann, ob diese falsche Plazierung nicht vielleicht doch Absicht gewesen sein könnte.

Verbrieft ist jedenfalls, dass jeder Mitarbeiter des Unternehmens einer weiteren Ungeheuerlichkeit zustimmen muss: Dalio lässt jedes Gespräch in den Firmenräumen aufzeichnen, viele sogar auf Video. Der Manager argumentiert: Nur so lasse sich sicherstellen, dass jede Kritik tatsächlich offen geäußert werde. Wer dies nicht beherzige und trotzdem hinter dem Rücken über andere Kollegen rede, behindere nicht nur die Entwicklung des Unternehmens, sondern sei außerdem ein „schleimiger Betrüger“, der identifiziert werden müsse. Selbst eine wohlwollende Betrachtung lässt allerdings nur einen Schluss zu: Was Dalio da praktiziert, ist die totale Überwachung.

Durch Zufall in die Finanzwelt geraten

Fakt ist jedoch auch: Seine Untergebenen haben sich freiwillig für diese Tätigkeit entschieden, und auch seine Kunden stören sich nicht daran. Zu ihnen zählen unter anderem wichtige amerikanische Pensionskassen, insgesamt haben sie Bridgewater beeindruckende 155 Milliarden Dollar anvertraut. Kein Hedgefonds der Welt verwaltet mehr Geld.

Wie aber legt Dalio nun konkret an? Blöderweise lässt sich dies gar nicht so ganz genau sagen. Denn der Hedgefondsmanager zählt zu den Erfindern eines Investmentstils, der in der Branche unter dem Namen „Risk-Parity“-Ansatz (zu Deutsch in etwa: Risikogleichheit) bekannt ist. Die Idee dahinter: Dalio geht an den Märkten so viele Spekulationen ein, wie er es gerade für aussichtsreich hält. Oft setzt er dafür sogenannte Derivate ein, die den Gewinn im Erfolgsfall vervielfachen - allerdings auch den Verlust, falls die Sache schiefgeht.

Wichtig bei all diesen Wetten ist nur: Sie sollen möglichst unabhängig voneinander sein, was bedeutet, dass die Investments unter keinen Umständen alle gleichzeitig an Wert verlieren dürfen. Der Fachbegriff der Finanzbranche dafür heißt „negative Korrelation“. Klassischerweise ließ sich dieses Ziel beispielsweise erreichen, indem man Aktien und Staatsanleihen zugleich kaufte. War die konjunkturelle Lage schlecht, verloren zwar Aktien an Wert, die Kurse von Staatsanleihen jedoch stiegen. Blühte die Konjunktur dagegen auf, stiegen die Aktienkurse und die Kurse von Staatsanleihen gaben nach.

Dieses klassische Muster allerdings funktioniert seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr so gut wie früher. Um im Jargon zu bleiben: Die Korrelationen haben zugenommen. Angesichts dessen zeigt sich Dalios „Pure Alpha Fonds“ erstaunlich robust, auch wenn selbst er zuletzt etwas weniger Rendite als noch in früheren Zeiten erzielte. Wie ein Besessener tüftelt der 66-Jährige darum daran, Fehler auszumerzen und eine Risikomischung zu finden, die in möglichst jedem denkbaren Szenario funktioniert.

Dass er es auf diese Weise einmal zu einem Vermögen von rund 15 Milliarden Dollar bringen würde, war so nicht unbedingt vorherzusehen. Der Sohn eines Jazzmusikers und einer Hausfrau war eher durch Zufall in die Finanzwelt geraten. Als Jugendlicher verdiente er sich sein Taschengeld als Caddie in einem Golfclub in New York. Viele der Mitglieder arbeiteten an der Wall Street: So schnappte Dalio immer wieder Aktienempfehlungen auf, versuchte es irgendwann einmal selbst - und hatte Blut geleckt.

Bis heute kommt er von dieser Leidenschaft nicht mehr los. Dass viele Hedgefonds zuletzt schwächere Resultate erzielten, bereitet ihm allerdings Sorge. Dalio will alles dafür tun, dass seine Firma an der Spitze bleibt. Im März konnte er einen echten Coup verkünden: Jon Rubinstein, Entwickler des Apple-Musikgeräts iPod, arbeitet nun für Bridgewater. Er soll Dalio dabei helfen, die Computeranalysen auf einen neuen Level zu heben, die Bridgewater bei der Suche nach Anlageideen einsetzt. Einfach wird die Arbeit sicher nicht werden. Bleibt zu hoffen, dass der neue Mann ein paar deutliche Worte vertragen kann.

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