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Nach dem Brexit : Der Gewinner heißt Frankfurt

Platz ist in der höchsten Hütte: Frankfurts Bankentürme. Bild: Lukas Kreibig

In der Finanzbranche wird mit der Verlagerung von mindestens 10.000 Arbeitsplätzen von London nach Frankfurt gerechnet. Aber wo sollen sie alle nur wohnen?

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          Der Austritt Großbritanniens aus der EU dürfte für das Londoner Finanzzentrum negative Folgen haben. Es wird zwar nicht mit einem Exodus gerechnet, aber einzelne Abteilungen, Aufgaben oder Hauptsitze kleinerer Auslandsbanken könnten aus der britischen Metropole abwandern. Frankfurt, als dann größter Finanzplatz der EU, Sitz wichtiger Finanzinstitutionen wie der Europäischen Zentralbank (EZB) und beheimatet in der wichtigsten europäischen Volkswirtschaft Deutschland, macht sich daher Hoffnungen, zum Brexit-Gewinner zu werden.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Michael Psotta
          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.

          Die Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance, in der sich unter anderem die Banken, die Börse, die Stadt Frankfurt und das Land Hessen zusammengeschlossen haben, bedauern zwar die Brexit-Entscheidung. Nach ihrer Ansicht überwiegen auch für Deutschland insgesamt die negativen Effekte. „Für Frankfurt dürften die Auswirkungen in der Summe jedoch positiv sein“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance. „Wir rechnen mit mindestens 10.000 Arbeitsplätzen, die von London nach Frankfurt verlagert werden.“

          Die Zahl entspreche etwa 1,5 bis 2 Prozent der Beschäftigten am Finanzplatz London. Es wird also kein Exodus aus London erwartet, sondern eine moderate schrittweise Verlagerung in den nächsten fünf Jahren. „Ein Thema wird sicher die Produktzulassung sein. Bisher können in London zugelassene Finanzprodukte EU-weit vertrieben werden, das wird künftig wegfallen“, sagt Väth. Fonds und strukturierte Produkte könnten dann eher in Luxemburg, Dublin oder eben auch in Frankfurt zugelassen werden. Starke Effekte für die Arbeitsplätze erwartet Väth aber vor allem im Wertpapierhandel und im Derivategeschäft, das stärker nach Frankfurt verlagert werden könnte. „Die Abwicklung des außerbörslichen Derivatehandels dürfte aufgrund der Regulierungsvorgaben stärker in Frankfurt stattfinden und auch entsprechende Kapazitäten in den Banken nach sich ziehen.“

          Die in London ansässigen Banken sind zudem auch gezwungen, Handelsabteilungen aus der britischen Hauptstadt abzuziehen. Das hat auch der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, John Cryan, angekündigt. Nach seinen Worten kann der Handel mit Staatsanleihen aus dem Euroraum nicht in London angesiedelt bleiben, wenn Großbritannien nicht mehr der EU angehöre. Die Deutsche Bank beschäftigt in London mehr als 8000 Mitarbeiter, davon werden viele im Wertpapierhandel beschäftigt. Zuzug in Frankfurt wird auch aus dem Bereich der Auslandsbanken erwartet. „40 Prozent der nicht-englischen Banken, die in London sitzen, tun dies wegen des Marktzugangs nach Europa“, sagt Väth. Hier könnte künftig die ein oder andere Bank ihren Hauptsitz nach Frankfurt oder Paris verlagern. „Wir sehen Frankfurt im Wettbewerb sehr gut aufgestellt“, sagt Väth.

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