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Nach dem Brexit : Der Gewinner heißt Frankfurt

Brexit hat erhebliche Folgen für den Frankfurter Immobilienmarkt

„Es wird mittelfristig eine Verlagerung von London in andere Märkte geben“, ist auch Stefan Winter, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Auslandsbanken in Deutschland und Vorstandsmitglied der UBS Deutschland, überzeugt. Doch er kann noch nicht absehen, ob der Finanzplatz Frankfurt der große Gewinner sein wird. Winter kann in Deutschland bisher keine Bereitschaft erkennen, für die Ansiedlung von Banken zu werben. Das sei in Frankreich anders, dort würde bei den in London ansässigen Instituten sehr stark für Paris geworben. Die britisch-asiatische Bank HSBC will nach einem EU-Austritt ein Fünftel ihrer Stellen im Kapitalmarktgeschäft von London nach Paris verlegen. Das sind 1000 Stellen, wie HSBC-Verwaltungsratspräsident Douglas Flint schon Monate vor dem Referendum gewarnt hatte. Winter, der in Deutschland das Investmentbanking der UBS verantwortet, erwartet, dass die in London ansässigen Banken künftig nicht mehr das EU-Geschäft so betreiben können wie bislang. Er verweist auf Stimmen, die sich für die schnelle Abschaffung des EU-Passes für die dort ansässigen Institute aussprechen. Dann müssten diese Banken über einen weiteren Sitz in der EU nachdenken. Winter geht davon aus, dass Frankfurt mit dem Sitz EZB, einer guten Infrastruktur und einer hohen Anzahl an Fachkräften für viele Banken als Standort interessant sein werde. Er kann sich auch vorstellen, dass Dublin aufgrund der englischen Sprache und der dort schon aufgebauten Verwaltungskapazitäten für viele Banken zumindest für den Backoffice-Bereich eine Alternative darstellen könne. Ein gutes Beispiel ist die amerikanische Investmentbank Morgan Stanley, die sowohl Frankfurt als auch Dublin als künftigen Hauptsitz in Europa in Erwägung zieht. Vor einem Jahr hatte der Europa-Chef von Goldman Sachs, Richard Gnodde, im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gesagt, dass im Falle eines Brexits ganz sicher weitere Ressourcen nach Frankfurt gehen würden.

Für den Frankfurter Immobilienmarkt könnte der Brexit erhebliche Folgen haben. Falls es tatsächlich zur Verlagerung von 10.000 Arbeitsplätzen des Finanzgewerbes von London nach Frankfurt käme, würde dies die Anspannung auf dem Wohnungsmarkt noch verstärken. Vor allem in den begehrten Wohnlagen wie Nordend, Westend oder Sachsenhausen dürften dann die Mieten, die seit sieben Jahren teils kräftig gestiegen sind, weiter zunehmen. Auch die Nachfrage nach Eigentumswohnungen wird sich dann voraussichtlich beleben. Investoren können dann hoffen, dass der eher zahlungskräftige neue Kundenkreis aus London der zuletzt etwas schwächelnden Nachfrage nach superteuren Apartments neue Impulse verleiht.

Auf dem Frankfurter Gewerbeimmobilienmarkt wittern vor allem die Anbieter von Büros ein gutes Geschäft. So berichtete Ulrich Jacke vom Immobiliendienstleister Dr. Lübke & Kelber, dass er am Freitagmorgen, wenige Stunden nach der Bekanntgabe des Austritts, bereits eine leerstehende Büroimmobilie in Frankfurt für rund 10 Millionen Euro vermitteln konnte: „Der Käufer hat als Grund explizit angegeben, dass er wegen des Brexits eine steigende Nachfrage nach Büroflächen in Frankfurt erwartet.“ Der Frankfurter Büromarkt weist die höchsten Leerstände in Deutschland auf, aber vor allem an zweit- und drittklassigen Standorten. Die besten Lagen in der Innenstadt sind dagegen bestens gebucht. Hier könnte es zu den von Investoren ersehnten Mietsteigerungen kommen: Selbst in den Frankfurter Spitzenobjekten reichen die Mieten nicht einmal an die Hälfte vergleichbarer Büros in London heran.

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