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Der Fondsmarkt : Wettbewerb nützt Fondsanlagern nicht immer

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Bild: FAZ

Wettbewerb ist gut. Aber nur, wenn er „fair“ ist. Doch in manchen Fällen wird er auf dem Rücken Dritter ausgetragen - beispielsweise im Fondsgeschäft, wo manchmal der Wettstreit zu Lasten des Fondskunden geht.

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          Dem Menschen steckt der Wettbewerb offenbar im Blut: Wo immer ein Preis winkt, streiten sie darum - und das Ergebnis, Wettbewerb genannt, ist in der Regel zum Vorteil aller. Doch in manchen Fällen wird der Wettbewerb auf dem Rücken Dritter ausgetragen - beispielsweise im Fondsgeschäft, wo manchmal der Wettstreit zu Lasten des Fondskunden geht.

          Alexander Kempf und Stefan Ruenzi vom Centre for Financial Research an der Universität Köln vermuten nämlich eine besondere Art von Wettstreit unter Fondsmanagern: Es ist nicht nur die Konkurrenz, an der man sich misst. Auch im eigenen Haus wittern die Fondsmanager Konkurrenz und kämpfen um die vordersten Plätze im hausinternen Wettbewerb.

          Fondsmanager: Falsche Erfolgsvergütungen erhöhen die Risiken

          Der Anreiz für den Fondsmanager ist natürlich Geld. Es gelangt auf zwei Wege in die Brieftasche des Fondsmanagers: zum einen auf direktem Weg über Gehalt oder Bonus, wenn sein Fonds der beste der Gesellschaft ist. Auf indirektem Weg steigt das Gehalt eines Fondsmanagers, wenn die Gesellschaft seinen Fonds aktiv bewirbt, eben weil er zu den Besten gehört, was zu höheren Mittelzuflüssen und damit zu einem höheren Gehalt führt. Nicht zuletzt behaupten böse Zungen, dass die besten Fonds der Gesellschaft gerne bei der Vergabe attraktiver Neuemissionen bevorzugt werden - mit entsprechenden Folgen für die Wertentwicklung, die Mittelzuflüsse und das Gehalt der Fondsmanager.

          "Es gibt für einen Fondsmanager Anreize, nicht nur in seinem Vergleichsmarkt, sondern auch innerhalb seiner Gesellschaft der Beste zu sein", sagt Ruenzi. Das allerdings könne zu einem für Fondskunden unerfreulichem Verhalten des Fondsmanagers führen. Da Gehälter und Marketing-Budgets in der Regel zum Endes des Jahres festgelegt werden, bietet sich folgende Strategie an: Wer zur Hälfte des Jahres im gesellschaftsinternen Wettbewerb hinten liegt, erhöht das Risiko in seinem Portfolio, um seine Chancen auf den Gewinn der Olympischen Spiele in der Familie zu erhöhen; wer hingegen im Firmenwettbewerb vorne liegt, wird vorsichtiger, um seinen Platz auf dem Podest zu verteidigen. Begünstigt wird die Strategie dadurch, dass erfahrungsgemäß Gewinnerfonds hohe Mittelzuflüsse haben, die Verliererfonds aber nicht entsprechende Mittelabflüsse. Empirisch haben Kempf und Ruenzi die Strategie für amerikanische Aktienfonds bestätigt: Fonds, die nach der ersten Jahreshälfte im Familienwettbewerb vorn lagen, haben ihr Risiko im Portfolio reduziert, die Fonds auf den hinteren Plätzen dieses Wettbewerbs hingegen haben ihr Risiko erhöht - mit portfoliotheoretischen Überlegungen hat dieses Verhalten wenig zu tun.

          Gegenmittel: Team-Ansätze

          Aber ganz so einfach ist die Welt nicht: Bei kleineren Fondsgesellschaften fanden Ruenzi und Kempf diesen Effekt nicht, und machen strategische Überlegungen dafür verantwortlich. Bei kleinen Fondsgesellschaften nämlich achtet jeder Fondsmanager darauf, was seine gesellschaftsinternen Konkurrenten tun - einfach deswegen, weil die Zahl der hausinternen Konkurrenten überschaubar ist. Liegt ein Fondsmanager nun nach der ersten Jahreshälfte im Familienwettbewerb vorn, weiß er, dass seine Kollegen das Risiko in ihrem Portfolio erhöhen müssten. Tut er nun genau das Gleiche wie seine Kollegen, so ist ihm der Sieg nicht mehr zu nehmen. Solange er im zweiten Halbjahr das Gleiche tut wie seine Konkurrenten, ist sein Vorsprung nicht mehr einzuholen.

          Das ist wie bei einer Formel-1-Weltmeisterschaft, wo der führende Fahrer im letzten Rennen nur die gleiche Strategie fahren muss wie der Zweitplazierte. Genau diesen Effekt finden Ruenzi und Kempf: In kleinen Fondsgesellschaften sind es die familienintern führenden Fondsmanager, die im zweiten Halbjahr ihr Risiko erhöhen. Die dahinter liegenden Kollegen hingegen können ihren Kollegen nur einholen, wenn sie eine andere Strategie als der Führende verfolgen - also ihr Risiko reduzieren. Und genau dies tun sie, sagen Kempf und Ruenzi.

          Für Fondskunden ist der familieninterne Wettbewerb unschön, bedeutet er doch, dass die Portfolios nicht immer nach investmenttechnischen Überlegungen geführt werden. Doch es gibt Hoffnung auf Besserung: Ruenzi und Kempf haben festgestellt, dass ihr Befund umso weniger ausgeprägt ist, je mehr die Fonds der Gesellschaften in Team-Ansätzen geführt werden - wenn Fondsmanagement zum Mannschaftssport wird, kann man sich offenbar wieder auf den eigentlichen Wettbewerb konzentrieren.

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