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Der Fondsmarkt : Warum wollen die Deutschen keine Hedge-Fonds?

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Bild: FAZ

Deutsche Privatanleger scheinen Hedge-Fonds nicht zu mögen. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Fehlendes Verständnis für die Strategie sowie Konkurrenz durch Zertifikate und alle Arten von Absolute-Return- und Total-Return-Produkten.

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          Wie gut tut doch eine Streicheleinheit: So erfreute es die Hedge-Fonds-Branche, als Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, kürzlich auf einer Veranstaltung den volkswirtschaftlichen Nutzen dieser Anlagegattung herausstellte. Nach all den Beschimpfungen, denen Hedge-Fonds in den vergangenen Jahren ausgesetzt waren - Heuschrecken, Kapitalismusbuhmänner und Risikoinvestments waren noch die freundlicheren Bezeichnungen -, hörte man gerne, dass man besser sei, als der Politikervolksmund zu wissen glaubt.

          So überzeugt die Branche von ihren Produkten ist - die Privatkunden sind es nicht: Ausweislich der Zahlen des Branchendienstes Absolute Research haben deutsche Hedge-Fonds nur 2,2 Milliarden Euro eingesammelt - im November vergangenen Jahres waren es 2,7 Milliarden. Erste Gesellschaften haben schon Produkte eingestellt, was in der Branche die schmerzhafte Frage aufwirft, ob die Deutschen Hedge-Fonds-Muffel sind oder ob die Produkte unattraktiv sind. Also: Warum wollen die Deutschen keine Hedge-Fonds?

          Warum wollen die Deutschen keine Hedge-Fonds?

          Antwort Nummer eins: Im vergangenen Jahr bewegte sich die Wertentwicklung der Einzel-Hedge-Fonds zwischen einem Plus von knapp 15 Prozent und einem Minus von rund 16 Prozent. Dachfonds waren noch bescheidener, sie spielten ihren Besitzern 2006 zwischen plus 6 und minus 0,6 Prozent ein. Goldene Heuschreckenträume oder finstere Kapitalismus-Untergangsvisionen sehen anders aus, vor allem angesichts der guten Aktienmärkte der vergangenen Jahre.

          Wer sich mit Hedge-Fonds auskennt, den überraschen diese Zahlen allerdings nicht: Die meisten Hedge-Fonds waren nie das, was ihre Kritiker gerne in ihnen sehen, nämlich hochriskante Spekulationsmaschinen für Turbokapitalisten. Die Grundidee eines Hedge-Fonds ist es eher, eine stabile Wertentwicklung zu liefern. Der Preis für diese Strategie ist eine gedämpftere Wertentwicklung in guten Marktphasen, wie wir sie in den vergangenen Jahren hatten. Hedge-Fonds entfalten ihre Stärke in turbulenten Zeiten, nicht in den ruhigen Fahrwassern, die wir zuletzt an den Aktienmärkten sahen.

          Den Anleger scheint das nicht zu kümmern. Wenn man derzeit mit Aktien mehr verdienen kann als mit Hedge-Fonds, warum soll man dann die Fonds nehmen? Der Vorteil dieser Produkte - die geringe Schwankungsbreite in der Wertentwicklung - zeigt sich erst, wenn es für viele Anleger zu spät sein wird. "Hedge-Fonds sollen ein Portfolio stabilisieren - deshalb sollten Sie deren Wertentwicklung immer im Kontext des Gesamtportfolios sehen", sagt Michael Busack vom BAI und geschäftsführender Gesellschafter von Absolute Research.

          ... es gibt verschiedene Gründe dafür

          Ein weiterer Grund für den mangelnden Absatzerfolg dürfte die Zertifikatekonkurrenz sein: Mehr als 200 Hedge-Fonds-Zertifikate zählt Absolute Research mit dem fast zehnfachen Volumen wie das Fondssegment - offenbar sind viele Deutsche nicht Hedge-Fonds-müde, sondern nur fondsmüde. Der Grund liegt auf der Hand: Hedge-Fonds unterliegen vielen Regulierungen, Zertifikate nicht. Und das Ganze nennt sich dann Regulierungsarbitrage: Man verkauft unregulierte Hedge-Fonds, indem man statt der Fonds selbst Zertifikate auf diese Fonds anbietet und damit allen Regulierungen ausweicht. Da staunt der Anlegerschützer.

          Ein letzter Grund für die enttäuschenden Hedge-Fonds dürfte sprachlicher Natur sein: Neben dem schlechten Image, das man der Bezeichnung Hedge-Fonds angehängt hat, hat die Fondsindustrie der Hedge-Fonds-Branche eine Vokabel geklaut: Die Fülle der Absolute-Return- und Total-Return-Produkte, welche die Fondsbranche in den vergangenen Jahren mit fulminantem Erfolg verkauft hat, zeigt, dass die Deutschen Bedarf an Hedge-Fonds haben. Schließlich stammt die Idee des Absolute Return und Total Return aus der Hedge-Fonds-Welt.

          Wer will da schon so genau wissen, dass die betreffenden Fondsprodukte letztlich nur leicht modifizierte Rentenfonds sind, die sich eine schicke Hedge-Fonds-Vokabel auf die Fahne geschrieben haben? Letztlich haben diese Produkte das Bedürfnis der Kunden nach Stabilität im Portfolio bedient - und damit den Hedge-Fonds das Wasser abgegraben. Es liegt also noch ein langer Weg vor der deutschen Hedge-Fonds-Branche, von der Heuschrecke hin zur selbstverständlichen Portfolioergänzung - da werden auf dem Weg dorthin noch jede Menge Streicheleinheiten nötig sein.

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