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Der Fondsmarkt : Microcap-Fonds - Nur für Eingeweihte

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Von der Finanzwelt ist man ja gewöhnt, dass nur Größe zählt - je mehr und je größer, desto besser. Aber wie immer im Leben gibt es auch im Finanzgeschäft Ausnahmen, und eine dieser Ausnahmen sind Microcaps - hier ist Kleinheit Trumpf.

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          Von der Finanzwelt ist man ja gewöhnt, dass nur Größe zählt - je mehr und je größer, desto besser. Aber wie immer im Leben gibt es auch im Finanzgeschäft Ausnahmen, und eine dieser Ausnahmen sind Microcaps - hier ist Kleinheit Trumpf. Microcaps sind Aktien von Unternehmen mit einer sehr geringen Marktkapitalisierung, also Unternehmen mit, je nach Definition, weniger als eine Milliarde, weniger als 500 Millionen oder sogar weniger als 150 Millionen Euro Börsenwert.

          Soll man sich um solche Kleinigkeiten überhaupt kümmern? Auf alle Fälle, glaubt Jochen Mathée von Fortis Investments: „Je kleiner die Unternehmen sind, umso weniger Beachtung haben ihnen die Finanzmärkte bisher geschenkt - und um so mehr unentdeckte Investmentchancen finden sich dort.“

          Liquiditätsprobleme in neuen Welten

          So gesehen, sind Microcaps wie ein unerschlossener Kontinent: Eben weil die Unternehmen so klein sind, kümmern sich die großen Marktakteure nicht um sie, und genau deswegen gibt es dort viele neue Welten zu entdecken. Zudem sagen Freunde der Microcaps, dass die Kurse dieser Unternehmen nur wenig von der großen Börsenwetterlage beeinflusst werden - wenn die großen Märkte in die Knie gehen, muss es nicht automatisch auch die ganz kleinen Werte erwischen.

          Aber kann man diese Idee in einen Fonds packen? Bisher gibt es nur wenige Produkte, was vor allem am Hauptproblem liegen dürfte, das ein Investor in Microcaps hat: „Es gibt beim Investieren in solche Werte drei große Probleme: Liquidität, Liquidität und Liquidität“, sagt Karl Fickel von Lupus Alpha. Gerade weil diese Werte so klein sind, kann ein einziger großer Investor dort den Markt machen, und wenn sich auf einmal viele Millionen Euro aus einem großen Fonds auf zu wenige Microcaps stürzen, führt das rasch zu einem überhitzten Markt. Zu allem Übel funktioniert der Mechanismus auch nach unten: Ziehen zu viele Investoren gleichzeitig ihre Mittel aus dem Fonds ab, dann stürzen die Kurse rasch ins Bodenlose.

          Nur für Eingeweihte

          Die Fonds, die sich dennoch auf Microcaps spezialisieren, gehen mit dem Problem unterschiedlich um: Bei Fortis beispielsweise hält man einen Teil des Portfolios in liquideren Mitteln und hat zudem eine Vorlaufzeit von sieben Tagen für An- und Verkäufe von Anteilseignern. Bei Lupus Alpha sind es institutionelle Investoren, die in den Fonds investieren, mit denen das Fondsmanagement im engen Kontakt steht und sich zur Not auch informell kurzschließen kann, wenn größere Mittelbewegungen anstehen. Bei JP Morgan soll eine Rücknahmegebühr zu schnelle Verkäufe der Anleger bremsen.

          Aktiv beworben werden die Fonds in der Regel nicht: Alleine die Buschtrommeln der Finanzwelt sorgen für genügend Mittelaufkommen. Mehr Geld will man nicht unbedingt - wegen der mangelnden Liquidität.

          Sobald man aber mittels institutioneller Regelungen die Mittelzuflüsse in die Fonds stärker reguliert, bewegt man sich weg vom Produkt offener Fonds hin zu eher unternehmerischen Beteiligungen wie geschlossene Fonds oder Private Equity. Diese Ähnlichkeit liegt auf der Hand: „Das Investieren in Microcaps ist fast mehr Unternehmertum als Portfoliomanagement - mit allen Risiken und Chancen“, sagt Fickel. Und eines dieser Risiken ist Liquidität.

          Teure Extra-Rendite

          Über die Eignung solcher Produkte für Privatanleger gehen allerdings die Meinungen auseinander: „Solche Fonds vertragen nicht viele Privatkunden: Läuft der Fonds gut, fließen zu schnell zu viele Mittel zu, die genauso schnell abfließen, wenn der Fonds schlechter läuft. Solche Mittelbewegungen kann das Segment nicht verkraften“, sagt Fickel. Mathée ist anderer Meinung: Wer sich als langfristiger Investor begreife, könne auch ein wenig Altersvorsorge mit Microcaps betreiben; hingegen sei eher bei institutionellen Investoren mit volatilerem Verhalten zu rechnen.

          Bleibt noch die Frage nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis: Solche Produkte sind angesichts der hohen Spezialisierung meist etwas teurer als ein Standard-Aktienfonds; das Fortis-Produkt beispielsweise hat eine Verwaltungsvergütung von 1,7 Prozent, bei Lupus Alpha ist es zwar nur ein Prozent. Zusätzlich wird aber eine erfolgsabhängige Vergütung fällig, wenn der Fonds seinen Vergleichsindex schlägt.

          Die Wertentwicklung kann sich sehen lassen: Die Wertentwicklung der Microcap-Fonds für das laufende Jahr liegt zwischen 15 und 20 Prozent. Zumindest eines gilt nämlich auch weiterhin in der Finanzwelt: Es ist die Größe, die zählt - zumindest in den Zahlen.

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