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Der Fondsmarkt : Jetzt lohnt sich Leistung auch für Fondsmanager

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Bild: FAZ

Die Fondsbranche war bislang vom Leistungsprinzip weitgehend ausgenommen. Neuerdings gehen immer mehr Gesellschaften dazu über, ihre Gebühren von der Performance der Fondsmanager abhängig zu machen.

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          In den achtziger Jahren, als die Regierung Kohl die legendäre geistig-moralische Wende in Deutschland einleiten wollte, hieß es, dass Leistung sich wieder lohnen müsse. Ob dies denn heute für die Bundesrepublik wirklich der Fall ist, darf angesichts der üppigen Steuererhöhungen der vergangenen beiden Jahre getrost bezweifelt werden - was nicht heißt, dass es auch in Deutschland Nischen gibt, in denen die geistig-moralische Wende angekommen ist und Leistung sich lohnt. Die deutsche Fondsbranche ist eine solche Nische: Immer mehr Fonds gehen dazu über, ihre Gebühren von der Leistung des Fondsmanagers abhängig zu machen.

          Deutlich zeigen das die Daten des Analysehauses Lipper Fitzrovia: Waren es im Jahr 2002 noch zwei Prozent aller Aktienfonds, die eine leistungsabhängige Entlohnung von ihren Anlegern einforderten, so stieg deren Zahl in diesem Jahr auf 12 Prozent. Die in Deutschland beheimateten Fonds haben sich bei dieser Entwicklung als besonders eifrige Anhänger des Leistungsgedankens erwiesen: Während 12 Prozent aller in Deutschland angebotenen Fonds eine leistungsabhängige Vergütung fordern, sind es bei den Fonds deutscher Herkunft gar 15 Prozent. Im europäischen Vergleich ist das allerdings nichts Ungewöhnliches: In Italien beispielsweise hat rund die Hälfte aller Fonds eine erfolgsabhängige Vergütung - in Großbritannien hingegen sind es nur ein Prozent der Fonds.

          Mehr Schaden als Nutzen?

          Insgesamt muss diese geistig-moralische Fondswende nicht negativ für die Anleger sein, zumal Fondskäufer von einem anderen Trend profitieren: In den vergangenen drei Jahren sind die Gesamtkosten der Fonds, gemessen an ihrer Gesamtkostenquote (total expense ratio, TER), in den meisten Fondskategorien gesunken, wie Zahlen des Branchenverbandes BVI zeigen.

          Ein weltweit investierender Aktienfonds beispielsweise kostet im Schnitt 1,59 Prozent, ein Aktienfonds, der in Deutschland investiert, verlangt durchschnittlich 1,26 Prozent an Kosten und Gebühren von seinen Anlegern. Die leistungsabhängigen Entgelte liegen bei aktiv verwalteten Aktienfonds, die in Deutschland aufgelegt sind, im Schnitt bei 0,05 Prozent, bei den im Ausland aufgelegten Fonds sind es 0,12 Prozent. Bei Rentenfonds spielen leistungsabhängige Gebühren praktisch keine Rolle.

          Doch Leistung sollte sich nur lohnen, wenn es sich um echte Leistung handelt, und das muss nicht immer der Fall sein: „Zehn Prozent der Fonds, die eine leistungsabhängige Entlohnung fordern, schaden mit dieser Regelung ihren Kunden mehr, als sie ihnen nutzen“, sagt Ed Moisson von Lipper Fitzrovia. Es ist zum einen das Fehlen einer „High-Watermark-Regelung“, die den Fondskunden zum Verhängnis werden kann: Diese Regelung soll verhindern, dass der Fonds eine erfolgsabhängige Vergütung auch dann fordert, wenn der Wert der Fondsanteile unter alte Höchststände fällt.

          Sonst erhält der Fonds nämlich bereits dann eine erfolgsabhängige Vergütung, wenn er alte Verluste wieder aufholt - die er vielleicht zuvor selbst verschuldet hat. Auch bei Fonds, die ihre Leistung mit einem Vergleichsindex messen, können den Investoren zusätzliche Kosten entstehen, obwohl der Gesamtmarkt fällt - wenn der Fonds weniger verliert als der Gesamtmarkt, dann gilt das als Erfolg und wird dementsprechend entlohnt.

          Nicht-Leistung bestrafen

          Natürlich lässt sich darüber streiten, ob dies tatsächlich eine Leistung darstellt, zumindest psychologisch gesehen ist es fatal, eine erfolgsabhängige Vergütung zu fordern, wenn der Fonds 20 Prozent verloren hat, nur weil der Gesamtmarkt 25 Prozent verloren hat. Immerhin: 80 Prozent der Aktienfonds verlangen erst bei einer positiven Wertentwicklung eine Erfolgsvergütung, und 8 Prozent der Fonds erheben diese Gebühr erst, wenn die Wertentwicklung eine bestimmte positive Schwelle überschreitet, sagen die Zahlen von Lipper Fitzrovia.

          Bleibt neben der fairen Gestaltung der Gebühren noch das Anreizproblem: Kritiker sagen, dass leistungsabhängige Vergütungen Fondsmanager zu risikofreudig machen - geht die riskante Wette auf, verdient die Gesellschaft an den höheren Gebühren, scheitert der Fondsmanager, ist es ja nur das Geld des Kunden, das verbrennt. Hier kann man nur hoffen, dass die Kunden das erkennen und mit dem entsprechenden Mittelentzug bestrafen werden. Denn damit Leistung sich lohnt, muss man auch Nicht-Leistung entsprechend bestrafen. Auch das gehört zu einer geistig-moralischen Wende.

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