https://www.faz.net/-gv6-t0sy

Der Fondsmarkt : Der Vertrieb treibt die Preise

  • -Aktualisiert am

Bild: FAZ

Die Verwaltungsgebühren deutscher Fonds sind weiter gestiegen. Schuld daran sind offenbar die weiter hohen Vertriebskosten. Wenn die Anleger diesem noch stärker aus dem Weg gingen, könnte sich das Problem aber von selbst lösen.

          2 Min.

          Wir alle wissen ja, wie das ist mit dem Pfennig, den man ehren soll. Und dass eben dieser Pfennig - auch wenn wir ihn heute Cent nennen - die Seele des Geschäfts und der ersten Million ist. Wie viel das in harter Währung sein kann, zeigt ein einfaches Rechenbeispiel: Wer 20 Jahre monatlich 100 Euro in einen Fonds steckt, hat bei einer unterstellten Wertentwicklung von 10 Prozent und einer Verwaltungsvergütung von einem Prozent nach 20 Jahren rund 5.000 Euro an Gebühren gezahlt. Erhöht sich die Verwaltungsvergütung auf 1,25 Prozent, so sind das nach 20 Jahren rund 1.000 Euro mehr an Gebühren, - kleine Ursache, große Renditewirkung.

          Aber zum Glück kommt eine Studie von FWW Research Services zu einem für Fondssparer erfreulichen Ergebnis: In fast allen Fondskategorien seien die Gebühren im vergangenen Jahr auf dem Rückzug gewesen. Speziell bei den Ausgabeaufschlägen habe man einen Rückgang von bis zu 1,33 Prozentpunkten gesehen. So erfreulich das klingt - auf lange Frist relativiert sich diese gute Nachricht, glaubt zumindest Lipper Fitzrovia. In den vergangenen Jahren seien die Verwaltungsgebühren deutscher Fonds deutlich gestiegen, streut die Rating-Agentur Salz in die Anlegerwunden.

          Ansprüche sind schuld am Gebührenanstieg

          Während man für sinkende Preise keine Begründung abliefern muss, sind Argumente für steigende Preise immer rasch bei der Hand: So seien die Produkte immer ausgefeilter geworden, die Kapitalmarktanalysen anspruchsvoller und der regulatorische Aufwand immer höher, heißt es aus den Türmen der Fondsgesellschaften.

          Wie gut haben es da die amerikanischen Anleger: Eine Studie des Fondsanalysehauses Morningstar zeigt, dass die Fondsgebühren in den Vereinigten Staaten in den vergangenen Jahren deutlich gesunken sind. Ein Grund für diese Preissenkungen ist laut Morningstar der Umstand, dass die Fonds immer größer geworden sind und sich damit die fixen Kosten für einen Fonds auf immer mehr Anleger verteilen - das macht sie, je Kopf berechnet, billiger. „Viele amerikanische Fonds haben sogenannte Step-up-Regeln: Mit steigendem Fondsvolumen sinkt automatisch die Gebührenbelastung“, sagt Werner Hedrich von Morningstar. Ist es also die schiere Größe, die amerikanische Fondskäufer billiger einkaufen lässt als ihre deutschen Spargenossen?

          Glückliche Amerikaner

          Möglicherweise nicht nur, wenn man einmal ein paar ausgewählte Produkte miteinander vergleicht. Haben denn amerikanische Fonds, die sowohl hinsichtlich ihres Anlageuniversums, ihrer Strategie als auch mit Blick auf ihre Größe mit deutschen Produkten vergleichbar sind, auch die gleiche Kostenbelastung? Nicht unbedingt, sagt Hedrich: „Der Allianz DIT Eurobond Total Return beispielsweise hat eine Gesamtkostenbelastung von rund 1,3 Prozent. Zwei vergleichbare Fidelity-Fonds gleicher Größe, die in Amerika sehr beliebt sind, kommen auf Gesamtkosten von 0,8 beziehungsweise ein Prozent“, rechnet Hedrich vor. Ein anderes Beispiel ist der BWI Dividendenstrategie Euro, der eine Gesamtkostenbelastung von 1,95 Prozent hat - der vergleichbare Vanguard Dividend Growth kommt da mit 0,38 Prozent in Amerika vergleichsweise billig daher.

          Ein genauerer Blick auf die Kostenstruktur offenbart, dass es möglicherweise nicht nur die Fondsgesellschaften sind, die für diesen Kostenunterschied verantwortlich sind. Viel deutet darauf hin, dass zumindest ein Teil der Preisunterschiede auf den Vertrieb zurückzuführen ist. Der verlangt für seine Dienstleistung einen ordentlichen Gebührenhappen. Glaubt man den inoffiziell geäußerten Klagen der Fondsgesellschaften, dass ihre Marge sich in den vergangenen Jahren kaum bewegt habe, so wäre das kompatibel mit dieser Interpretation.

          Doch das könnte sich in Zukunft möglicherweise ändern, wenn die Fondskäufer weiter dazu übergehen, ihre Fonds ausgabeaufschlagfrei im Internet zu kaufen oder aber zunehmend über die Höhe des Ausgabeaufschlags zu verhandeln. Und je mehr der Vertrieb davon abkommt, sich seine Leistungen über mehr oder weniger versteckte Gebühren zu verdienen, sondern sein Auskommen über eine angemessene Honorarberatung sucht, um so mehr wird der Cent, den wir in einen Fonds investieren, auch nur für das Fondsmanagement selbst sein - und diesen Cent werden wir gerne auch weiterhin ehren.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Muss weiter um den Starttermin als Kommissionspräsidentin bangen: Ursula von der Leyen

          Kein grünes Licht für Ungar : Von der Leyen kann noch nicht aufatmen

          Der Start von Ursula von der Leyens neuer EU-Kommission bleibt in der Schwebe: Der Kommissarkandidat aus Ungarn muss in die Nachbefragung. Und wegen Großbritanniens Weigerung, vor den Neuwahlen einen Bewerber zu nominieren, leitet Brüssel derweil ein Strafverfahren ein.
          Ort einer Tragödie: S-Bahnhof Frankenstadion in Nürnberg (Archivbild)

          Am S-Bahnsteig : Stoß mit tödlichem Ende

          Zwei Jugendliche sind in Nürnberg angeklagt, zwei Schüler ins Gleisbett geschubst zu haben. Die beiden Jungen hatten keine Chance: Den Angriff konnten sie nicht sehen – die Täter standen hinter ihnen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.