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Der Fondsmarkt : ABS-Fonds: Lohnt es sich, die Nerven zu bewahren?

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Vor zwei Jahren gerieten offene Immobilienfonds in einen Strudel von schlechten Nachrichten, Skandalen und Fondsschließungen. Gegenwärtig sind so genannte ABS-Fonds dran. Lohnt es sich auch diesmal, die Nerven zu bewahren?

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          Die meisten von uns kennen das: Man hat das Gefühl, das gegenwärtig Erlebte bereits schon einmal erlebt zu haben. Die deutsche Fondsbranche hat derzeit ein solches Déjà vu: Die Schließung etlicher Fonds, gepaart mit einer veritablen Krise eines Anlagesegments brachten unangenehme Erinnerungen an längst verdrängt geglaubte Zeiten mit sich: Vor zwei Jahren gerieten offene Immobilienfonds in einen Strudel von schlechten Nachrichten, Skandalen und Fondsschließungen und drohten unterzugehen.

          Dieses Mal hat es Fonds erwischt, die in sogenannte ABS-Strukturen investieren. Das sind mit Sicherheiten hinterlegte Kredite, die durch Verbriefung handelbar gemacht werden. Pessimisten befürchten, dass die ABS-Krise auch auf andere Fondsprodukte, vor allem Geldmarktfonds, ausstrahlen könnte.

          Wenn es alle Anleger zum Ausgang drängt ....

          Der Auslöser für dies alles ist die Krise im Subprime-Segment in Amerika. Das sind Hypothekenkredite von Schuldnern mit sehr schlechter Bonität. Diese Kredite wurden gebündelt und als Paket verkauft, zum Teil wieder an andere Gesellschaften, die selbst Kredite bündeln und verkaufen. Als viele Subprime-Kredite platzten, ging die Schockwelle auch dank dieser Schachtelstruktur quer durch alle Portfolios bis hin in die Hochhäuser der deutschen Fondsgesellschaften.

          Bisher galten die ABS-Produkte als Verheißung für risikoaverse Investoren, die angesichts der niedrigen Zinsen der vergangenen Jahre renditetechnisch ausgehungert waren. Versprachen die ABS-Fonds doch den Extra-Zuschlag Rendite ohne Reue. Das klang so attraktiv, dass auch andere Investoren sich in diese Produkte wagten, um dem permanenten Renditedruck begegnen zu können. Nervöse Naturen spekulieren darüber, dass auch Immobilienfonds, Dachfonds und große institutionelle Anleger mit in diesem bedrohlich schwankenden Boot sitzen.

          Bei den Überlebenden der Immobilienfondskrise löst dieses Szenario ein Déjà-vu aus: mehr Rendite als der Geldmarkt bei täglich verfügbarer Liquidität ohne ein wesentlich höheres Risiko. Das waren auch die Verheißungen der offenen Immobilienfonds, bevor es zu einem Beinahezusammenbruch der Branche kam. Und wie damals sorgte in der aktuellen Krise der erste Hauptsatz der Finanzmärkte - keine Rendite ohne Risiko - dafür, dass die Träume von risikoloser Rendite nun geplatzt sind. Der Ausfall zahlreicher Kredite im Subprime-Segment führte nicht nur zu Zahlungsausfällen, sondern auch zu einer höheren Nervosität der Investoren - plötzlich will niemand mehr ABS, CDO, RMBS, CMBS-Produkte - oder wie auch immer sie heißen mögen - kaufen; stattdessen drängt es alle Anleger zum Ausgang - mit fatalen Folgen für die Preise dieser Produkte und damit auch für die Kunden der Fonds, die in diese Produkte investiert haben. Selbige Kunden versuchen ebenfalls, ihre Fondsanteile zu verkaufen - und beschleunigen damit den Verkaufsdruck auf dem Markt für ABS-Produkte zusätzlich.

          ... hat fatale Folgen für die Preise und die Liquidität

          In dieser Situation hatten die Fondsgesellschaften nur zwei Alternativen: Sie nehmen die Fondsanteile ihrer Anleger zurück und sehen den Kursen beim Absturz zu, oder sie nehmen vorübergehend keine Anteile mehr zurück und mindern dadurch den Verkaufsdruck - und bewahren ihre Kunden möglicherweise vor größeren Verlusten. Viele Gesellschaften entschieden sich - wie vor zwei Jahren ihre Kollegen in der Immobilienbranche - für die Schließung.

          Kann man die Gesellschaften aber von aller Schuld freisprechen? Vielleicht nicht ganz. Zum einen müssen sie sich fragen lassen, ob sie die Risiken dieses noch jungen Marktsegments unterschätzt haben. "Die Heftigkeit, mit der dem Markt die Liquidität entzogen wurde, hat uns überrascht", heißt es dazu aus dem Markt. Insofern dürfte diese Krise auch für schmerzhafte Lerneffekte sorgen. Zum anderen muss man sich fragen, ob denn der Vertrieb immer wirklich weiß, wem er da was ins Portfolio beraten hat.

          Aber die Ähnlichkeit der Immobilienkrise mit der aktuellen Krise hat für den Kunden auch etwas Tröstliches: Im Nachhinein zeigte sich, dass diejenigen Anleger, die damals ihre Nerven und ihre Fondsanteile behielten, sogar mit Gewinnen aus der Krise herauskamen. Insofern könnte der zweite Hauptsatz der Finanzmärkte - immer die Nerven bewahren - auch in diesem Fall einen Weg aus der Krise zeigen. Vielleicht kann man aus einem Déjà vu auch etwas lernen.

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