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Georg von Wallwitz : Der Fondsmanager, Odysseus und das große Geld

Der Philosoph und Mathematiker Georg Friedrich Graf von Wallwitz, 47, leitet die Vermögensverwaltung Eyb & Wallwitz in München. Bild: Jan Roeder

Georg von Wallwitz ist der ungewöhnlichste Geldverwalter des Landes: Er liebt antike Helden, schreibt über Philosophie und lästert bitterböse über seine Branche.

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          Surreale Zahlen? Nie davon gehört. Das freut Georg von Wallwitz. In solchen Momenten huscht ein Lächeln über seine Lippen, er holt kurz Luft und setzt dann zu einer kleinen Rede an. Sie beginnt bei einem österreichischen Mathematiker namens Kurt Gödel, streift kurz den Unterschied zwischen reellen und surrealen Zahlen (hier sei nur so viel gesagt: der ist ganz schön kompliziert), endet aber bald mit einer überraschend verständlichen Erklärung: „Surreale Zahlen ermöglichen es, im Unendlichen zu rechnen.“ Kurze Pause, dann ein Witz: „Sollten die Zentralbanken mit ihrer Geldpolitik also irgendwann einmal sogar die Unendlichkeit sprengen, wäre ich derjenige, an den sie sich wenden müssen.“

          Dennis Kremer
          Redakteur im Ressort „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Mann, der das so forsch sagt, hat das Talent, Menschen zu unterhalten. Georg Friedrich Graf von Wallwitz (so lautet sein vollständiger Name) sieht zwar auf den ersten Blick aus wie Fondsmanager eben so aussehen: blauer Anzug, ordentliches Hemd, Krawatte. Doch das ist nur Tarnung. Denn welcher Fondsmanager kann schon minutenlang über so abstrakte Dinge wie eben surreale Zahlen reden (Wallwitz hat einst seine Diplomarbeit darüber geschrieben) und einen dabei zugleich keine einzige Minute langweilen?

          Der 47-Jährige, Chef der Vermögensverwaltung Eyb & Wallwitz in München, gehört sicher nicht zu den bedeutendsten Geldmanagern des Landes. Er verwaltet 500 Millionen Euro, das ist in dieser Branche noch keine außergewöhnlichen Summe. Aber er ist einer ihrer außergewöhnlichsten Vertreter: Ein Mann, der seine Fonds nach dem Werk des griechischen Philosophen Platon „Phaidros“ nennt. Der nebenher Bücher schreibt, sogar ganz erfolgreiche. Und der Spaß daran hat, die Kollegen aus der Finanzbranche mit frechen Sprüchen zu provozieren.

          Auf diese Weise hat es Wallwitz geschafft, sich in nur wenigen Jahren einen Namen zu machen - böswillig könnte man sagen: Da weiß einer, wie das Marketing in eigener Sache funktioniert. Diese Fähigkeit würde selbst der Vermögensverwalter sich nicht absprechen, aber wer dauerhaft erfolgreich sein will, muss dann eben doch etwas mehr zu bieten haben. Das hat Wallwitz definitiv: Er denkt auf erfrischend unkonventionelle Weise über die Welt nach und gewinnt daraus nicht selten auch neue Ideen für die Geldanlage.

          Ausgerechnet einen antiken Heroen, eine Sagengestalt aus Griechenland, hat der Vermögensverwalter zu seiner ganz persönlichen Lieblingsfigur erkoren: Odysseus, durch dessen weltberühmte List die Griechen Troja einnehmen konnten. Dieser Odysseus ist für Wallwitz nun beileibe kein in allem heldenhafter Mensch. Aber ein kluger, vorausschauender Stratege, der in jeder Situation (ob nun in der Höhle des Zyklopen oder bei der Eroberung Trojas) die Gefahren nüchtern abwägt und sich dann für die aus seiner Sicht beste Option entscheidet. „Seine Skepsis sorgt dafür, dass Odysseus die Risiken wägt und stets am Leben bleibt.“

          Ähnlich muss nach Überzeugung des Vermögensverwalters auch ein Investor handeln: sich nie blind auf die eigene Anlagestrategie verlassen, sondern stattdessen stets das eigene Tun hinterfragen und dann kühl und beherrscht die Wahl für oder gegen eine bestimmte Aktie treffen. „Das ist wie bei einer Katze, die vor dem Mauseloch sitzt und auf die Beute wartet. Erfolgreiche Katzen schauen nur mit einem Auge auf das Mauseloch - mit dem anderen sehen sie zur Tür, ob dort nicht der Hund kommt. Wer nur auf die Beute sieht, hat kein langes Leben.“

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