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Selbstfindung : Der Finanzplatz Frankfurt ist im Wandel

Bild: F.A.Z.

Im Frankfurter Bankenviertel tut sich einiges: Neue Regeln, neue Spieler, neue Sparsamkeit. Vor allem die Investmentbanken sortieren sich neu - und kleinere Boutiquen streben mit Erfolg nach oben.

          5 Min.

          Von der Frankfurter Niederlassung der Royal Bank of Scotland wird schon bald nicht mehr viel übrig sein. Einst ein stolzes Investmenthaus, das mit mehr als 400 Mitarbeitern die größten deutschen Konzerne mit Finanzierungen und Kapitalmarktberatung versorgte, werden wohl nicht viel mehr als 30 Vertriebsleute und Kundenbetreuer übrig bleiben, wenn das gerade angekündigte Sparprogramm erst einmal umgesetzt ist. 14.000 Stellen will der Finanzkonzern in der ganzen Welt streichen, Geschäftszweige wie das globale Transaktionsbanking aufgeben; da bleibt auch in der deutschen Dependance kein Stein auf dem anderen.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Gerald Braunberger

          Nun ist die RBS ein besonders schwerer Fall. Kaum eine internationale Investmentbank ist so hart von der Finanzkrise getroffen worden wie die Schotten, die sich zur Unzeit kurz vor der Lehman-Pleite den holländischen Finanzkonzern ABN Amro ans Bein gebunden hatten. Der britische Steuerzahler musste einspringen – die harte Schrumpfkur selbst für die eigentlich profitable deutsche Tochter dürfte auch mit dem Wahlkampf auf der Insel zu tun haben.

          Fusionsberatungsplatz Frankfurt

          Doch auch die übrigen im Investmentbanking tätigen Häuser, die vom Finanzplatz Frankfurt aus die deutsche Wirtschaft bespielen, haben derzeit mit großen Herausforderungen zu kämpfen. Schärfere Regeln, neue Konkurrenten und Skandale der Vergangenheit machen ihnen das Leben schwer. „Es ist sicher schwerer geworden, seine Kapitalkosten zu verdienen“, sagt ein führender Frankfurter Investmentbanker – und spielt damit auf gleich zwei Probleme an: Zum einen müssen die Banken aufgrund neuer Regularien für viele Geschäfte mehr Kapital als Puffer vorhalten. Zum anderen lässt sich etwa mit dem Handel von Anleihen – früher ein wichtiges Standbein – in Zeiten von Null- und Negativzinsen kaum etwas verdienen.

          Die britische Bank Barclays hat unter anderem damit den Abbau von 7000 Stellen weltweit, einem Viertel ihres Investmentbankings, begründet, die Schweizer UBS hat das Geschäft ebenfalls verkleinert. Das hinterlässt auch in den Frankfurter Büros Spuren. Von den Auslandsbanken hat in Frankfurt traditionell die Schweizer UBS einen nennenswerten Handel betrieben. Im Aktienhandel ist sie immer noch stark vertreten, im Handel mit Zinsprodukten hat es dagegen eine Reduzierung gegeben.

          Den Handel mit Finanzprodukten betreiben die meisten Banken allerdings ohnehin nicht am Main, sondern an der Themse. Daran ändert nichts, dass die Commerzbank an der Mainzer Landstraße den größten Handelssaal Europas betreibt. Spätestens seit mit der Einführung des Euros der innereuropäische Devisenhandel wegbrach, haben viele ausländische Institute ihre Handelseinheiten in London konzentriert. Nach Heerscharen von Investmentbankern, die geknickt ihre Pappkartons aus dem Büro tragen, wird man zwischen Goetheplatz und Taunusanlage also nicht nur wegen des strikteren Kündigungsrechts lange suchen müssen.

          Wichtiger war in Frankfurt schon immer die Beratung bei Fusionen und Übernahmen oder die Begleitung von deutschen Unternehmen an die Börse. Und die läuft derzeit so gut wie seit Jahren nicht. Allein die großen Wall-Street-Häuser Morgan Stanley, Goldman Sachs und JP Morgan haben hier im vergangenen Jahr jeweils Fusionen und Übernahmen im Wert zwischen 60 und 70 Milliarden Dollar begleitet, was teilweise doppelt so viel ist wie im Vorjahr. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank spielt mit einem Volumen von 89 Milliarden als einziges heimisches Haus in dieser Liga mit.

          Kleinere Boutiquen immer bedeutsamer

          Generell sieht es in diesem Geschäft auch in Deutschland derzeit nicht schlecht aus. Das Jahr 2014 war geprägt von Fusionen und Übernahmen. Nach Einschätzungen aus der Szene dürfte auch 2015 zumindest ordentlich werden. „Man arbeitet an neuen Deals“, ist aus einem Bankenturm zu hören, garniert mit dem Standardsatz der Investmentbanker in guten wie in schlechten Tagen: „Die Pipeline ist gut gefüllt.“

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