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Daxhoch : Historische Lektionen für das Allzeithoch

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Bild: FAZ.NET

Das Allzeithoch ist erreicht, wo geht es nun hin? Blickt man in die lange Geschichte des S&P 500, so lassen sich keine eindeutigen Regeln daraus ableiten. Indes rät die Begeisterung, die Hochs verbreiten, eher zur Vorsicht.

          Allzeithochs sind Gründe zum feiern. Feiertage sind sie aber nicht. Denn auch an der Börse gilt: nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Wie also geht es weiter mit dem Dax?

          Blickt man in die Historie eines traditionsreicheren Indizes als des deutschen, der letztlich nur bis 1990 zurückreicht, so ergibt sich kein eindeutiges Bild. Der S&P 500 verzeichnete in seiner Geschichte, die rechnerisch bis 1950 zurückgeht, auch wenn der Index erst 1957 eingeführt wurde, naturgemäß eine Vielzahl von Höchstständen.

          Fünfziger Jahre: Gipfelspringen bis zur Krise

          In den besonders guten Börsenjahren der Fünfziger zu Anfang seiner Geschichte wurde ein Höchststand praktisch vom nächsten abgelöst. Das erste „Allzeithoch“ am 9.1.1950 von 17,08 Punkten etwa hatte zwei Tage lang Bestand und auch das Hoch vom 11. Januar wurde bereits am 2. Februar abgelöst.

          Die erste nennenswerte Pause macht der Index zwischen dem 22. Juni und dem 14. September 1950. Etwas zu kämpfen hatte er mit der Marke von 20 Punkten, auch wenn der Index zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht ausgewiesen wurde. Das zeigt, wie solche „magischen Marken“ manchmal überbewertet werden.

          Das erste Allzeithoch, das länger als ein Jahr bestand hatte, erreichte der S&P am 5. Januar 1953. Von den 26,66 Punkten ging es im Zuge der Rezession nach dem Koreakrieg 15 Prozent abwärts, bevor am 11. März 1954 mit 26,69 Punkten eine neue Bestmarke erreicht wurde, der dann erneut ein jahrelanges Gipfelspringen folgte, das erst im August 1956 mit einem Stand von 59,64 Punkten zu Ende ging, bevor der S&P den politischen Krisen in Ägypten, Zypern und Ungarn Tribut zollte.

          Sechziger Jahre: Stärken und Schwächen

          Erst im September 1958 wurde die Marke von 50 Punkten übersprungen, nachdem der Index daran 1957 knapp gescheitert war. Dies war der Mittelpunkt einer abermaligen Hausse, die im Januar 1960 mit dem Sprung über 60 Punkte belohnt wurde. Das allerdings war der Auftakt zu einem schlechten Börsenjahr - erst fast genau ein Jahr später notierte der S&P wieder über 60 Punkten, machte seine Sache dann aber besser.

          Indes verliefen die folgende Jahre volatiler und am 12. Dezember 1961 war erst einmal Schluss. Die Kubakrise schadete dem Aktienmarkt und der Index fiel. Die Konsolidierung tat ihm gut und ab 1963 erlebte er eine starke Erholungsphase mit vielen neuen Gipfeln - vor allem in Reihe. Zwischen dem 25. Juni und dem 10. Juli 1964 stellte der S&P 500 elfmal hintereinander einen Rekord auf.

          Die Hause fand ihren vorläufigen Abschluss am 9. Februar 1966 bei 94,06 Punkten, doch nach einer drastischen Korrektur glänzte der Index im Mai 1967 mit einem neuen Hoch, dem sich eine weitere Rekordjagd anschloss, die allerdings durch deutliche kurzfristige Einbrüche gekennzeichnet war.

          Die mageren siebziger Jahre

          Das nahm bereits vorweg, was danach geschah. Den Sprung über die Marke von 100 Punkten im Juni 1968 feierten die Börsianer noch mit weitere Hochs, zuletzt am 29. November 1968 bei 108,37 Punkten. Danach mussten sie über drei Jahre warten. Doch was wohl viele als den Beginn einer neune Hausse wähnten, endete in Tränen. Der Höhenflug nach dem Hoch bei 108,77 Punkten im März 1972 endete jäh mit der Ölkrise im Januar 1973 mit der Niederlage in Vietnam bei 120,24 Punkten. Es folgten die Ölkrise und Watergate und sieben magere Jahre auf dem Parkett.

          Wie schon in den späten Sechzigern und den frühen Siebzigern pendelte der Index um die Marke von 100 Punkten, bevor er im Juli 1980 die neue Bestmarke von 121,44 Zählern erreichte. Doch abermals trog die Hoffnung, denn im November war bei 140,52 Stellen weitere zwei Jahre Schluss, als die Zentralbank die Zinsschraube nach den inflationären Siebzigern die Zinsschraube festzog.

          Festival, Crash und goldenes Jahrzehnt

          Was ab 1982 folgte ist bekannt. Das Festival der frühen Achtziger, das übrigens keineswegs glatt verlief, endete mit dem Crash am 19. Oktober 1987, nach dem Hoch bei 328,07 Punkten am fünften des Monats. Das blieb aber letztlich nur Episode - im Juli 1989 begann der Vorläufer der großen Technologiehausse mit einem neuen Rekord am 11. Juli 1989. Vom ersten Golfkrieg unterbrochen, gong es dann wieder Schlag auf Schlag bis zum 24. März 2000 und 1527,46 Punkte, das erstmals Ende Mai und dann erst am Donnerstag mit 1547,70 Punkten überboten wurde.

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