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David gegen Goliath : Die Rechenfehler der Deutschen Bank

Für die Deutsche Bank geht es in dem Rechtsstreit lediglich um 6 Millionen Euro. Bild: dpa

Ein Vermögensverwalter aus Karlsruhe fühlt sich als Opfer falscher Berechnungen der Deutschen Bank. Nun wittert er Morgenluft. Denn vor einem Londoner Gericht steht die Bank wegen ähnlicher Vorwürfe unter Beschuss.

          Stellen Sie sich vor, Ihre Bank räumt Rechenfehler ein, die empfindliche Konsequenzen für Ihr Vermögen haben. In dieser Rolle sieht sich der in Karlsruhe ansässige Vermögensverwalter Bardusch & Gehrsitz (B&G) gegenüber der Deutschen Bank. Vor dem Landgericht Karlsruhe wird um rund 6 Millionen Euro gestritten. Für die Deutsche Bank ist das angesichts von 3 Milliarden Euro, die sie für Rechtsrisiken - unter anderem wegen Verfahren zu angeblichen Manipulationen von Interbankenzinsen (Libor) oder komplexen amerikanischen Hypothekenanleihen - zurückgestellt hat, nicht allzu viel.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der sich mittlerweile in der Insolvenz befindliche Vermögensverwalter, insbesondere sein Gesellschafter und Mitgründer Helmut Bardusch, fühlt sich als Opfer eines Systemfehlers der Deutschen Bank, der zu falschen Sicherheitsanforderungen geführt hat. Ein Vorwurf, den die Bank zurückweist. Sie spricht vielmehr von einem Einzelfall. In einem Schreiben an die Finanzaufsicht Bafin erklärte sie, dass B&G über die Höhe der vereinbarten Sicherheiten zutreffend informiert worden sei. Allerdings räumt die Bank darin auch eine nicht erfolgte Addition ein.

          Außerdem hat ein Mitarbeiter in einer Vernehmung vor dem Landgericht Karlsruhe im November 2011 von einem „Computerprogrammierfehler“ gesprochen. Rückenwind erhofft sich Bardusch nun von einem Prozess in London. Dort hat der norwegische Großinvestor Alexander Vik die Deutsche Bank auf 8 Milliarden Dollar verklagt. Hier hat die Bank zur Prozesseröffnung in diesem Frühjahr ebenfalls nicht zutreffende Berechnungen eingeräumt. Ein Sprecher betont aber, dass es sich um zwei getrennte, nicht miteinander zusammenhängende Einzelfälle handele. Sie gingen auf das Jahr 2008 und früher zurück und bezögen sich auf verschiedene Produkte, Anlageklassen, Standorte und Kunden.

          Die Wetten gingen nicht auf

          Doch zurück nach Karlsruhe: Der Streit begann im November 2008, als die Finanzmärkte nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers unter Schock standen. Einige B&G-Kunden hatten mit Aktienoptionen an der Londoner Terminbörse Liffe auf die Aktie des australischen Minenbetreibers Rio Tinto gesetzt. Die Wetten gingen nach dem Lehman-Schock nicht auf. Vielmehr kam es zu einer entgegengesetzten Kursentwicklung. Bei Optionsgeschäften werden dann höhere Sicherheitsleistungen (Margin Call) fällig.

          Der Rechtsstreit dreht sich um eine Liste, mit der die B&G-Mitarbeiter die Risikopositionen ihrer Kunden prüften und die ihnen täglich von der Deutschen Bank zur Verfügung gestellt wurde. Viele Mitarbeiter des Vermögensverwalters hatten zuvor bei der Deutschen Bank gearbeitet und von dort die Liste gekannt. Dazu gehört etwa Michael Gehrsitz, der in Führungspositionen im Bereich Private Banking für die Deutsche Bank tätig war, bevor er im Jahr 2002 Gesellschafter und Geschäftsführer von B&G wurde.

          Die Deutsche Bank hat nach eigenen Angaben diese Liste nur B&G zur Verfügung gestellt, anderen Kunden aber nicht. Offenbar betrachtet sie dies als besonderes Entgegenkommen. Ob ein professioneller Vermögensverwalter das Risiko seiner Kunden über eine solche Liste steuern kann oder ob er auch auf andere ihm zugängliche Informationsquellen zurückgreifen muss, darum dreht sich der Prozess im Wesentlichen.

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