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Dachfonds : Timing führt Dachfonds zum Erfolg

  • -Aktualisiert am

Hohe Gebühren und eine miese Performance bei Dachfonds führten zur Ernüchterung. Bernd Greisinger könnte mit seinen Dachfonds BG Global Classic und BG Global Dynamic eine Ausnahme sein.

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          Der Weg führt vorbei an der Produktausstellung von Hark-Kamine, wobei es empfehlenswert ist, der Ausschilderung für Lieferanten zu folgen. Im Gebäude auf dem Hinterhof geht es dann zwei Treppen nach oben. Vorbei an Bembé-Parkett steht man plötzlich in einer Umgebung, die weniger an ein Büro und mehr an eine Wohnung erinnert. Luftschlangen auf dem Tisch und Karnevalsorden an der Wand machen deutlich, daß auch der hinterste Winkel eines eher freudlosen Gewerbegebiets in Mainz immer noch eine Karnevalshochburg ist.

          Hier im Ortsteil Hechtsheim sitzt der Hausherr im grauen Strickpullover und Blue jeans vor seinen drei Computer-Bildschirmen. Vor ihm aufgereiht liegen vier Telefone. Börsentäglich verbringe er 15 Stunden in diesem Raum, sagt er. Nach draußen ziehe ihn nichts. Wenn er Bewegung brauche, stelle er sich auf das Laufband direkt neben dem Schreibtisch. Seine Heimat sind die bunten Übersichten auf den Bildschirmen, die er aufmerksam durch die etwas zu groß geratene Brille unter einer Mecki-Frisur betrachtet. Willkommen in der Welt des erfolgreichsten deutschen Dachfondsmanagers.

          Mit Flexibilität zum Erfolg

          Bernd Greisinger ist ein Außenseiter, genauer gesagt: ein Seiteneinsteiger, der im vergangenen Jahr bewiesen hat, daß mit Fonds auch in schwierigen Zeiten Geld zu verdienen ist. Die beiden von ihm verantworteten Dachfonds BG Global Classic -ISIN: LU0126518215 - und BG Global Dynamic - ISIN: LU0126518488 - legten in den vergangenen zwölf Monaten um 4,5 Prozent beziehungsweise 2,7 Prozent zu - und das bei einem unterdurchschnittlichen Risiko. Die Schwankungsbreite des Anteilspreises, eine Meßlatte für das eingegangene Risiko, lag bei 6,4 Prozent beziehungsweise 9,1 Prozent. Die durchschnittliche Volatilität aller flexibel gemanagten Dachfonds, die sowohl in Aktien- wie auch in Rentenfonds investieren können, betrug gleichzeitig 9,7 Prozent.

          Auf den ersten Blick widerspricht dies vollständig den Regeln des Investmentgeschäfts. Die Formel lautet normalerweise: Hohe Chancen, hohe Risiken. Das gilt auch für Greisinger und seine Fonds. Doch ist bei ihm das Risiko nicht an der Volatilität ablesbar, sondern an seiner Aufenthaltszeit im Büro. Sein Erfolgsgeheimnis ist die schnelle Reaktion auf Marktentwicklungen. Macht ein Fonds im Portfolio zwei Tage hintereinander Verluste, fliegt er in der Regel raus. "Innerhalb von drei Wochen dreht sich das Portfolio vollständig", sagt er. Normal sind fünf bis zehn Orders pro Tag. Doch dieses System steht und fällt mit Greisinger als Mittelpunkt. Eine Krankheit, die ihn zeitweise aus seiner Welt in Mainz-Hechtsheim vertreiben könnte, hätte unmittelbare Auswirkungen auf die Performance.

          Zauberwort heißt Verlustbegrenzung

          Aber wie paßt diese extrem flexible Anlagestrategie mit der niedrigen Schwankungsbreite zusammen? "Das Zauberwort heißt Gewinnmitnahme", sagt Greisinger. Die schnelle Reaktion auf fallende Märkte verhindert, daß die Kursentwicklung vollständig durchlaufen wird. Von der verbreiteten Strategie "Kaufen und halten" hält er deshalb nichts. "Wenn ich weiß, daß es immer weiter runtergeht, warum soll ich dann an einem Fonds festhalten", fragt er. Aber weshalb machen es die anderen Dachfonds ihm nicht nach? "Weil die in den achtziger und neunziger Jahren aufgewachsen sind", sagt er. Die würden nur den Bullenmarkt kennen, und "Kaufen und halten" sei eine Bullenmarktstrategie. Selbstverständlich würde auch er diesem Ansatz folgen, wenn die Märkte haussieren. Aber momentan haben eben die Bären das Sagen. In einer solchen Situation helfe nur permanentes Umschichten. Wie anstrengend das ist, macht die Länge des Arbeitstages deutlich. Um 8.30 Uhr kommt Greisinger ins Büro. Nachts gegen drei Uhr verläßt er es wieder. "Es kann manchmal aber auch fünf werden." Allein dieser Arbeitseifer würde schon jede tarifvertragliche Regelung in einer normalen Kapitalanlagegesellschaft sprengen.

          Das Geld fließt zu

          Für einen, der bei der Sparkasse Mainz in das Vermögensverwaltungsgeschäft eingestiegen ist und beim Strukturvertrieb AWD das Vertriebshandwerk lernte, ist Greisinger schon ziemlich weit gekommen. Heute ist er 38 Jahre alt und erntet allmählich die Früchte eines ungewöhnlichen Werdegangs. Lag das verwaltete Fondsvolumen Anfang des vergangenen Jahres noch bei sieben Millionen Euro, ist es bis Ende Januar auf 38 Millionen angewachsen. Das Neugeschäft kommt nun immer mehr in Schwung. Allein in diesem Jahr sammelten die beiden Greisinger-Fonds sechs Millionen Euro neues Geld bei Anlegern ein.

          Für die Fondsbranche bleibt Greisinger angesichts solch überschaubarer Summen erst einmal nur ein Außenseiter. Auch wenn er den Wettbewerbern ziemlich drastisch vor Augen führt, was mit Dachfonds möglich ist. Nur eine Personengruppe dürfte inständig hoffen, daß sich Greisingers Erfolg in Grenzen hält: Es sind die Manager der Fonds, die er in schneller Folge kauft und verkauft. Je größer Greisingers Dachfonds werden, um so stressiger wird es für sie, die Zu- und Abflüsse wegen des sprunghaften Mannes aus Mainz-Hechtsheim ordentlich in den Griff zu bekommen.

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