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Geldanlage : Die Fonds-Falle

Bild: iStock

Die Börsen steigen wie verrückt, und alle kaufen Fonds: Ausgerechnet das könnte den ganz großen Crash auslösen.

          Am vergangenen Mittwoch ging eine Nachricht des Internationalen Währungsfonds (IWF) um die Welt. Wer sie genau las, konnte den Eindruck gewinnen, als wollten die IWF-Experten im fernen Washington Anlegern rund um den Globus die Laune so richtig verderben. Denn ausnahmsweise handelte die Nachricht weder von Griechenland noch vom Wachstum der Weltwirtschaft (obwohl sich der IWF in der vergangenen Woche zu beidem auch äußerte). Sie griff stattdessen ein Thema auf, dem die Fachleute in Washington sonst eher wenig Aufmerksamkeit schenken: Investmentfonds.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mit anderen Worten: Es geht ums Geld und zwar nicht um die Milliarden einiger weniger Superreicher. Sondern um unser aller Geld. Denn auch wenn Fonds mitunter Milliarden verwalten, tun sich dabei doch in erster Linie viele Privatanleger mit kleineren Beträgen zusammen, um ihr Geld von einem Profi vermehren zu lassen. Die Masse macht’s, lautet das Erfolgsprinzip. Ein Prinzip, an dem der IWF in der vergangenen Woche heftig rüttelte: „Von Fonds kann ein Risiko für die Stabilität des Finanzsystems ausgehen“, heißt es im Financial Stability Report der Organisation. Im Extremfall drohten heftige Kursstürze und der Zusammenbruch ganzer Wertpapiermärkte.

          Diese wenig erfreuliche Botschaft müssen sich Anleger ausgerechnet in einer Woche anhören, die vor Rekorden nur so strotzt: Der Dax erreichte am Freitag einen neuen Höchststand, das japanische Aktienbarometer Nikkei erreichte den höchsten Wert seit dem Jahr 2000 und auch in Amerika stiegen die Kurse. Wieso um alles in der Welt will man uns da die Stimmung vermiesen?

          Das billige Geld treibt die Aktienmärkte an

          Weil sich die IWF-Experten ernsthaft Sorgen machen. Übrigens im Verein mit den Fachleuten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel, die sich ebenfalls intensiv mit Marktrisiken beschäftigen. Auch wenn viele Anleger dies nicht gerne hören werden: Die beiden Organisationen sorgen sich zurecht. In ihren Analysen decken sie auf, dass ein gefährlicher Gleichlauf die Finanzmärkte erfasst hat: Je mehr Investmentfonds es gibt und je größer sie werden, umso mehr gleicht sich das Verhalten der Marktteilnehmer aneinander an. Sie bewegen sich also alle in die gleiche Richtung. Das ist schön und bequem, so lange die Kurse steigen und alles so wunderbar läuft wie derzeit. Aber das kann gefährlich, ja geradezu verheerend sein, sobald das Pendel einmal in die andere Richtung ausschlägt.

          Wie kommen die Experten nun zu dieser Einschätzung? Indem sie zunächst einmal ganz simpel auf die Zahlen geschaut haben. Die zeigen: Die Fondsbranche hat in den vergangenen Jahren weltweit einen einzigartigen Siegeszug erlebt. Laut einer Statistik des Fondsverbandes Efama sind heute sage und schreibe 28.290 Milliarden Euro in Fonds investiert – das ist doppelt soviel wie noch im Jahr 2008. Das heißt: Noch nie spielten Investmentfonds auf den Finanzmärkten eine so bedeutende Rolle wie heute.

          Nun kann man als Fondsmanager derzeit nicht viel falsch machen: Aufgrund der außergewöhnlichen, heftig umstrittenen Geldpolitik der Zentralbanken (Stichwort: Anleihekäufe), sind die Kurse von Anleihen gestiegen, als gäbe es kein Morgen (spiegelbildlich dazu fielen die Renditen). Und gleichzeitig hat das billige Geld die Aktienmärkte von einem Rekordhoch zum nächsten getrieben. Ob mit Aktien oder mit Anleihen im Depot: Die Kurse erhöhten sich zuletzt wie von selbst. Die Fondsmanager mussten sich einfach nur von der Herde mit treiben lassen.

          Steter Anstieg: Investmentfonds binden so viel Geld, wie nie zuvor

          Genau das ist aus Sicht der IWF-Fachleute das Problem: „Ein solches Herdenverhalten erhöht die systemischen Risiken.“ Nun klingt das zunächst einmal nicht gerade nach einer neuen Erkenntnis: Herdentrieb – also allein deswegen zu handeln, weil andere Investoren dies auch tun - ist an den Finanzmärkten schließlich ein altbekanntes Phänomen. Der Herdentrieb aber, den BIZ und IWF meinen, ist ein etwas anderer, weil er durch eine neue Entwicklung verstärkt wird: durch den Trend zu börsengehandelten Indexfonds (ETF). Fast 3000 Milliarden Euro haben Anleger aus aller Welt in sie investiert.

          Bei ETF handelt es sich eigentlich um eine gute Erfindung: Sie bilden die Entwicklung eines Börsenindex zu niedrigen Kosten exakt ab. Steigt beispielsweise der Dax um drei Prozent, legt auch ein Dax-ETF um drei Prozent zu, bei Verlusten vice versa. Bildlich gesprochen: In welche Richtung auch immer die Herde läuft – die ETF sind immer mittendrin.

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