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Geldanlage : Die Fonds-Falle

Ein Paradoxon: Wo ist die Liquidität, wenn man sie braucht?

Wie aber ist das bei klassischen Fonds? Theoretisch könnten deren Manager weitgehend frei agieren und müssten sich um die Entwicklung des Dax oder anderer Börsenbarometer gar nicht scheren. In der Praxis aber tun dies nur wenige. Der Grund dafür ist einfach: Die meisten Fondsmanager werden danach bezahlt, wie sie im Vergleich zu Dax & Co. abschneiden. Da zahlreiche Studien zeigen, dass auf Dauer kaum jemand bessere Ergebnisse erzielen kann als der Markt als Ganzes, gehen die Manager darum häufig auf Nummer Sicher und richten ihre Anlagestrategie stark an der Gewichtung der Aktien im Index aus. So laufen sie zumindest nicht Gefahr, schlechtere Resultate zu erzielen als das Börsenbarometer. Dass dies, hart gesagt, einer Art Arbeitsverweigerung gleichkommt, steht auf einem anderen Blatt. Das Resultat ist jedenfalls: Sowohl klassische Fonds als auch ETF folgen ganz nah dem Index.

Was so technisch klingt, heißt aber ganz konkret: Da jeder Fondsmanager sein Handeln so eng am Handeln des anderen orientiert und da den ETF wegen ihres Konstruktionsprinzips ohnehin keine andere Wahl bleibt, fließen in einem Schwung Milliarden in einen Markt hinein und lassen die Kurse steigen. Oder aber, und das ist das Gefährliche, die Milliarden fließen in einem Schwung wieder heraus und lassen die Kurse heftig abstürzen. Im Extremfall kann es sogar passieren, dass alle ihre Wertpapiere verkaufen möchten und keiner sie kaufen will. Der Fachbegriff für diesen Zustand lautet Illiquidität. Man könnte aber auch sagen: Der Markt ist dann am Ende – und die Anleger wären es im übertragenen Sinne auch.

Howard Marks, den Chef der bekannten amerikanischen Hedgefondsgesellschaft Oaktree, treibt diese Sorge schon länger um. In einem Brief an seine Kunden fand er Ende März treffende Worte: „Es ist paradox: Wenn sich keiner um Liquidität schert, ist sie im Übermaß vorhanden. Wenn man sie dagegen am dringendsten benötigt, ist sie beim besten Willen nicht aufzufinden.“ Liquidität nämlich kann es nur geben, wenn sich eine Gegenpartei findet, die den Verkaufswilligen ihre Wertpapiere abnimmt. In einer Welt gleichgeschalteter Fonds aber fehlt es womöglich an jenem Wettgeld, das den Markt vor dem Zusammenbruch schützt.

Die Banken, die früher in einer solchen Situation regelmäßig einsprangen und die Papiere auf ihre Bücher nahmen, fallen als Ausputzer aus: Nach der Finanzkrise wurden ihre Möglichkeiten zum Eigenhandel stark eingeschränkt. „Ohne Arbitrageure kann kein Markt der Welt funktionieren“, sagt Andreas Hackethal, Finanzprofessor an der Universität Frankfurt. Zugespitzt formuliert: Niemals wurden echte Spekulanten so dringend benötigt wie heute.

Aber was soll einen Crash genau herbeiführen?

Nun könnte man einwenden: Was um Himmels Willen soll denn bei der aktuellen Börsenlage den Crash herbeiführen, vor dem die Experten sich so fürchten? Natürlich weiß dies niemand ganz genau. Aber Aussagen von Notenbankern sind stets imstande, heftige Verkaufssignale auszulösen. Dies war beispielsweise 2013 so: Der damalige amerikanischen Notenbankpräsident Ben Bernanke hatte da lediglich von der Möglichkeit geringerer Anleihekäufe gesprochen – und nur damit an den Aktienbörsen vieler Schwellenländer ein Beben ausgelöst. Selbst damals aber, wenden Kritiker der IWF-Thesen ein, sei der Markt nicht gänzlich zusammengebrochen.

In der Tat mag sich an den großen Aktienbörsen noch immer ein Käufer finden – nur eben zu einem äußerst niedrigen Preis. Schwieriger sieht die Sache an Märkten aus, an denen ohnehin etwas weniger gehandelt wird. Dies gilt insbesondere für Firmenanleihen mit einer schlechten Ratingnote (sogenannte High Yield-Bonds) und für Anleihen aus den Schwellenländern. Wer hier Schlimmeres befürchtet, sollte in solche Fonds und Wertpapiere besser gar nicht erst einsteigen.

Diese neue, von Fonds dominierte Finanzwelt muss darum mit einer besonderen Paradoxie leben: Wenn alle das machen, was für jeden einzelnen Anleger am besten erscheint - sich nämlich nach dem Markt richten – kann das den Markt zerstören. Anders gesagt: Wenn alle das Richtige tun, geht es am Ende womöglich richtig schief.

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