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Künstliche Intelligenz : Roboter vermehren das Geld

In Stanley Kubricks Filmklassiker „2001: Odyssee im Weltall“ übernimmt der Computer HAL 9000 die Macht. Seine Nachfolger kümmern sich um die richtige Geldanlage. Bild: Kobal Collection

Schon bald könnten Maschinen die besseren Anleger sein. Die ersten Vermögensverwalter experimentieren mit Künstlicher Intelligenz – ist das die Zauberformel für die Geldanlage im 21. Jahrhundert?

          Hendrik Leber ist auf den ersten Blick ein ganz normaler Mann in den mittleren Jahren – freundliches Gesicht, Halbglatze, gut sitzender Anzug. Das muss man an dieser Stelle betonen, weil man ganz anderes erwarten könnte: einen verschrobenen Wissenschaftler mit leicht irrem Grinsen im Gesicht oder eine finstere Gestalt mit wehendem schwarzen Mantel wie aus dem Science-Fiction-Kultfilm „Matrix“.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Leber ist nichts von alledem, und doch ruft er solche Assoziationen hervor, weil der Mann die Büroräume seiner Frankfurter Vermögensverwaltung Acatis zu einem besonderen Versuchslabor umfunktioniert hat. Zugespitzt formuliert: Der Geldmanager erprobt gerade, wie es wäre, wenn die Maschinen in seinem Unternehmen die Macht übernähmen. Wüssten sie, welche Aktien sich demnächst besser entwickeln werden als andere? Könnten sie gar den Traum aller Anleger Wirklichkeit werden lassen und ihnen ein optimales Portfolio zusammenstellen?

          Kein Kunde, der Leber sein Geld anvertraut hat, muss nun gleich Angst um das eigene Vermögen haben. Denn noch wird kein Cent der insgesamt gut drei Milliarden Euro, die Leber und sein Team verwalten, selbständig und allein vom Computer angelegt. Doch die ersten Ergebnisse jener Experimente, die in den vergangenen Monaten am unscheinbaren Firmensitz von Acatis abliefen, sind faszinierend. Sie zeigen: Es wird voraussichtlich gar nicht mehr so lange dauern, bis Maschinen Geld besser anlegen können als der Mensch.

          Zauberformel für die Geldanlage im 21. Jahrhundert

          Aber kann es tatsächlich sein, dass die Zukunft der Geldanlage ausgerechnet von einem nicht eben weltberühmten Frankfurter Vermögensverwalter entwickelt wird und nicht von den großen Banken dieser Welt? Nun ja, nicht ganz. Natürlich investieren auch die Banken eine Menge Geld, um mit Hilfe von hochgerüsteten Computern eine Art Zauberformel für die Geldanlage im 21. Jahrhundert zu finden. Aber den unauffälligen Hendrik Leber zeichnet gegenüber den Finanzkonzernen eine Besonderheit aus: Er arbeitet für seine Experimente nicht nur mit Leuten aus der Finanzszene zusammen, wie es die Banken in aller Regel tun.

          Stattdessen hat er sich die wohl angesehensten Forscher an seine Seite geholt, die es im deutschsprachigen Raum im Bereich der Künstlichen Intelligenz gibt – einige Wissenschaftler des Schweizer Forschungsinstituts für Künstliche Intelligenz (Idsia). Dass es zu dieser ungewöhnlichen Zusammenarbeit kam, hat vor allem mit Neugier zu tun: Nie zuvor hatte jemand die Forscher gefragt, ob sie sich vorstellen könnten, ihre Expertise auch in der Geldanlage einzusetzen.

          Einen einprägsamen Namen für das gemeinsame Projekt hatte man schnell gefunden – Quantenstein. „Wir wollen mit Hilfe der Maschinen außergewöhnliche Muster an den Börsen identifizieren“, sagt Hendrik Leber. „Letztlich ging es beim Investieren doch nie um etwas anderes.“ Das mag sich ein wenig kryptisch anhören, doch ganz konkret meint Leber damit Folgendes: Hat man beispielsweise eine attraktive Firma gefunden, deren Kurs- und Gewinnentwicklung gut gefällt, soll der Computer alle Firmen heraussuchen, die ähnlich gute Finanzkennzahlen aufweisen. Dies klingt noch relativ simpel, ist aber lediglich der Anfang.

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