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Church of England : Kirche zwischen Moral und Rendite

  • -Aktualisiert am

Justin Welby, der Erzbischof von Canterbury Bild: dpa

Da es in Großbritannien keine Kirchensteuer gibt, müssen die Gotteshäuser sich anderweitig mit Kapital versorgen. Die Church of England verlangt von Hedgefonds hohe Erträge - und verdammt Leerverkäufe.

          Die Kirche hat schon immer ein angespanntes Verhältnis zu Geld und Kommerz gehabt. Schon Jesus warf die Geldwechsler aus dem Tempel. Und nirgendwo haben sich die Demonstranten der Occupy-Bewegung so willkommen und behütet gegen die Selbstherrlichkeit und den Egoismus der Banken gefühlt, wie in ihren Zeltlagern vor den mächtigen Toren der St. Pauls Kathedrale in London. Auch der neue Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, wettert gegen die Banken, fordert die Zerschlagung der größten Institute, um Regionalbanken zu fördern, und rügt, die Finanzbranche habe die Gesellschaft verraten.

          „Sie werden keinen Erfolg als Topmanager bei Barclays haben, wenn Sie bei ihrem Geschäft keine ethischen Maßstäbe einhalten“, herrschte Welby den neuen Vorstandsvorsitzenden von Barclays, Antony Jenkins, vor dem Banken-Parlamentsausschuss an. Bei mehr als der Hälfte der Hauptversammlungen, auf denen die Church of England als Aktionär stimmberechtigt war, stimmte der Klerus vergangenes Jahr gegen die geplante Höhe der Managementgehälter, unter anderem auch bei Barclays. Bescheidenheit und Zurückhaltung fordert die Kirche.

          Dies trifft allerdings nicht auf die Fondsmanager zu, die sich anstrengen müssen, die Rendite auf das Kirchenvermögen der Church of England von 5,2 Milliarden Pfund zu erzielen. „Die Kirchenkommission erwartet den größten Erfolg bei ihrer Anlage, um den landesweiten Gemeinden zu helfen, dies aber ohne zu hohes Risiko und immer unter Einhaltung der ethischen Investmentstandards“, heißt es in dem Anlagebericht der Kirche. „Das langfristige Ziel ist eine Rendite von 5 Prozent über Inflation.“ Beim derzeitigen Tempo der Teuerung wären das rund 9 Prozent jährlich.

          Fondsmanager halfen, die Rendite der Kirche wieder aufzufrischen

          Um dies zu erreichen, hat die Kirche ihre Anlagen in Hedgefonds auf 10 Prozent ihres Vermögens verdoppelt. Sie plant, künftig noch mehr Hedgefonds-Manager einzubinden. Im Jahr 2009 gehörte die Church of England zu den Lobbyisten in der Londoner City, die sich schriftlich in einem Brief an den parlamentarischen Ausschuss gegen eine weitere Regulierung der Hedgefonds durch die Europäische Union gewendet hatten. „Wir fürchten, dass die derzeit geplante Regulierung der Hedgefonds unsere künftigen Möglichkeiten einengt, zugunsten der Kirche und öffentlicher Hilfe Gewinne zu erzielen,“ warnte die Kirche damals.

          „Die Maximierung der Erträge unseres Portfolios ist ein wichtiger Bestandteil, um unsere Mission zu erfüllen und Gutes zu tun.“ Dies hinderte den damaligen Erzbischof von Canterbury allerdings nicht, sich öffentlich gegen Leerverkäufe auszusprechen. Damals im Jahr 2009 warf das Gesamtportfolio der Church of England eine Rendite von 15,6 Prozent ab.

          Nach massiven Verlusten im Jahr 2008 hatten Fondsmanager geholfen, die Rendite der Kirche wieder aufzufrischen. Im vergangenen Jahr verbuchte die Church of England eine Rendite von 9,7 Prozent auf ihr Portfolio, immerhin mehr als die geplanten 8,1 Prozent. Dies ist für die Kirche wichtig, um ihren Kapitalstock so auszuweiten, dass sie die Pensionen ihrer Beschäftigten zahlen und die Gemeinden unterstützen kann. In Großbritannien gibt es keine Kirchensteuer.

          Die hohe Rendite erzielte die Kirche im vergangenen Jahr mit ihrem globalen Aktienportfolio, das eine Rendite von 15,1 Prozent abwarf und ihrem britischen Aktienportfolio, das gar einen Gewinn von 16 Prozent erbrachte. Investitionen in Hedgefonds und Private Equity sollen in der Zukunft aufgestockt werden. Erhebliches Einkommen erhält die Kirche zudem mit Hilfe ihres Immobilienportfolios und ihrer Ländereien.

          Die Kirche richtet sich bei ihren Geldanlagen nach den Empfehlungen des Ethischen Investitions-Komitees EIAG. Dies rät von Investitionen in Unternehmen ab, die mehr als 3 Prozent ihres Ertrages mit Pornographie erwirtschaften. Auch sollen Aktien nicht gekauft werden, wenn die Unternehmen mit Waffenlieferungen mehr als 10 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaften, oder wenn der Umsatz von Tabakwaren, Wettspiel, Alkohol oder der hochverzinslichen Kreditvergabe mehr als 25 Prozent des Gruppenumsatzes ausmachen.

          Die Church of England hat allerdings umfangreich in Beteiligungen an Banken, Energie- und Rohstoffkonzerne investiert. Die Kirche und das für deren Geldanlagen mit zuständige Komitee EIAG haben sich im vergangenen Jahr mit Vertretern von 40 Unternehmen, vor allem Rohstoffkonzernen, Banken und Energiekonzernen getroffen, um ethisch Druck auszuüben, bessere Bonusvereinbarungen auszuhandeln, Umweltstandards zu verbessern. Zudem hat die Kirche den Medienunternehmer Rupert Murdoch aufgefordert, die ethischen Standards für seine Presseunternehmen anzuheben.

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