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Bankenstandort Frankfurt : Der Finanzplatz wird chinesischer

Vor der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt weht die chinesische neben der deutschen Flagge. Bild: dapd

Frankfurt ist für China der wichtigste Standort im Euroraum. Die Einrichtung einer Clearingstelle für Renminbi-Geschäfte war nur ein erster Schritt. Der Finanzplatz hat gegenüber London einen entscheidenden Vorteil.

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          Noch ist die Zahl der Chinesen in Frankfurt überschaubar: 3200 bei rund 700.000 Einwohnern. Die im vergangenen Jahr mehr als 130.000 Touristen aus China lassen das Bild zumindest in der Innenstadt schon etwas chinesischer erscheinen. Doch bald schon könnte der Einfluss aus Fernost auch im Bankenviertel spürbarer werden. Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage der Helaba unter den chinesischen Banken in Frankfurt, sehen diese ein „deutliches Wachstumspotential“ sowohl bei ihrem Geschäftsvolumen in Frankfurt wie auch bei ihrer Mitarbeiterzahl.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bislang sind die fünf größten Geschäftsbanken aus China in Frankfurt vertreten. Die Bank of China kam schon 1989 und hat mittlerweile 150 Mitarbeiter in Frankfurt. Die Bilanzsumme in Deutschland beträgt rund 7 Milliarden Euro. Die größte chinesische Bank ICBC folgte 1999, hat mittlerweile 60 Mitarbeiter und gut 1 Milliarde Euro Bilanzsumme. Später kamen die China Construction Bank, die Bank of Communications und die Agricultural Bank of China hinzu, mit nun je 30 Mitarbeitern. Die gesamte Bilanzsumme der chinesischen Banken macht derweil weiterhin nur einen Bruchteil der Bilanzsumme der deutschen Banken aus.

          Gleichwohl ruhen große Hoffnungen am Finanzplatz Frankfurt auf dem Geschäft mit China. Das Land ist der wichtigstes Handelspartner Deutschlands in Asien und Deutschland der wichtigste Chinas in Europa. Mit einem Handelsvolumen von 154 Milliarden Euro übertrifft das deutsch-chinesische Geschäft das von China mit Großbritannien, Frankreich und Italien zusammen. Diese starke realwirtschaftliche Basis sowie die rund 400 chinesischen Unternehmen, die schon im Rhein-Main-Gebiet tätig sind, sollen künftig die Finanzgeschäfte untereinander beflügeln.

          Chinesen fühlen sich nur in der Innenstadt wohl

          Noch ist davon nur wenig zu spüren. Doch die im vergangenen Jahr gefallene Entscheidung, in Frankfurt eine zentrale Verrechnung (Clearing) von Renminbi-Geschäften anzusiedeln und damit die Bank of China zu betrauen, gilt als großer Hoffnungswert. Ulrike Bischoff, Autorin der Helaba-Studie, bezeichnet dies als „schicken Akzent im China-Outfit der Main-Metropole“ und sieht noch einen weiten Weg bis zur Etablierung des neuen Angebots, zumal die großen deutschen Banken gar keinen grundlegenden Bedarf an dieser Verrechnungsstelle hätten. Auch gibt es einen intensiven Wettbewerb unter anderem mit den Finanzplätzen in London und Luxemburg, aber auch den im Renminbi-Clearing etablierten Plätzen Hongkong und Schanghai um die Vorherrschaft im Renminbi-Geschäft. Abgesehen davon ist auch die vollständige Liberalisierung und Wechselkursfreigabe des Renminbi noch in weiter Ferne.

          Innerhalb Europas sehen die chinesischen Banken Frankfurt als zweitwichtigsten Standort hinter London an, raten jedoch Frankfurt dazu, sich nicht auf einen Konkurrenzkampf einzulassen, sondern sich vielmehr auf das starke realwirtschaftliche Fundament zu besinnen. Insbesondere in der Handelsfinanzierung werden hier Marktchancen gesehen. Auch in Paris und Luxemburg sind die chinesischen Banken präsent, haben ihren Fokus im Euroraum jedoch auf Frankfurt. Die chinesische Zentralbank (People’s Bank of China) wiederum hat im Euroraum nur in Frankfurt ein Büro mit sechs Mitarbeitern.

          Anders als für die aus Steuergründen nach Eschborn nahe Frankfurt umgezogene Deutsche Börse kommt für die Chinesen nur eine Bürolage in zentraler Innenstadtlage im Herzen des Frankfurter Finanzgeschehens in Frage, um mit ihrem Logo im Bankenviertel Flagge zu zeigen – und es etwas chinesischer zu machen.

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