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China : Profitieren vom Wachstum

Bild: F.A.Z.

Die Aktienkurse in China sind deutlich gesunken, obwohl die heimische Wirtschaft stark wächst. Ist es nun Zeit zum Einsteigen?

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          Wenn es stimmt, dass man dann Aktien kaufen soll, wenn alle davon abraten - dann könnte die Zeit für chinesische Aktien gekommen sein. Nicht nur der Schwarzseher unter den amerikanischen Ökonomen, Nouriel Roubini, warnt vor einer Überhitzung der chinesischen Volkswirtschaft. Hedge-Fonds-Manager Jim Chanos orakelte unlängst sogar, China sei „auf dem Laufband zur Hölle“.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wen das nicht schreckt, dem bieten sich gerade in China interessante Anlagemöglichkeiten. Das entscheidende Argument: Chinas Wirtschaft wächst stark - und viele chinesische Aktien sind zuletzt billiger geworden. „Wir haben unsere Prognose für China erst jüngst heraufgesetzt“, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Immerhin ist die chinesische Wirtschaft in den ersten drei Monaten dieses Jahres um stolze 11,9 Prozent gewachsen - und auch für das Gesamtjahr rechnet die OECD mit mehr als elf Prozent Wachstum.

          Starke Schwankungen

          Für Privatanleger ist es allerdings nicht einfach, direkt an den Börsen in China zu investieren. Viele chinesische Aktien sind jedoch auch in Hongkong notiert, einige sogar in Europa. Aktien der Großbank China Construction Bank, des Mobilfunkanbieters China Mobile oder des Ölriesen Petrochina mit mehr als zwei Millionen Beschäftigten können Anleger auch über die Börse in Frankfurt kaufen.

          Deren Kurse fallen allerdings durch starke Schwankungen auf. „Vor allem die Kurse der Bankaktien sind durch Unsicherheit gekennzeichnet“, sagt Andreas Gummich von der Fondsgesellschaft DWS. Und die Aktien von Petrochina und China Mobile haben in Hongkong-Dollar notiert seit Jahresbeginn klar verloren. „Anleger aus dem Euroraum konnten trotzdem Gewinne erzielen - wegen des Kursverlustes des Euro.“

          Immer noch teuer - oder doch nicht?

          Nach wie vor sind viele der Aktien, die in China selbst notiert sind, im internationalen Vergleich teuer. Die DWS hat das Kurs-Gewinn-Verhältnis (Aktienkurs in Verhältnis zum Unternehmensgewinn) für die in China notierten Aktien auf 18,8 berechnet. Das ist eher unattraktiv. Hier spielt eine Rolle, dass viele Chinesen ihr Geld im Inland anlegen müssen und die Kurse hochtreiben. Hingegen liegt das KGV für in Hongkong notierte chinesische Aktien bei 13. Damit sind diese billiger als deutsche Aktien.

          Wem Investments in chinesische Einzelaktien zu riskant sind, kann in Fonds investieren - oder in Indexfonds (ETF) etwa auf den Schanghai-Index SSE. Einige Fonds können für die vergangenen fünf Jahre passable Renditen vorweisen (siehe Tabelle). Grundsätzlich sind ETFs die Variante mit weniger Gebühren. Sie haben aber bei China einen Nachteil: ein paar Großunternehmen bestimmen den Index.

          Eine andere Möglichkeit, von Chinas Wachstum zu profitieren, empfiehlt Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank: Weil in China viel Kapital verschwendet werde, sagt er, sei es klüger, in Unternehmen zu investieren, die besonders viel nach China exportieren - etwa aus dem Dax.

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