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Charttechnik : Zeit für eine kleine Auszeit

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Finanzindizes und Anleiherenditen entwickeln sich in die falsche Richtung. Glaubt S&P und plädiert für eine „kleine Auszeit“.

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          Schon vor zwei Wochen dachten wir, es sei auf dem Finanzsektor zu Panikverkäufen gekommen. Falsch gedacht. Letzte Woche hat es Citigroup erwischt. Egal, wen es diese Woche trifft: die Finanzindizes und Anleiherenditen entwickeln sich in die falsche Richtung, und das hat nach unserer Überzeugung ernsthafte Auswirkungen für den gesamten Aktienmarkt. Wir denken, dass jetzt eine kleine Auszeit angebracht wäre, auf der wir eine Weile das frische Herbstwetter genießen und den Kopf wieder frei bekommen können. Man meint, an einer Kreuzung zu stehen, an der ein Wegweiser in zehn verschiedene Richtungen zeigt. Es hat allerdings auch niemand behauptet, die Zukunft vorherzusagen wäre einfach.

          Am vergangenen Freitag brach der S&P Financial SPDR (XLF) zusammen, nachdem das jüngste Schlusstief von 32 Punkten nicht länger gehalten werden konnte. Damit wurde der niedrigste XLF-Schlusskurs seit Juli 2006 erreicht. Mit dem Unterschreiten der Unterstützung bei 32 wird der Index nun anfällig für weitere Verluste bis hinab zum nächsten Unterstützungsbereich zwischen 27 bis 30, der auf die Kurskonsolidierung der Jahre 2004 und 2005 zurückgeht. Der exponentielle 50-Tage-Durchschnitt liegt unterhalb des exponentiellen 200-Tage-Durchschnitts, was auf eine bärische Tendenz hindeutet. Noch wichtiger ist jedoch der unter dem 43-Wochen-Durchschnitt befindliche 17-Wochen-Durchschnitt, was die Vermutung nahe legt, dass der Index in einen Baissemarkt eingetreten ist.

          Der KBW Bank Index (BKX) gab vergangene Woche stark nach und schloss bei einem neuen Tiefpunkt. Dieser Index zeigte sich sogar noch schwächer als der XLF: Mitte Oktober fiel er auf neue Tiefstände, kletterte wieder leicht auf die Chartunterstützung im Bereich um 100, brach jedoch am 1. November ein, als der Index um 5,36 Prozent abstürzte - der schwerste an einem Tag erlittene Kursrückgang seit September 2002. Mit dem Verlust von zwei Prozent am Freitag liegt der Index nun 21 Prozent unter seinem Februarhoch. Die nächste maßgebliche Chartunterstützung für den BKX kommt bei 93 ins Spiel.

          Kurskorrektur von acht bis zwölf Prozent

          Die Renditen der zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihen scheinen in der Schwebe und testen erneut die psychologisch wichtige Marke von 4,3 Prozent. Vergangenen Freitag fiel die Rendite in der Spitze zeitweise auf 4,28 Prozent, erholte sich jedoch wieder und schloss unweit eines wichtigen Widerstands. Angesichts der massiven Kursrückgänge im Finanzbereich und der Aussicht, dass die Anleiherenditen diesem Trend folgen werden, gehen wir davon aus, dass der gesamte Aktienmarkt Schwierigkeiten auf dem Weg nach oben haben dürfte. Wir rechnen damit, dass eine weite Handelsspanne die derzeit optimistischste Prognose ist. Außerdem glauben wir, dass wir bei der zwischenzeitlich rosigen Stimmung auf mittlere Sicht letztlich eine Kurskorrektur von acht bis zwölf Prozent erleben werden.

          Marktspekulationen können viele Formen annehmen und die verschiedensten Märkte betreffen. Wir waren überrascht, dass die optimistische Stimmung nach den Schlägen, die der Markt im Sommer einstecken musste, so schnell und stark zurückgekehrt ist. Manchmal ändert sich die Stimmungslage nur in Zeitlupe; dann wiederum ändern Investoren ihre Meinung quasi über Nacht. Leider weisen nicht alle von uns beobachteten Sentiment-Indikatoren auf starken Optimismus hin; vor allem die Indikatoren, die das Verhalten von Privatanlegern messen, zeigen eine deutliche Entwicklung nach dem Motto „ich will um jeden Preis dabei sein“. In Zeiten wie diesen sind starke Engagements in Aktien häufig gefährlich.

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