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Charttechnik : Zeit für eine defensive Anlagestrategie

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Unbeirrt hohe Rohölpreise fordern langsam ihren Tribut. Auch im Hinblick auf die bevorstehenden historisch schwachen Börsenmonate und einen schwachen technischen Hintergrund, bleibt Standard & Poor's bei Aktien weiter defensiv.

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          Unserer Ansicht nach fordert der anhaltend hohe Ölpreis nun langsam seinen Tribut. Die Rohölpreise liegen seit Ende Juli über 60 Dollar pro Barrel und schlossen am 25. August mit einem Rekordhoch von 67,49 Dollar. Der rasante Anstieg des Rohölpreises am Mittwoch, den 24. August, hatte zur Folge, daß einige der wichtigsten Indizes entscheidende kurzfristige Unterstützungsebenen durchbrachen.

          Insbesondere ist besorgniserregend, daß die Anleger allem Anschein nach langsam wegen der Ölpreisentwicklung vor dem Kauf wirtschaftlich anfälliger Aktien zurückschrecken und sich risikoärmeren Bereichen zuwenden. Viele Aktien im Bereich Einzelhandel sind gekippt, wobei auch in den Bereichen chemische Industrie, Wohnungsbau, Werbung, Stahlindustrie, Aluminiumindustrie, Forsterzeugnisse und Baustoffe Schwächen zu beobachten waren.

          Die Anleger haben einen Teil ihrer Gelder in die Ölbranche verlagert, sich aber auch Bereichen wie landwirtschaftliche Erzeugnisse, Versorgungsunternehmen, Tabakwaren sowie Wein und Spirituosen zugewandt. Diese traditionellen Marktsegmente profitieren in der Regel, wenn die Anleger wegen der Marktentwicklung besorgt sind.

          Historisch gesehen wird der gesamte Markt verwundbar, wenn die Führenden ins Straucheln geraten. Dabei sollten die Leser aber stets im Auge behalten, daß die historische Performance nicht notwendigerweise ein zutreffender Indikator für zukünftige Entwicklungen ist.

          S&P 500 in enger Spanne gefangen

          Der S&P 500 durchbrach am Mittwoch die entscheidende kurzfristige Unterstützung im Bereich bei 1.217 Punkten, wobei das Muster niedrigerer Hochs und niedrigerer Tiefs weiterhin Gültigkeit hat. Die Schlußstände zwischen dem 16. und dem 23. August bewegten sich innerhalb einer extrem kleinen Spanne von nur vier Punkten. Wir glauben, daß der S&P 500 sich so lange in diesem kleinen Bereich bewegte, weil sehr viele Unterstützungsbereiche sehr nahe beieinander lagen.

          Der exponentiell gleitende 50-Tage-Durchschnitt sowie Chart- und Trendlinienunterstützung lieferten alle zusammen an diesem Punkt Unterstützung. Durch den Einbruch vom Mittwoch wird dieser Bereich nun zu einem entscheidenden kurzfristigen Widerstand.

          Die nächste konzentrierte Unterstützungsebene für den Index liegt zwischen 1.183 und 1.205 Punkten. In diesem Bereich findet sich Chartunterstützung, die auf die leichte Konsolidierung im Juni und Juli zurückzuführen ist. Der exponentiell gleitende 150-Tage-Durchschnitt liegt bei 1.198 Zählern; der einfache 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 1.195, der entsprechende exponentiell gleitende Durchschnitt bei 1.190 Punkten.

          Ein Retracement der Kurserholung von April bis Anfang August um 38,2 Prozent führt in den Bereich bei 1.204 Punkten, während ein Retracement um 50 Prozent der jüngsten Kurserholung auf 1.191 Punkte zielt. Bei 1.190 Zählern kommt mittelfristige Trendlinienunterstützung zum Tragen, die auf die Tiefs von August 2004 und April 2005 zurückgeht. Somit dürfte unserer Ansicht nach zumindest der Bereich zwischen 1.183 und 1.205 im Zuge des derzeitigen Rücksetzers bzw. einer Korrektur Unterstützung für den Index liefern.

          Täglich überverkauft, wöchentlich überkauft

          Die technischen Indikatoren auf Tagesbasis haben sich in den überverkauften Bereich bewegt, was darauf hindeutet, daß die Möglichkeit einer Kurserholung entgegen dem Trend in der nächsten Woche oder kurz danach besteht. Der Sechs-Tage-Relative-Stärke-Index (RSI) fiel am 24. August auf 25, was dem Stand während des Rücksetzers Ende Juni entspricht.

          Der stochastische Tagesschwankungsindikator fiel auf den am deutlichsten überverkauften Stand seit April, als der letzte mittelfristige Boden erreicht worden war. Die technischen Indikatoren auf Wochenbasis sehen jedoch völlig anders aus, was unserer Meinung nach nicht gerade schön ist. Der stochastische Wochenschwankungsindikator ist, nachdem er überkauft war, gekippt und sendet mittelfristig ein Signal zum Verkauf aus.

          Unseres Erachtens besteht die Gefahr, daß auch vom gleitenden Wochendurchschnitt des Convergence/Divergence-Verhältnisses (MACD) ein weiteres Verkaufssignal ausgehen könnte. Der Wochen-MACD hat seit Anfang 2004 eine Reihe niedrigerer Hochs nachgezeichnet und dabei zahlreiche negative Divergenzen ausgewiesen. Die letzte Serie von Wochen-MACD-Divergenzen gab es 1998, 1999 und Anfang 2000.

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