https://www.faz.net/-gv6-qzo7

Charttechnik : Volatilität legt Verschnaufpause ein

  • -Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

Die Intensität der monatlichen Kursschwankungen ist seit 2002 rückläufig. Auch S&P-Chefanalyst Mark Arbeter ist nicht ganz sicher, wie sich diese Entwicklung auf den gegenwärtigen Markt auswirken wird.

          4 Min.

          Der Aktienhandel bewegte sich in der vergangenen Woche bei anhaltend rückläufiger Intensität der Kursschwankungen in extrem engen Bandbreiten. Die Anleiherenditen gaben leicht nach, während die Rohölpreise näher an die Marke von 60 Dollar pro Barrel heranpirschten.

          Der S&P-500 begann die Woche mit 1.448,39 Punkten und beendete sie mit 1.438,09 Punkten, was einer wöchentlichen Veränderung von mickrigen -0,7 Prozent entspricht. Diese fast nicht vorhandene Bewegung ist äußerst selten und stellt die geringste wöchentliche Veränderung des S&P-500 seit August 1992 dar.

          Verzerrte Wahrnehmung der Volatilität

          Wir gingen bei unseren Untersuchungen bis ins Jahr 1990 zurück und erhielten somit Kursveränderungsdaten (Price Rate-of-Change, ROC) über einen Horizont von fast 900 Wochen. Die aktuelle Woche ist die zweite, die in jüngster Zeit eine extrem niedrige Kursvolatilität aufweist, nachdem die ROC des S&P-500 in der dritten Januarwoche bei nur -1,6 Prozent lag. Dies ist der fünftniedrigste Wert wöchentlicher Kursveränderungen seit 1990.

          Bild: FAZ.NET

          Die damals wie heute auftretende Kursvolatilität ist ein faszinierendes Thema, das nach unserer Ansicht von den Medien und den Durchschnittsanlegern jedoch weitgehend missverstanden wird. Die Kursvolatilität kann man auf unterschiedliche Weise betrachten, und wir denken, dass darin ein Teil der Verwirrung begründet liegt. Man kann die Intraday-Volatilität beobachten, die die Differenz zwischen dem täglichen Kurshoch und -tief misst. Daneben können auch andere Messzahlen der Kursbewegungen auf Tages-, Wochen- oder Monatsbasis analysiert werden.

          Nach unserer Auffassung wird die Intensität einer Kursbewegung jedoch auch im Kontext historischer Daten missverstanden. Wenn sich der Dow Jones Industrial Average Index (DJIA) an einem Tag 100 Punkte nach oben oder unten bewegt, ist dies eine Schwankung von weniger als einem Prozent. In den Medien würde dies jedoch als bedeutende Veränderung verkündet.

          Abnehmende Volatilität seit 2002

          Hinzu kommt, dass es sich beim DJIA um einen kursgewichteten Index handelt, so dass er von Aktien mit den höchsten Kursen am stärksten beeinflusst wird. Gegenwärtig ist die Aktie von IBM mit etwa 100 Dollar der kursstärkste Wert im DJIA. Eine Bewegung der IBM-Aktie um ein Prozent entspricht lediglich einem Punkt, kommt im DJIA jedoch einer Bewegung von acht Punkten gleich, da der Divisor des DJIA nur 0,1248 beträgt.

          Warum ist eine Bewegung um ein Prozent bei IBM kaum der Rede wert, während eine Rally des DJIA um ein Prozent lautes Medienecho hervorruft? Ach ja, ich vergaß die TV-Einschaltquoten.

          Wenn wir den Fokus ausweiten, können wir beobachten, dass die Intensität der Kursvolatilität auf Monatsbasis seit 2002 rückläufig ist. Im Jahr 2002, das den Boden des letzten Baissemarktes bildete, trat im September die höchste monatliche Volatilität auf, als der S&P-500 um etwas mehr als elf Prozent fiel. Daraufhin folgte im Oktober mit einem Anstieg von 8,65 Prozent der größte Zuwachs jenes Jahres. Im Jahr 2002 kam es in sieben Monaten zu Index-Bewegungen von mindestens fünf Prozent.

          Demgegenüber betrug der größte monatliche Rückgang 2006 gerade einmal 3,1 Prozent, und dies war dann auch schon der einzige monatliche Rückgang des Jahres. Der größte monatliche Zuwachs 2006 belief sich auf lediglich 3,15 Prozent. Von 2004 bis heute pendelte die monatliche Kursvolatilität nur zwischen 3,9 und -3,4 Prozent.

          Prognoseschwierigkeiten

          In der Vergangenheit war eine niedrige Volatilität der beste Freund des Haussemarktes; jedoch nicht immer. In der ersten Hälfte des Jahres 1990 war die Kursvolatilität zunächst sehr gering, stieg dann aber in der zweiten Jahreshälfte an, als der Bullenmarkt richtig in Fahrt kam. Niemand kann sagen, ob diese Entwicklung auch diesmal eintritt, doch auf Perioden niedriger Volatilität folgen häufig lange Perioden steigender Volatilität, und auf Perioden mit schmalen Aktienkursgewinnen Perioden mit breiten Aktienkursgewinnen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Diego Maradona : Die Schönheit des Spiels

          Keiner verkörperte den Fußball wie Diego Maradona – und das nicht trotz, sondern vielleicht gerade wegen seiner vielen Schwächen. Eine Würdigung dieser Jahrhundertfigur des Sports.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.