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Charttechnik : Stehen bei Aktien größere Schwankungen ins Haus?

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Welche Signale geben die Charts? Bild:

Fehlende starke Unterstützungen und Widerstände bieten dem Markt relativ viel Bewegungsspielraum in beide Richtungen, so Markttechniker Mark Arbeter von Standard & Poor's Equity Research.

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          Die sich in jüngster Zeit einträchtig im Gleichschritt bewegenden maßgeblichen Aktienmarktindizes zogen sich in der vergangenen Woche auf starke Unterstützungsniveaus zurück, bevor sie gegen Ende der Woche in höhere Gefilde vorstießen. Da nach oben keine wesentlichen Widerstände im Wege stehen, gehen wir davon aus, dass es in den kommenden ein oder zwei Monaten sehr spannend werden dürfte.

          Aus charttechnischer Sicht hatte das erste Quartal ein wenig von allem zu bieten. Es begann in ruhiger Manier, als der Aktienmarkt seinen stufenweisen Anstieg ohne nennenswerte Schwankungen fortsetzte. Dann kam der 27. Februar, die Schleusen öffneten sich und rissen den Markt nach unten.

          Markt bildete eine bullische Umkehrformation aus

          Glücklicherweise scheint der Markt den Boden ziemlich schnell erreicht zu haben. Er bildete eine bullische Umkehrformation aus und zeigte dann einen Ausbruch nach oben. Aufgrund der in den vergangenen vier Monaten geformten Kursmuster haben sich nur wenige starke Unterstützungs- oder Widerstandsbereiche entwickelt. Dies führt zu einer Kursspanne ohne nennenswerte Beschränkungen, weshalb wir relativ große ungehinderte Bewegungen beobachten.

          Bisweilen sehen Chartmuster aus, als seien sie direkt dem Lehrbuch entsprungen, und sind dementsprechend auch leicht zu lesen. Charttechniker kennen diese ausgeglichenen Formationen sicherlich im Schlaf, da sie in den meisten einschlägigen Büchern über technische Analyse behandelt werden. Der sich bislang ausgebildete Doppelboden ist eines dieser perfekten Chartmuster.

          Ein starker Rückgang formte das erste Tief, auf das eine rasche Erholung folgte, die einen kleinen Teil des Schadens wettmachte. Das zweite Tief entstand am 14. März, als der Markt unter das Niveau des ersten Tiefs sank, daraufhin wieder nach oben drehte und im Candlestick-Chart einen sogenannten „Hammer“ ausbildete. Während des zweiten Tiefs ging die Angst um, doch der Markt leistete Widerstand und formte eine wichtige Kehrtwende genau in einem bedeutenden Unterstützungsbereich aus. Anschließend nahm der Markt wieder an Fahrt auf und brach mit hohem Volumen nach oben aus, woraufhin ein Test der Ausbruchsmarke und der mittelfristigen exponentiell gleitenden Durchschnitte bei geringerem Volumen folgten. Diese Tests der Ausbruchmarke sind relativ häufig anzutreffen und zudem typische Lehrbuchbeispiele, worauf bei einer Umkehrbewegung und während eines Ausbruchs zu achten ist.

          Bei einem näheren Blick auf den S&P-500 erkennen wir, dass der Index genau auf eine Ansammlung gleitender Durchschnitte im Bereich zwischen 1416 und 1418 Zählern zurückwich. Die exponentiell gleitenden 20-, 30-, 50- und 65-Tage-Durchschnitte haben ihre Kräfte gebündelt, um einen potenziellen Boden für den Markt innerhalb dieser zwei Punkte umspannenden Zone zu bilden.

          Nach einem erfolgten Ausbruch ist sehr häufig eine leichte Rückkehrbewegung des Index' zu beobachten, die dem exponentiell gleitenden 50-Tage-Durchschnitt etwas Zeit zum Aufholen lässt. Genau dies trat auch hier ein. Das Schlusstief der Woche lag bei 1417 Punkten, genau in der Mitte der Anhäufung gleitender Durchschnitte. Das Tagestief der Woche befand sich bei 1409 Zählern, zwischen den Schluss- und Tageshochs im Verlauf des Doppelbodens, der sich von 1407 auf Schlussbasis bis 1410 auf Tagesbasis erstreckte.

          Ein Bereich des Aktienmarktes wird nach wie vor stiefmütterlich behandelt: die Nebenwerte. Wir gingen eigentlich davon aus, dass die lang anhaltende Outperformance der Nebenwerte gegenüber den großen Börsenwerten im vergangenen Sommer ihr Ende findet, als die relative Stärke merkliche Einbußen erlitt. Auf lange Sicht ist die langfristige Wertentwicklung indes nie eingebrochen - seit August 2006 werden Blue-Chips von Small-Caps überflügelt. Man mag es kaum glauben, doch der auf amerikanische Nebenwerte spezialisierte Russell-2000-Index schlägt den S&P-500 seit April 1999 und den Nasdaq-Index seit März 2000.

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