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Charttechnik : „Chinese Correction“ der Aktienmärkte?

  • -Aktualisiert am

Tafel mit Börsenkursen in China Bild: AP

Die Charttechniker von S&P fürchten eine Chinablase, die die gute Stimmung an den Märkten jäh umschlagen lassen könnte. Auch andere Zeichen sprechen für einen größeren Kursrückgang.

          6 Min.

          Die Finanzströme der amerikanischen Anleger wiesen in den vergangenen Monaten eine deutliche Gewichtung zugunsten ausländischer Aktienmärkte auf. Investmentgelder wandern meist zu Anlagen mit besseren Renditen und in diesem Falle zu unseres Erachtens risikoreicheren Anlagen.

          Es hat den Anschein, als sei jede Aktie aus China eine Investition, die nicht verlieren kann. Manche Spekulanten vertreten offenbar die Auffassung: „Schaufeln Sie nur weiter Geld in das chinesische Momentum und Sie sind auf dem besten Wege zu schnellem Reichtum.“ Das erinnert ein wenig an die Tage der Internetblase. Wir warnen: Verlassen Sie nicht als letzte den Schauplatz des Geschehens.

          Chinaboom zeigt Anzeichen einer Blase

          Der iShares FTSE/Xinhua China 25 Index Fund (Isin DE000A0DPMY5), ein börsennotierter Fonds (ETF), wurde zur Nachbildung des Index aufgelegt, nach dem er benannt ist. Der FTSE/Xinhua-Index (FXI) repräsentiert die Wertentwicklung der größten Unternehmen am chinesischen Aktienmarkt, die internationalen Anlegern zur Verfügung stehen. Er setzt sich aus Aktien von 25 der größten und liquidesten chinesischen Unternehmen zusammen.

          Bild: FAZ.NET

          Am 3. Januar waren die Finanzwerte der größte Sektor - sie machten fast 43 Prozent des Fonds aus. Auf Telekommunikation entfielen rund 19 Prozent des Fondsvermögens, gefolgt von 16 Prozent für Öl & Gas, 11 Prozent Industriewerte und 9 Prozent für Grundstoffe. Der ETF nahm den Handel erstmals im März 2005 auf.

          Wir haben zwei gewichtige Bedenken hinsichtlich des FXI und ähnlicher Auslandsanlagen. Erstens: Das Chart hat sich asymptotisch entwickelt und das Handelsvolumen ist explodiert.

          Der zweite Grund ist weniger wissenschaftlich und beruht eher auf einer sachkundigen Schätzung: Wir bezweifeln, dass Anleger wirklich etwas über die im Fonds enthaltenen Unternehmen wissen, außer dass sie in China ansässig sind. Zur Beruhigung könnte angeführt werden, dass es sich um große Unternehmen mit nachgewiesener Erfolgsbilanz und nicht um eine Internetgesellschaft der neunziger Jahre ohne jeden Ertrag und Erfolg handelt.

          Furchterregende Charts

          Das Chart des FXI ist nach unserer Auffassung richtig furchterregend. Eine größere Berichtigung dürfte fällig sein. Der ETF hatte seinen Tiefstand bei 66 Dollar am 13. Juni 2006 und ist in weniger als sieben Monaten um bemerkenswerte 76 Prozent bei Börsenschluss am 3. Januar 2007 geklettert. Noch unglaublicher ist, dass der FXI seit dem 28. November über 26 Prozent und seit dem 21. Dezember um 13,5 Prozent zugelegt hat. Könnte man da wohl eine „Massenspekulation“ vermuten?

          Seit dem letzten großen Tief im Juni 2006 änderte sich der Richtungskoeffizient der Kursgewinne vier Mal und wurde jedes Mal steiler. Das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen explodierte in den ersten Handelstagen 2007 und betrug fast das Dreifache des durchschnittlichen Tagesvolumens. Dies ist sehr typisch für eine spekulative Blase und diese nehmen oftmals ein schlimmes Ende.

          Das tägliche Momentum ist extrem überkauft und hat negative Divergenzen ausgebildet. Am 3. Januar lag der ETF unglaubliche 39 Prozent über seinem exponentiell gleitenden 200-Tage-Durchschnitt.

          Der Zyklus der Marktemotionen entwickelte sich sehr schnell von Optimismus zu Euphorie. Leider wird er nach unserer Auffassung voraussichtlich in Furcht und dann Panik umschlagen. Wie all dies sich für den amerikanischen Markt auswirkt, ist schwer zu sagen, aber es ist keine gesunde Entwicklung und ruft, wie wir meinen, nach einem mittelfristigen Top.

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