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Charttechnik : Aktienkurse: Berg- oder Talfahrt?

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Welche Signale geben die Charts? Bild:

„Seit Anfang des Jahres warten wir auf eine Korrektur, leider warten wir noch immer,“ so Markttechniker Mark Arbeter von S&P über die gegenwärtige Lage an den Finanzmärkten. Historische Vergleichsperioden machen Kursrückschläge denkbar.

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          Die Blue-Chip-Indizes legten vergangene Woche eine Pause ein, während die Nasdaq Boden gutmachte und am Ende den Durchbruch zu einem neuen Erholungshoch schaffte. Nebenwerte markierten neue Allzeithochs. Die Rohölpreise überwanden den maßgeblichen Widerstand von 60 Dollar pro Barrel, während die Renditen der zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihen im Bereich von 4,7 Prozent lagen.

          Das Verhalten der Blue-Chip-Indizes seit November zeigt auffällige Gemeinsamkeiten. Der S&P-500 und der Dow Jones Industrial Average konnten auf kleinere neue Hochs vorstoßen und verzeichneten anschließend minimale Rückkehrbewegungen zur Trendlinienunterstützung sowie zum exponentiell gleitenden 30-Tage-Durchschnitt. Im Verlauf der weiteren Entwicklung folgen daraufhin kleinere neue Hochs.

          Was tun, wenn an sich zuverlässigen Indikatoren den Dienst versagen?

          Beim S&P-500 verliefen die letzten beiden Bewegungen ebenfalls beinahe identisch, während der Markt den Anschein erweckt, als wolle er uns in den Schlaf wiegen. Der Index steigt drei Tage lang auf ein kleines neues Hoch, gefolgt von einer fünf Tage andauernden unspektakulären Seitwärtsbewegung, ehe er dann in zwei Tagen genau bis zur Trendlinienunterstützung zurücksinkt. Wenn dieses kurzfristige Muster anhält, sollte die derzeitige Rückkehrbewegung im Bereich von 1.440 Punkten zum Stehen kommen, wo sich der exponentiell gleitende 30-Tage-Durchschnitt und die Trendlinienunterstützung befinden.

          Bild: FAZ.NET

          Äußerst geringe Kursschwankungen sowie Volatilitätsindizes auf Rekordtiefständen oder in deren Nähe förderten Spekulationen über eine bevorstehende größere Abwärtsbewegung. Anfang diesen Jahres warteten wir auf eine kleine Korrektur, und leider warten wir noch immer. Was ist also zu tun, wenn unsere in der Vergangenheit so zuverlässigen Indikatoren den Dienst versagen? Das Übliche: wir schürfen ein wenig tiefer und versuchen, eine alternative Sichtweise zu finden.

          Wir warfen also einen Blick auf die jüngere Geschichte und suchten im S&P-500 nach einem ähnlichen Muster eines starken Anstiegs in engen Grenzen, dem ein weniger steiler Anstieg folgt. Daneben hielten wir Ausschau nach historischen Marktperioden mit äußerst engem Aufwärtstrend- oder Kurskanal und niedriger Volatilität zwischen den Hochs und Tiefs. Wir suchten zudem nach Fällen eines auf Wochenbasis stark überkauften Index' und nach einem Markt, der in der jüngsten Vergangenheit überkaufte Niveaus auf Tagesbasis aufwies.

          Interessanterweise stießen wir auf zwei Perioden, die sich exakt nach dem Tief des Vierjahreszyklus einstellten. Die erste trat 1995 genau nach dem Tief eines Vierjahreszyklus ein, das keinen Baissemarkt aufwies. Dies ist der aktuellen Periode sehr ähnlich, da 2007 das erste Jahr nach einem Tief des Vierjahreszyklus ist, in dem es keinen Baissemarkt gab. Im Verlauf des Jahres 1995 erfolgte ein Anstieg in extrem engen Grenzen, während sich der Markt das ganze Jahr hindurch nach oben entwickelte. Im Dezember 2005 kam es zu einem kleinen Shake-Out, in dessen Verlauf der S&P-500 in fünf Tagen 3,7 Prozent einbüßte. Der Index stabilisierte sich anschließend, stieg wieder an und endete in einem Ausbruch nach oben mit einer kleinen Kursexplosion von 10,5 Prozent in nur 23 Handelstagen. Daraufhin folgte eine mehrere Monate andauernde Seitwärtsbewegung, gefolgt von einem weiteren Durchbruch nach oben, der allerdings fehlschlug. Anschließend verzeichnete der S&P-500 eine ausgeprägte Rückwärtsbewegung und gab in knapp anderthalb Monaten 7,4 Prozent ab.

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