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Charttechnik : Aktien-Rally nimmt Fahrt auf

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Die Aktienmärkte verhalten sich derzeit so, als wären sie gerade in einen neuen Haussemarkt eingetreten, meint Mark Arbeter, technischer Chefanalyst von Standard & Poor's.

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          Der Aktienmarkt scheint auf allen Töpfen zu fahren und trotz einiger recht deutlich überkaufter Werte hat die Rally noch eine gute Strecke vor sich. Die Anleiherenditen vollzogen letzte Woche eine scharfe Kehrtwendung nach unten, während die Rohölpreise weiter niedrig sind.

          Nach unserer Auffassung verhält sich der Aktienmarkt derzeit so, als sei er gerade in einen neuen Haussemarkt eingetreten, nachdem im Juni und Juli ein Vier-Jahres-Tief zu beobachten war. Häufig fällt der Markt während dieses zyklischen Vier-Jahres-Tiefs noch weit mehr als in diesem Jahr. Diesmal betrug der Rückgang von der Spitze bis zur Talsohle im S&P-500 nur 7,7 Prozent und für den Nasdaq Composite nur 14,8 Prozent.

          Typische Signale eines Bullenmarktes

          Oft sind die Anfänge eines Bullenmarktes (nach einem Bärenmarkt) durch gewaltige Kursgewinne, extrem überkaufte Bedingungen und einer eher zurückhaltenden Stimmung hinsichtlich des Bullenlagers. Nach dem großen Baissemarkt im Jahr 1932 stieg der Dow Jones Industrials Index innerhalb von 50 Tagen um 92 Prozent bei einer maximalen 100-Tage-Änderungsrate (ROC) von 64 Prozent. Im Jahre 1975 lag die höchste 50-Tage-ROC für den S&P-500 bei 27 Prozent und die die höchste 100-Tage-ROC bei 30 Prozent.

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          Nach den Bärenmärkten der Jahre 1982, 1990, 1998 und 2003 betrug die höchste 50-Tage-ROC für den S&P-500 zwischen 18 und 35 Prozent und die höchste 100-Tage-ROC zwischen 23 und 33 Prozent. Diese Ergebnisse folgten sämtliche auf Bärenmärkte, die innerhalb der zyklischen Vier-Jahres-Tiefs eintraten, mit Ausnahme des Tiefstands von 1932.

          Kein neuer Bärenmarkt in Sicht

          Da es nicht danach aussieht, als ob wir in diesem Jahr ein größeres zyklisches Vier-Jahres-Tief oder einen Bärenmarkt erleben würden, können wir uns einighe der vergangenen Jahre ansehen, die mit dem Vier-Jahres-Tief zusammenfielen und in denen der Markt keine bearishe Tendenz aufwies: das war 1986 und 1994 der Fall. Im Jahre 1986 ging der S&P 500 um 9,4 Prozent zurück und erreichte seine Talsohle Ende September. Nach diesem Korrekturtiefstand erreichte die 50-Tage-ROC fast 20 Prozent, während die 100-Tage-ROC bis zu 26 Prozent erreichte.

          Im Jahre 1994 ging der S&P-500 um 8,9 Prozent zurück und ging im Prinzip bis zu seinem endgültigen Tiefstand im Dezember seitwärts. Danach stieg der Index innerhalb von 50 Tagen um 9,3 Prozent, seine höchste 100-Tage-ROC betrug 17,6 Prozent. Natürlich schwenkte der Markt nach dem Korrekturtiefstand wieder in seinen historischen Verlauf ein und erreichte den nächsten Höchststand erst im Jahr 2000. Die Mini-Baisse von 1998 war die einzige wirkliche Unterbrechung dieses kräftigen Aufwärtstrends.

          Überkaufte Niveaus sind typisch

          Bisher lag die höchste 50-Tage-ROC für den S&P-500 in diesem Jahr seit der Erholung vom Tiefstand im Juli bei 8,7 Prozent, also fast auf dem gleichen Wert wie die 9,3 Prozent des Jahres 1995. Die 100-Tage-ROC hat erst 9,9 Prozent erreicht, aber bei dieser Maßgröße müssen wir etwas länger warten, bis wir sie mit den Renditen von 17,6 Prozent im Jahr 1995 und 26 Prozent im Jahr 1987 vergleichen können.

          Der S&P-500 hat einige technische Indikatoren auf extrem überkaufte Niveaus getrieben, wie man sie häufig zu Beginn eines großen Bullenmarktes beobachtet. So erreichte der 14-Tage-RSI (Relative Stärke Index) am 26. Oktober fast 80 und lag damit etwas über dem Wert vom Januar 2004 und November 1998 und auf dem höchsten Stand seit Ende 1996. Der 6-Tage-RSI stieg am gleichen Tag auf 90 und auch dieser Wert kam denen von Anfang 2004, 1998, 1995 und 1987 recht nahe.

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