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Brasilien : Bric-Favorit dank junger Bevölkerung

Brasiliens Bovespa ist mittlerweile eine der wichtigsten der Welt Bild: AFP

Wer vor zehn Jahren in den Bric-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China investiert hat, freut sich heute über hohe Erträge. Die Geschichte geht weiter, auch wenn die Länder und ihre Börsen nun getrennte Wege gehen.

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          Als Jim O'Neill, der ehemalige Chefvolkswirt der amerikanischen Bank Goldman Sachs, im Jahr 2001 darüber nachdachte, ob große aufstrebende Volkswirtschaften in der Weltpolitik eine zu geringe Rolle spielen, wusste er vermutlich nicht, welche Welle er damit lostreten würde. „Diese Studie beschreibt das Verhältnis zwischen den G-7-Ländern und einigen der größeren, aufstrebenden Marktwirtschaften, den Bric - Brasilien, Russland, Indien und China“, begann er seine erste Veröffentlichung zum Thema.

          Alexander Armbruster
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Die Wirtschaft dieser vier Länder, sagte er damals voraus, werde schnell wachsen und im Verhältnis insbesondere zu den etablierten Industrieländern immer wichtiger werden. Rund ein Viertel der Weltwirtschaftsleistung erbrachten die „Bric“ im Jahr 2000, als Gruppe immerhin schon mehr als der Euro-Raum und auch mehr als Japan.

          Erfolgsgeschichte

          Die erschaffene Wortkreation Bric machte infolgedessen unter Finanzmarktprofis schnell die Runde - und wuchs nicht bloß zu einem eigenen Anlagekonzept, sondern sogar zur bis heute möglicherweise erfolgreichsten Markenerfindung an den Finanzmärkten.

          Bild: F.A.Z.

          Wer damals etwa auf den Bovespa, den wichtigsten brasilianischen Aktienindex, setzte, konnte seinen Einsatz versiebenfachen: Der Index stand Ende 2001 auf rund 13.000 Punkten, kletterte bis kurz vor der Finanzkrise auf mehr als 70.000 Punkte und ist nach einer vorübergehenden Halbierung wieder ungefähr dort angekommen.

          Der indische Aktienindex Sensex stieg während desselben Zeitraums von rund 3500 auf nun mehr als 16.000 Punkte. Verglichen damit, ist die Ausbeute auf dem deutschen Aktienmarkt mau: Der Dax steht heute nur etwa 1000 Punkte höher als am Ende des Jahres 2001.

          Fortsetzung folgt

          Trotz des Kursanstiegs geht die Börsenerfolgsgeschichte der Bric-Länder nach Ansicht der meisten international ausgerichteten Börsianer weiter. Gemessen am Verhältnis zwischen Börsenkursen und für die kommenden zwölf Monate erwarteten Unternehmensgewinnen (KGV), sind Aktien von Unternehmen, die ihren Hauptsitz in den Bric-Ländern haben, immer noch günstig.

          Mit einem durchschnittlichen KGV von 9,8 sind brasilianische Aktien bewertet, für Russland lautet die Kennziffer 5,8. Europäische Aktien handeln dagegen mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Erwartungsverhältnis von 10,6, die Welt als Ganzes sogar mit einem entsprechenden Wert von 12,2.

          Nach einer aktuellen Analyse von Goldman Sachs haben sich neben der andauernd attraktiven Bewertung auch die Argumente für Anlagen in den Bric-Ländern nicht geändert. Immer noch sagen die Ökonomen der Bank diesen Volkswirtschaften ein hohes Wachstum voraus. Vor allem eines, das über dem der entwickelten Länder liegt und maßgeblich von einer vergleichsweise jungen Gesellschaft getragen und angekurbelt wird. „Was die Zukunft angeht, glauben wir, dass sich mehrere demographische Trends positiv auf die Bric auswirken dürften: Hierzu gehören die jungen Bevölkerungen dieser Länder, die fortschreitende Urbanisierung und die Entstehung einer Mittelschicht mit entsprechender Kaufkraft“, sagt Kathryn Koch, die für Goldman Sachs Asset Management diese Länder beobachtet.

          Konsumgleichschritt

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