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Finanzdienstleistung : Fondsgebundene Lebensversicherungen sind teuer

Bei fondsgebundenen Versicherungen muss man besonders auf die Kosten achten Bild: dpa

Ein Branchenvergleich zeigt, dass die Rendite durch hohe Kosten erheblich vermindert wird. Vor dem Abschluss ist eine genaue Analyse nötig.

          Aus der Finanzkrise zogen manche Kapitalmarktfachleute eine einfache Lehre: Verbraucher sollten nur Produkte abschließen, die sie auch wirklich verstanden haben. Gemessen an diesem Anspruch, hätten es Lebensversicherungen nicht gerade einfach – und das, obwohl sie nach wie vor echtes Massengeschäft sind und millionenfach verkauft wurden. Wollte ein Finanzvermittler die Bedeutung von Kapitalanlage-, Risiko- und Kostenergebnis sowie die genaue Funktionsweise der Rückstellungen für die Beitragsrückerstattung, der Schlussüberschussanteilsfonds und der Überschussbeteiligung erläutern, könnte er allein dafür Stunden aufwenden. Wie die individuellen Beiträge und das Gesamtvermögen des Versichertenkollektivs zusammenhängen, können Versicherer selbst auf hartnäckige Nachfrage nicht erklären.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Und als wäre das nicht schon schlimm genug, haben die Versicherer ihre Produkte in den vergangenen Jahren noch einmal komplizierter gemacht. Weil sie unter dem Niedrigzins leiden, bieten sie Produkte an, bei denen man an einer Indexentwicklung partizipieren kann. Garantien werden relativiert und entweder nur noch auf die eingezahlten Beiträge oder nur noch bis zum Beginn des Rentenalters gewährt. Der ohnehin schon recht intransparente Markt ist dadurch noch unübersichtlicher geworden. Und überhaupt nicht vergleichbar sind all diese Produkte mit fondsgebundenen Lebensversicherungen, bei denen das Risiko der Kapitalanlage anders als bei den klassischen Policen ausschließlich der Verbraucher trägt.

          Kosten des Versicherers ein wichtiger Hebel

          Insofern müssen Vermittler, Kunden und Marktbeobachter schon dankbar sein für jedes kleine bisschen an Transparenz, das in den Markt kommt. Doch die Versicherer haben lange Zeit gemauert. Als der Branchendienst Map-Report vor einigen Wochen ein Rating für fondsgebundene Lebensversicherungen veröffentlicht hat, litt das darunter, dass nur sieben Anbieter freiwillig an den Abfragen teilgenommen haben, auf denen die Bewertung basierte. Deshalb haben sich die Rating-Macher zu einem bislang ungekannten Vorgehen durchgerungen: Sie wollten einen breiteren Marktüberblick erhalten, haben auf öffentlich zugängliche Daten und Erkenntnisse des Analysehauses Morgen & Morgen zurückgegriffen, das mit seinen Dienstleistungen für unabhängige Vermittler eigentlich ein Wettbewerber ist. Indem diese Daten aus verschiedenen Quellen zusammengetragen wurden, ist zwar kein umfassendes Bild entstanden – zumal die Performance fondsgebundener Versicherungen noch weniger prognostiziert werden kann als die von klassischen Policen, bei denen das Kundengeld stärker am Anleihemarkt investiert wird und dessen Erträge deshalb weniger volatil sind. So spielt in dem Rating die tatsächliche Performance auch nicht die entscheidende Rolle. Aber es lassen sich interessante Rückschlüsse für die Anlage in fondsgebundenen Versicherungen schließen – insbesondere auf Seiten der Kosten.

          Map-Report hat die Gesellschaften nach jeweils vier Kriterien bewertet. In die Kategorie Bilanz gehen Werte ein, die auch bei den Ratings für herkömmliche Lebensversicherungen eine Rolle spielen: Rendite des Deckungsstocks, Verwaltungs- und Abschlusskosten sowie Finanzstärke. Diese Kennziffern sind vor allem dann wichtig, wenn der Versicherer noch partielle Garantien etwa auf den Beitragserhalt verspricht und dafür weiterhin auf einen kollektiven Deckungsstock zurückgreift. Auch die Kategorie Service und Transparenz orientiert sich am bekannten Verfahren: Hier gehen Storno- und Beschwerdezahlen ein sowie die Bereitschaft, Kennzahlen offenzulegen. Anders als üblich sind die beiden Kategorien Fonds und Vertrag, die für 70 von 100 möglichen Punkten stehen. Sie beinhalten die Auswahl an Fonds, die Fondsperformance und die Kosten der Fonds sowie Modellrechnungen, wie sich 100.000 Euro Fondsvermögen in eine Kapitalabfindung oder eine monatliche Rente übersetzen würden. Auch hier sind die Kosten des Versicherers ein wichtiger Hebel.

          Alte Leipziger, Vorsorge und Zurich im Ranking vorne

          Das Endergebnis ist freilich in höchstem Maße interpretationsbedürftig. Denn nicht von allen Versicherern ließen sich im selben Ausmaß öffentliche Daten finden. Dennoch ist das Ergebnis vor allem auch im Vergleich zu den Ratings der klassischen Lebensversicherungen interessant. Die Höchstbewertung für hervorragende Leistungen erhielt kein einziges Unternehmen. Immerhin acht Versicherer wurden für sehr gute Leistungen ausgezeichnet: in dieser Reihenfolge die Alte Leipziger, die Continentale, die Stuttgarter, Interrisk, Allianz, Zurich, Neue Bayerische Beamten und Swiss Life. Anbieter wie Debeka, R+V oder Neue Leben, die bei den Ratings klassischer Lebensversicherungen üblicherweise gut abschneiden, tauchen in dieser Liste nicht auf. Das hat zum Teil aber mit nicht vorhandenen Daten zu tun. Dafür zählen Versicherer wie die Zurich oder die Swiss Life, die sonst unter ferner liefen gehandelt werden, mit einem Mal zur Spitzengruppe. Beide Unternehmen haben auch durch die frühzeitigen Erfahrungen mit dem Schweizer Aufsichtsregime Swiss Solvency Test frühzeitig das fondsgebundene Geschäft gestärkt und dabei offenbar wettbewerbsfähige Angebote geschaffen – wobei hinzugefügt werden muss, dass das Rating natürlich nicht berücksichtigt, wie deutlich kostengünstigere Varianten wie zum Beispiel Indexfonds im Vergleich abgeschnitten hätten. Es ist ein rein brancheninterner Vergleich.

          In der Frage, was die jeweiligen Stärken der Anbieter sind, sind die Ergebnisse der einzelnen Kategorien sehr aussagekräftig: Beim Kriterium Service und Transparenz liegen etwa die LVM, die Cosmos, Interrisk, Debeka und Württembergische an der Spitze. Wer also darauf Wert legt, dass Kunden selten kündigen (was etwas über ihre Zufriedenheit verrät) oder sich selten beschweren, findet hier die besten Ergebnisse. Gute Bewertungen beim Fondsangebot (also der Breite an Anlagemöglichkeiten) erhalten Basler, Vorsorge, Arag und Iduna. Durch geringe Fondskosten kommen auch die Zurich und die Aachen Münchener in dieser Kategorie unter die besten fünf Anbieter. Die Fondsqualität ist laut Rating bei der Alten Leipziger, Vorsorge und Zurich am besten.

          Wer bietet das beste Vertragsergebnis?

          Für die wichtigste Kategorie, die Verträge, haben die Analysten von Map-Report Beispielrechnungen der Versicherer zugrunde gelegt. Dabei haben sie unterschieden zwischen Verträgen mit Beitragsgarantie und ohne. Schließlich haben sie auch Nettopolicen berücksichtigt – das sind Verträge, in denen die oft recht üppigen Abschlusskosten nicht enthalten sind und die vorwiegend von Honorarberatern vermittelt werden, die keine Provision erhalten dürfen. Hier hat der Map-Report darauf geachtet, welchen Rentenfaktor die Gesellschaften ansetzen, wie sich also ein Fondsvermögen von 100000 Euro in eine Monatsrente oder eine Kapitalabfindung übersetzt. Außerdem ging die Effektivkostenquote ein. Die Angabe dieses Werts, der anzeigt, um wie viele Prozentpunkte sich die Beitragsrendite reduziert, wenn alle Kosten einbezogen sind, hat der Gesetzgeber zur Pflicht gemacht. Allerdings hat sich die Branche nicht auf einen einheitlichen Standard geeinigt, so dass unterschiedliche Rechnungen im Markt kursieren. Das Analysehaus Morgen & Morgen hat allerdings für sich ein konsistentes Bewertungssystem eingeführt, auf dem auch das Rating beruht.

          Das beste Vertragsergebnis erzielen Continentale, Alte Leipziger, Neue Bayerische Beamten, Interrisk und Ergo. Die Stuttgarter und die Hanse Merkur, die vor allem bei Verträgen mit Garantien gut abschneiden, schrammen an einem besseren Ergebnis vorbei, weil sie bei den Nettotarifen nicht bewertet werden konnten. Bei den Nettopolicen kommt mit der My Life Versicherung, die sich auf den Markt der Honorarberater konzentriert, noch eine weitere Gesellschaft in die Spitzengruppe.

          An einem Beispiel lässt sich die Bewertungsmethode vorführen. Für eine Vertragslaufzeit von 20 Jahren ohne Garantie etwa schneidet der Direktversicherer (bei dem man am Telefon oder im Internet ohne Vermittler abschließt) Europa besonders gut ab. Bei einem Monatsbeitrag von 100 Euro prognostiziert sie eine Kapitalabfindung mit Überschüssen in Höhe von 41.170 Euro – im ersten Jahr entspräche dies einer monatlichen Rente von 141 Euro. Auf diesen guten Wert kommt sie, weil sie die Effektivkosten mit dem branchenweit niedrigsten Wert von 1,11 Prozent angibt. Hier zeigen sich große Unterschiede. Auch Zurich, Interrisk, Neue Bayerische Beamten und Hannoversche kommen für diesen Vertragstyp auf Werte unterhalb von 2 Prozent. Dagegen mindern die Kosten bei der Generali und der Provinzial Rheinland die Rendite mit 3,41 und 3,38 Prozentpunkten erheblich. Alles in allem zeigt sich an dem Rating, dass die Anlage in fondsgebundenen Policen noch viel komplexer als in klassische Lebensversicherungen ist. Kein Versicherer ist in allen Kategorien stark.

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