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Finanzdienstleistung : Fondsgebundene Lebensversicherungen sind teuer

Bei fondsgebundenen Versicherungen muss man besonders auf die Kosten achten Bild: dpa

Ein Branchenvergleich zeigt, dass die Rendite durch hohe Kosten erheblich vermindert wird. Vor dem Abschluss ist eine genaue Analyse nötig.

          5 Min.

          Aus der Finanzkrise zogen manche Kapitalmarktfachleute eine einfache Lehre: Verbraucher sollten nur Produkte abschließen, die sie auch wirklich verstanden haben. Gemessen an diesem Anspruch, hätten es Lebensversicherungen nicht gerade einfach – und das, obwohl sie nach wie vor echtes Massengeschäft sind und millionenfach verkauft wurden. Wollte ein Finanzvermittler die Bedeutung von Kapitalanlage-, Risiko- und Kostenergebnis sowie die genaue Funktionsweise der Rückstellungen für die Beitragsrückerstattung, der Schlussüberschussanteilsfonds und der Überschussbeteiligung erläutern, könnte er allein dafür Stunden aufwenden. Wie die individuellen Beiträge und das Gesamtvermögen des Versichertenkollektivs zusammenhängen, können Versicherer selbst auf hartnäckige Nachfrage nicht erklären.

          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Und als wäre das nicht schon schlimm genug, haben die Versicherer ihre Produkte in den vergangenen Jahren noch einmal komplizierter gemacht. Weil sie unter dem Niedrigzins leiden, bieten sie Produkte an, bei denen man an einer Indexentwicklung partizipieren kann. Garantien werden relativiert und entweder nur noch auf die eingezahlten Beiträge oder nur noch bis zum Beginn des Rentenalters gewährt. Der ohnehin schon recht intransparente Markt ist dadurch noch unübersichtlicher geworden. Und überhaupt nicht vergleichbar sind all diese Produkte mit fondsgebundenen Lebensversicherungen, bei denen das Risiko der Kapitalanlage anders als bei den klassischen Policen ausschließlich der Verbraucher trägt.

          Kosten des Versicherers ein wichtiger Hebel

          Insofern müssen Vermittler, Kunden und Marktbeobachter schon dankbar sein für jedes kleine bisschen an Transparenz, das in den Markt kommt. Doch die Versicherer haben lange Zeit gemauert. Als der Branchendienst Map-Report vor einigen Wochen ein Rating für fondsgebundene Lebensversicherungen veröffentlicht hat, litt das darunter, dass nur sieben Anbieter freiwillig an den Abfragen teilgenommen haben, auf denen die Bewertung basierte. Deshalb haben sich die Rating-Macher zu einem bislang ungekannten Vorgehen durchgerungen: Sie wollten einen breiteren Marktüberblick erhalten, haben auf öffentlich zugängliche Daten und Erkenntnisse des Analysehauses Morgen & Morgen zurückgegriffen, das mit seinen Dienstleistungen für unabhängige Vermittler eigentlich ein Wettbewerber ist. Indem diese Daten aus verschiedenen Quellen zusammengetragen wurden, ist zwar kein umfassendes Bild entstanden – zumal die Performance fondsgebundener Versicherungen noch weniger prognostiziert werden kann als die von klassischen Policen, bei denen das Kundengeld stärker am Anleihemarkt investiert wird und dessen Erträge deshalb weniger volatil sind. So spielt in dem Rating die tatsächliche Performance auch nicht die entscheidende Rolle. Aber es lassen sich interessante Rückschlüsse für die Anlage in fondsgebundenen Versicherungen schließen – insbesondere auf Seiten der Kosten.

          Map-Report hat die Gesellschaften nach jeweils vier Kriterien bewertet. In die Kategorie Bilanz gehen Werte ein, die auch bei den Ratings für herkömmliche Lebensversicherungen eine Rolle spielen: Rendite des Deckungsstocks, Verwaltungs- und Abschlusskosten sowie Finanzstärke. Diese Kennziffern sind vor allem dann wichtig, wenn der Versicherer noch partielle Garantien etwa auf den Beitragserhalt verspricht und dafür weiterhin auf einen kollektiven Deckungsstock zurückgreift. Auch die Kategorie Service und Transparenz orientiert sich am bekannten Verfahren: Hier gehen Storno- und Beschwerdezahlen ein sowie die Bereitschaft, Kennzahlen offenzulegen. Anders als üblich sind die beiden Kategorien Fonds und Vertrag, die für 70 von 100 möglichen Punkten stehen. Sie beinhalten die Auswahl an Fonds, die Fondsperformance und die Kosten der Fonds sowie Modellrechnungen, wie sich 100.000 Euro Fondsvermögen in eine Kapitalabfindung oder eine monatliche Rente übersetzen würden. Auch hier sind die Kosten des Versicherers ein wichtiger Hebel.

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