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Branchen/Fonds : Versicherer sind an der Börse die Branche des Monats

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Parallel zu steigenden Börsen haussieren Versicherungsaktien. Binnen Monatsfrist hat sich keine Branche besser entwickelt. Versicherer sind meist günstig bewertet. Anleger können außer mit Aktien auch mit Indexfonds auf Versicherer wetten.

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          Was haben die holländische Aegon, die deutsche Allianz, die italienische Assicurazioni Generali, die französische Axa, die belgisch-holländische Fortis, die ebensolche ING Groep, die Münchener Rück und die britische Prudential gemeinsam? Richtig: Bei allen Unternehmen handelt es sich um Versicherungen oder Allfinanzkonzerne mit starkem Versicherungsgeschäft - deren Aktien seit ein paar Wochen haussieren. Der Dow Jones Stoxx 600 Insurances-Unterindex weist einen Kursgewinn von fast zehn Prozent in den vergangenen vier Wochen aus, seit 1. November steht sogar ein Plus von 12,2 Prozent zu Buche.

          Mit diesen Kennziffern sind Versicherungen an der Börse die Branche des Monats. Auf den nächsten Plätzen folgen gemessen an den entsprechenden Dow Jones Stoxx-Unterindizes die Rohstofftitel wie Rio Tinto mit einem Kursgewinn von 8,3 Prozent binnen Vierwochenfrist, Chemieaktien mit einem Aufschlag von 7,2 Prozent, Industriewerte mit Siemens an der Spitze, die sich durchschnittlich um 5,5 Prozent verbessert haben sowie das Segment „Reise & Freizeit“ (Travel & Leisure), das auf einen Zugewinn von 5,5 Prozent kommt. Am Ende der Tabelle stehen als Verlierer des Monats die Telekommunikationswerte mit einem Abschlag von fünf Prozent. Davor rangiert als zweitschlechteste Branche der Mediensektor mit einem Plus von 1,1 Prozent.

          Viele Versicherer-Aktien sind Schwergewichte und werden rege gehandelt. Daher lassen sich die Kurse nur schwer manipulieren und bilden so in der Regel das Marktsentiment recht gut ab. Anlegern, die dennoch nicht auf Einzeltitel wetten wollen, stehen kostengünstige Branchenindexfonds zur Verfügung. Spitzentitel gemessen am Indexgewicht sind ING Groep, Allianz, Axa und Generali.

          Recht günstige Bewertungen und Kostensenkungen...

          Analyst Karsten Keil vom Helaba Trust in Frankfurt erklärt die jüngste Hausse bei Aegon & Co. mit mehreren Gründen: Diese Branche sei an der Börse in diesem Jahr im Vergleich mit anderen Wirtschaftszweigen bis in den Herbst hinein „etwas zurückgeblieben“. Zweitens sei die Bewertung der einzelnen Aktien „relativ günstig“. So kommt die Allianz auf Kurs-Gewinn-Verhältnisse von rund elf für dieses und das nächste Jahr, Axa auf 12,0 und 11,2, Münchener Rück auf jeweils zehn, ING Groep auf 10,1 und 9,5 sowie Fortis auf 10,7 und 10,3. Einen Ausreißer nach oben stellt die italienische Generali dar, die mit 16,5 und 14,9 bewertet ist. Allerdings bilanziert das Unternehmen das Neugeschäft laut Keil konservativer als Konkurrenten - und sei deshalb höher gepreist.

          Drittens folge Kursphantasie aus sogenannten Restrukturierungsgeschichten. So senke Zurich Financial die Kosten, und die Allianz wolle bei der Dresdner Bank weitere Arbeitsplätze streichen (Dresdner Bank plant weiteren Stellenabbau). Vor dem Hintergrund großer Übernahmen um die Jahrtausendwende sieht Keil noch „relativ hohe Effizienzreserven“, die aber nicht unbedingt in Stellenstreichungen münden müßten. So könnten Kosten auch gesenkt werden, indem Prozesse optimiert werden.

          ...sowie steigende Börsen als Kurstreiber

          Nicht zuletzt wirkt aus seiner Sicht die Jahresendrally an den Aktienbörsen bei Versicherungsaktien wertsteigernd. Denn trotz großer Beteiligungsverkäufe besäßen diese Konzerne noch beachtliche Pakete an Dividendenpapieren. Bei der Allianz etwa habe sich das Aktienportfolio zuletzt auf rund 50 Milliarden Euro summiert. Und Rückversicherer könnten nach den katastrophalen Hurrikanen im Sommer im nächsten Jahr durch höhere Prämien profitieren.

          Der Helaba-Analyst favorisiert Allianz und Axa. Begründung: Beide Unternehmen seien in den Märkten gut positioniert, nicht zuletzt im Wachstumsmarkt Amerika. Dem holländischen Lebensversicherer Aegon, dessen Aktie er zu halten empfiehlt, komme derzeit der steigende Dollarkurs zugute.

          Als weitere Gründe wären noch technische Kaufsignale zu nennen, wie sie in den jüngsten Tagen von der Münchener Rück (Münchener Rück-Aktie aus langjähriger Handelsspanne ausgebrochen) gesendet worden ist. Der Allianz und der ING Groep war der Ausbruch schon im August gelungen.

          Indexfonds mit Dividendenrendite von zwei Prozent

          Investoren, die kein Klumpenrisiko mit Aktien eingehen wollen, steht keine Palette an Branchenfonds mit Versicherungsaktien im Portfolio zur Verfügung. Sie können von der Versichererhausse aber mit einem Indexfonds profitieren, der von der Hypo-Vereinsbanktochter Indexchange aufgelegt worden ist und auf den Dow Jones Stoxx 600 Insurances läuft (ISIN: DE0006289416).

          Wie alle Indexfonds kann dieses Produkt ohne den bei aktiv gemanagten Aktienfonds üblichen Ausgabeaufschlag zu den normalen Handelszeiten an der Börse gekauft werden. Auch ist die jährliche Verwaltungsgebühr mit gut 0,5 Prozent niedrig. Nicht zuletzt reicht der Fonds die Dividenden durch, zuletzt waren dies im Juli 41,36 Cent je Anteil, der seinerzeit 20,84 Euro kostete. Daraus errechnet sich eine Dividendenrendite von zwei Prozent. Aktuell notiert der Anteil bei rund 24,20 Euro (Briefkurs 24,30).

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