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Branchen-Analyse : Fußball-Aktien nur etwas für Fans

  • Aktualisiert am

Fußball-Aktien bringen meistens nur Ärger Bild: picture-alliance / dpa

Die Aktien von Fußball-Vereinen sind erfahrungsgemäß in der Regel ungeeignet für eine solide Geldanlage. Das Debakel um Borussia Dortmund ist dabei nur ein Mosaikstein, der ins Bild paßt.

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          Fußball-Aktien sind allenfalls etwas für eingefleischte Fans, nichts für nüchtern kalkulierende Investoren. Diese Börsianer-Regel hat sich nicht nur mit der Beinahe-Pleite des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmundbestätigt.

          Von der schönsten Nebensache der Welt erwarten Fußballfans Spaß sowie sportliche Erfolge ihrer Teams - und werden oft nicht enttäuscht. Bei Fußball-Aktien sieht es dagegen anders aus: Sie taugten in den vergangenen Jahren nur in seltenen Fällen als Gewinn bringende Geldanlage und brachten den Investoren statt dessen selbst bei erfolgreichen Klubs wie Ajax Amsterdam herbe Verluste. Zu unvorhersehbar sind die Spielergebnisse, zu groß die Abhängigkeit von einzelnen Partien etwa in internationalen Pokalrunden. Und nicht selten tragen noch Managementfehler in den Führungsetagen der Vereine zu einem finanziell Abstieg bei.

          Experten monieren geringe Transparenz

          „Wir ziehen Unternehmen mit besser vorhersagbaren Geschäften vor", sagt Andreas Utermann, Leiter des Aktienfondsmanagements des zu Allianz Global Investors gehörenden Deutschen Investment Trusts (dit). Nach Einschätzung von Peter-Thilo Hasler, einem der wenigen verbliebenen Analysten von Fußball-Aktien in Deutschland, haben die meisten Klubs im Ringen um sportlichen Erfolg zu häufig nur auf teure Spieler gesetzt. Die Erschließung anderer Geldquellen, um die Abhängigkeit vom reinen Fußballgeschäft zu verringern, sei dagegen zu oft sträflich vernachlässigt worden.

          Der Chart zeigt die Entwicklung der Aktie von Borussia Dortmund
          Der Chart zeigt die Entwicklung der Aktie von Borussia Dortmund :

          Rolf Drees von der Fondsgesellschaft Union Investment moniert zudem, daß viele börsennotierte Vereine die Interessen von Anlegern nicht ausreichend berücksichtigten, oft ungenügende Management-Fähigkeiten zeigten und generell zu wenig Transparenz für Investoren böten. Union Investment löste bereits vor einigen Jahren seinen Sport-Fonds auf und verkaufte alle Fußballaktien.

          Borussia Dortmund ist für die Fachleute ein Beispiel, wie es nicht laufen sollte. So lange sich der Klub für die Champions League qualifizierte, flossen die Einnahmen aus TV-Rechten üppig. Die 130 Millionen Euro, die der BVB bei seinem Börsengang im Oktober 2000 eingesammelt hatte, verpulverte das Management für teure Stars. Darunter war etwa der Brasilianer Marcio Amoroso, der allein 26 Millionen Euro kostete und nur eine Saison lang überzeugen konnte.

          Viele Fußball-Aktien nur noch für Fans von Wert

          Dieses Debakel trifft nicht nur die Borussia, sondern auch andere Traditionsvereine wie Ajax Amsterdam, AS Rom oder den Lokalrivalen Lazio. Letzterer verlor seit dem Bankrott seines früheren Eigentümers Sergio Cragnotti binnen Jahresfrist 90 Prozent seines Börsenwertes. Einziger Lichtblick ist die Aktie des englischen Serienmeisters Manchester United, der zum reichsten Klub der Welt geworden ist.

          Nicht nur in den Fankurven der Stadien brauchen die Anhänger starke Nerven, auch beim morgendlichen Blick in die Kurstabellen der Tageszeitungen: Fußball-Aktien unterliegen deutlich größeren Wertschwankungen als Anteilsscheine von traditionsreichen Industriekonzernen. Schon wenige Kauf- oder Verkaufaufträge können den Kurs der nur wenig gehandelten Fußball-Aktien gravierend beeinflussen. „Das sind doch nur Zockerpapiere", urteilt ein Frankfurter Börsenhändler. Schon beim Börsengang von Borussia Dortmund hatten viele Experten die BVB-Aktie als „Fan-Artikel“ verspottet und gemessen an der Wertentwicklung offensichtlich Recht behalten. Nach einem Kurs von elf Euro je Aktie zum Börsenstart im Oktober 2000 notiert die Aktie derzeit nur noch bei rund 2,40 Euro. Allein in den vergangenen zwölf Monaten verlor sie rund 20 Prozent an Wert.

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