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Börsenzyklen : Ab Mai zieren am besten Gesundheits-Aktien das Depot

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„Sell in may and go away.“ So lautet ein erfahrungsgemäß durchaus zutreffender Spruch an der Börse. Wer zudem Branchenaspekte miteinbezieht, der kann laut Standard & Poor´s echten Nutzen aus dieser Erkenntnis ziehen.

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          Unter Börsianern kursieren viele geflügelte Sprüche und Weisheiten. Einige davon sind zwar nicht mehr als reine Märchen, andere lassen sich dagegen auch statistisch belegen.

          Zur letztgenannten Gruppe gehört der Spruch „Sell in may and go away“. Dieser basiert auf der Annahme, daß die Kurse an der Wall Street in der Periode von November bis April traditionell deutlich stärker steigen als in der Zeit von Mai bis Oktober.

          Eine vom amerikanischen Finanzdienstleister Standard & Poor´s durchgeführte Studie bestätigt die Richtigkeit dieser Aussage. So ist der S&P 500 Index von Mai 1945 bis April 2004 in den Monaten November bis April im Schnitt um 7,2 Prozent gestiegen. Das ist deutlich mehr, als das Plus von 1,5 Prozent, das sich in den Monaten Mai bis Oktober erzielen ließ.

          Periode von Mai bis Oktober deutlich schwächer als von November bis April

          Dafür, daß es sich dabei um keinen Zufall handelt, sondern um ein durchaus typisches saisonales Verhaltensmuster der Börsianer spricht auch die Tatsache, daß sich das aufgezeigte Kräfteverhältnis in 70 Prozent der Fälle einstellte. Ausgerechnet im Vorjahr lief es zwar etwas anders, denn da hat der S&P 500 Index zwischen Mai und Oktober um 8,4 Prozent zugelegt, aber ansonsten hatte die Phase zwischen November und April in den vergangenen sechs Jahren fünf Mal die Nase vorne.

          Unter den einzelnen Monaten hat sich der September als schwächster Monat herauskristallisiert und unter den verschiedenen Quartalen ist das dritte Quartal das schwächste. Sam Stovall, Chefstratege bei Standard & Poor´s, versucht diesen Umstand damit zu erklären, daß die Analysten in dieser Phase oft ihre Schätzungen für die Gesamtjahresergebnisse nach unten korrigieren. Darauf basierend bilde der Aktienmarkt dann im Oktober oft einen Boden aus, von dem aus es anschließend von einem relativ niedrigen Niveau wieder nach oben gehen kann.

          Als weitere Erklärungsmöglichkeit für das aufgezeigte Kursmuster kommen noch Liquiditätsaspekte hinzu. So strömt beispielsweise zu Jahresbeginn nicht selten viel frisches Kapital an den Märkt, was zu steigenden Kursen führt.

          Wechsel in Gesundheitsaktien macht sich bezahlt

          Bestückt mit der Erkenntnis der saisonalen Performanceunterschiede beim S&P 500 Index hat Stovall untersucht, ob es sich auch auf Branchenebene Auffälligkeiten ergeben haben. Mit Blick auf die vergangenen vierzehn Jahren, also dem Zeitraum, für den Daten basierend auf den S&P Branchenindizes vorliegen, scheint dies zuzutreffen.

          Auf Branchenebene gab es zwischen November und April überhaupt keine Verlierer, während zwischen Mai und Oktober die Sektoren Gebrauchsgüter, Industrieunternehmen und Grundstoffe eine negative Performance aufzuweisen haben. Konsistent sehr gut schlugen sich dagegen in der schwächeren Börsenperiode die Branchen Pharma & Gesundheit sowie Verbrauchsgüter.

          Daraus zieht Stovall den Schluß, daß Timing auf Branchenebene ein lohnender Versuch sein könnte, den Gesamtmarkt zu schlagen. Das diese Rechnung historisch betrachtet aufging, zeigt er anhand der Performance in der Zeit von Mai 1990 bis April 2004. Wer in dieser Periode ständig investiert war, brachte es gemessen am S&P 500 Index auf ein jährliches Plus von 9,2 Prozent.

          Wer sich dagegen flexibel zeigte, und aus einem reinen S&P 500 Investment in der Zeit von Mai bis Oktober in den Sektor Verbrauchsgüter wechselte, der kam auf ein Plus von 14,0 Prozent. Und nach besser sahen diejenigen Anleger aus, die statt Verbrauchsgüter auf den Sektor Pharma und Gesundheit setzten. Denn hier steht sogar ein Plus von 15,0 Prozent zu Buche.

          Wahljahr könnte das Verhaltensmuster stören

          Nun ist sich zwar auch Stovall bewußt, daß Ergebnisse aus der Vergangenheit an der Börse keine Garantie für ähnliche Entwicklungen in der Zukunft sind, nennt er für interessierte Anleger, die an den Fortbestand dieses Kursmuster glauben, die Aktien, die zur Umsetzung dieser Strategie in Frage kommen und mit der Bestnote von S&P-Analysten ausgestattet sind. Dazu zählen im Bereich Verbrauchsgüter die Aktien von BJ´s Wholesale Club, Constellation Brands, PepsiCo, Procter &Gamble und Sysco Corp. Im Gesundheitssektor sind es die Titel Amgen, Coventry Health Care, Cytc Corp., Hologic und Wyeth.

          Wer seine Anlagetaktik am Spruch „Sell in may and go away“ ausrichten will, der sollte allerdings auch beachten, daß eine andere Weisheit dagegen spricht, daß die Phase von Mai bis Oktober auch 2004 schlechter abschneiden wird. Denn in Wahljahren war es in der Vergangenheit oft so, daß die Kurse an der Wall Street nach einem schwachen Start ins Jahr erst ab Mai ins Laufen gekommen sind ().

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