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Börsentrend : Das Lager der Pessimisten wächst

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Symbol für die Börsenstimmung: Der abgetretene Citigroup-Chef Charles Prince Bild: REUTERS

Nach den Schockwellen in der amerikanischen Finanzwelt ist die Unsicherheit bei den Börsianern groß. Einige Anleger sehen derzeit das größte Risiko von Bankenwerten ausgehen. Andere sehen jetzt Einstiegsmöglichkeiten.

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          Nach den personellen Schockwellen in der amerikanischen Finanzwelt ist die Unsicherheit bei den Börsianern über die weitere Entwicklung groß. Das Lager der ausgesprochenen Pessimisten, für die der Rückschlag am Tag nach der amerikanischen Leitzinssenkung in der vergangenen Woche nur der Anfang war, wächst.

          Für die Stimmungsanalysten von Sentix heißt die Devise: Absicherung ist und bleibt das Gebot der Stunde. Denn derzeit gibt es an den Börsen offensichtlich ein Wahrnehmungsproblem. Das Bild passt nicht zusammen, die Erwartungen driften auseinander. Zum einen lebt der Markt mit dem permanenten Risiko, dass die Hiobsbotschaften aus dem Kreditsektor immer größere Dimensionen erreichten. Zum anderen scheinen sich die Anleger an die Unsummen von Wertberichtigungen zu gewöhnen.

          Milliarden-Abschreibungen - und der Kurs legt zu

          Zuletzt hatte die Citigroup die Anleger diesbezüglich aufgeschreckt. Parallel zum Rücktritt von Vorstandschef Charles Prince gab die weltweit größte Bank bekannt, man werde deutlich höhere Abschreibungen vornehmen müssen als bisher erwartet. Das Unternehmen geht von einem zusätzlichen Abschreibungsbedarf von acht bis elf Milliarden Dollar aus. Dies entspräche einem Rückgang des Nettoergebnisses nach Steuern um etwa fünf bis sieben Milliarden Dollar, hieß es. Bisher waren 6,5 Milliarden Dollar im Zusammenhang mit notleidenden Krediten abgeschrieben worden. Analysten hatten für die Gesellschaft zunächst einen zusätzlichen Abschreibungsbedarf von rund vier Milliarden Dollar vorhergesagt.

          Trotz dieser Milliardenprobleme: An der Börse in Tokio zeigte sich die Aktie der Citigroup am Montag stark. Die Aktie ging mit einem Plus von fünf Prozent über dem New Yorker Schlusskurs vom Freitag aus dem Markt. Das bestätigt Anleger wie den Tokioter Professor Takao Sasaki: „Das ist jetzt die beste Gelegenheit für Citigroup-Käufe, weil sich das Unternehmen in der schlimmsten Situation befindet.“ Halten sich mehr Anleger an solche Einschätzungen, müsste es auch bald wieder mit den schwer angeschlagenen Finanzaktien nach oben gehen.

          Banken geraten europaweit unter Druck

          Andererseits nehmen die Anleger Risikofaktoren verstärkt wahr. Angesichts der aufflammenden Finanzkrise, abzulesen an den kurz aufeinander folgenden Rücktritten zweier mächtiger Bankchefs, Stanley O'Neal von Merrill Lynch und Charles Prince von Citigroup - sehen sie das größte Börsenrisiko von Finanzwerten ausgehen. Und das ist für viele offensichtlich alles andere als ein Anreiz, die Branchenaktien in das Portfolio zu nehmen.

          Und so manifestieren sich am Montag die Sorgen der Investoren ganz klar in den Kursen der Banken. Die Aktien europäischer Institute präsentierten sich überwiegend schwach. Im FTSE 100 ragten Royal Bank of Scotland mit einem Verlust von 2,68 Prozent auf 462,75 Pence heraus, im Eurostoxx 50 traten neben der sehr schwachen Deutschen Bank (minus 3,1 Prozent) die französischen Institute Société Générale und BNP Paribas mit Kursverlusten hervor.

          Gefahr eines Kursrutsches noch bis 2008

          „Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele schlechte Nachrichten von der amerikanischen Immobilienblase für die Banken und ihre Bilanzen erst jetzt die Märkte erreichen werden“, warnte Analyst Peter Dixon von der Commerzbank in London in einem Gespräch mit Bloomberg News. Dixon hält die Gefahr eines dramatischen Kursrutsches an den Börsen noch bis in das erste Quartal 2008 für gegeben.

          Den Zahlen deutscher Finanzunternehmen noch in der laufenden Woche gilt entsprechend höchste Aufmerksamkeit, ist sich Analyst Michael Köhler von der LBBW sicher. Die Commerzbank zog ihre Vorlage um einen Tag auf Dienstag vor. Es folgen Hypo Real Estate am Mittwoch sowie am Freitag Postbank und Allianz. „Hier wird der prüfende Blick auf die Abschreibungen bei der Dresdner Bank gerichtet sein“, sagt Köhler. Zuletzt hatte die Schweizer UBS mit milliardenschweren Abschreibungen auf amerikanische Hypotheken Schockwellen an die Börsen gesandt.

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