https://www.faz.net/-gv6-vb29

Börsenprognosen : 10 Einschätzungen gegen die herrschende Meinung

Bild: F.A.Z.

Das Pfund als Währung des Jahres, eine Verdreifachung des Nickelpreises und ein weiterer Verfall der Aktienkurse: Heribert Müller hat 10 Prognosen aufgestellt, die der Marktmeinung entgegenstehen.

          2 Min.

          Als Analyst darf man eigentlich keine Angst vor der eigenen Courage haben. Denn wer Prognosen für die Zukunft trifft, liegt immer wieder einmal auch falsch. Das liegt in der Natur der Sache. Nun haben viele Analysten aber doch die Angewohnheit, sich mit ihren Prognosen ungern allzu weit vorzuwagen. Und viele scheinen sich am Konsens zu orientieren und geben oft Schätzungen ab, die sich nur um Haaresbreite von Prognosen anderer Experten unterscheiden.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Gewagte Vorhersagen durch Elliott-Wellen

          Erfrischend erscheinen daher zum Beispiel solche Analysten, die mit Hilfe markttechnischer Indikatoren Prognosen stellen. Insbesondere Anwender der Elliott-Wellen-Theorie kommen oft zu gewagten, da meist vom Konsens und von den gegenwärtigen Marktpreisen weit entfernt liegenden Vorhersagen. Hinzu kommt, dass die Anwender der Elliott-Wellen glauben, dass sich gerade in den wellenartigen Kursbewegungen Stimmungen der Marktteilnehmer in Verhalten umsetzen, das sich beobachten, messen und für Prognosen nutzen lässt.

          „Einheitsbrei tritt selten ein“

          Zu den Anwendern der Elliott-Wellen-Theorie und der Fibonacci-Relationen zählt auch Heribert Müller. Dem Gründer und Vorstand der Heribert Müller Trust AG in Krefeld scheint es eine besondere Freude zu sein, wenn er mit Hilfe seiner Arbeitsweise zu Prognosen gelangt, die dem Konsens der übrigen Analystenwelt zuwiderlaufen. „Der Einheitsbrei tritt selten ein“, weiß Müller. Er gebe zwar keine Prognosen ab, um dem Konsens zu widersprechen, sondern weil er von seiner Arbeitsweise überzeugt sei.

          Aber ein Stück sicherer mit einer Prognose fühle er sich schon, wenn er „einsamer Rufer in der Wüste“ sei. So sind auch Müllers 10 Börsenüberraschungen des Jahres 2009 zu verstehen, mit denen sich Müller von der Mehrheit der veröffentlichten Prognosen für dieses Jahr absetzt.

          Pfund als Währung des Jahres

          So rechnet er mit einer Zwischenerholung an den Aktienmärkten bis zur Jahresmitte, dann aber wieder mit einem deutlichen Kursrutsch auf 3600 Punkte, langfristig hält er auch deutlich niedrigere Punktestände für nicht unwahrscheinlich. Das Pfund ist für ihn entgegen aller Prognosen die währung des Jahres 2009. Der Dollar hingegen dürfte erheblich an Wert verlieren. Ebenso sieht er den Ölpreis in einer langfristigen Abwärtsbewegung. Der Nickelpreis hingegen verdreifacht sich in diesem Jahr nach Müllers Prognose.

          Im Rückblick lag Müller mit seinen Vorhersagen für 2008 in fast allen Fällen in etwa richtig. Unter anderem prognostizierte Müller eine Verschärfung der Finanzmarktkrise mit einem Fall der Kurse am Aktienmarkt, einen besonders starken Kursverfall an den Aktienbörsen von Schwellenländern wie Russland, den Anstieg der Inflationsraten bis zur Jahresmitte, den tiefen Fall der Renditen für europäische Staatsanleihen und die Aufwertung des japanischen Yen im zweiten Halbjahr. Nicht richtig prognostizierte Müller hingegen den Verfall des Zinkpreises und den stagnierenden Zuckerpreis.

          Elliott, Fibonacci und der Goldende Schnitt

          Wirtschaft wird von Menschen gemacht. Auch die Kurse an den Börsen kommen durch Kauf- und Verkaufsentscheidungen von Menschen zustande. Deshalb ist manches, was auf den Finanzmärkten passiert, nicht leicht zu erklären. Doch wenn man das Geschehen beobachtet, lassen sich Gesetzmäßigkeiten feststellen.

          Viele Beobachtungen zeigen zum Beispiel, dass sich die Kurse an den Finanzmärkten ebenso in Zyklen bewegen wie die Wirtschaftsleistung von Volkswirtschaften. Die Anleger verhalten sich zwar anscheinend oft irrational, aber doch ihrer menschlichen Natur entsprechend, indem sie mit ihren Kauf- und Verkaufsentscheidungen von manchen als harmonisch beobachtete Kursbilder hervorrufen.

          Achtteilige Wellenformation

          Der Buchhalter Ralph N. Elliott (1871 bis 1948) entdeckte, dass die Kurse in einer Hausse oft dieser Struktur folgen: Ein Aufwärtstrend wird von einer Abwärtsbewegung teilweise korrigiert. Der Aufwärtstrend, auch Impuls genannt, besteht aus fünf Wellen: Welle I, III und V sind aufwärtsgerichtet; Welle II und IV gehen abwärts und korrigieren die Impulswellen teilweise.

          Die Abwärtsbewegung besteht aus drei Wellen. Wellen a und c sind abwärtsgerichtet, b ist eine kleinere Gegenreaktion auf a. Jeder vollständige Zyklus besteht also aus einer achtteiligen Wellenformation, zunächst fünfteilig in der Hauptrichtung, danach dreiteilig korrigierend.

          0,618 ist der Goldene Schnitt

          Die auf den Mathematiker Leonardo da Pisa, genannt Fibonacci (13. Jahrhundert), zurückgehende unendliche Zahlenfolge 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89, 144 und so weiter bietet zur Prognose des räumlichen und zeitlichen Ausmaßes von Wellen die mathematische Grundlage. Die nächstfolgende Fibonacci-Zahl in der Folge wird stets ermittelt durch die Summe der beiden vorangehenden. Das Verhältnis einer Zahl zu ihrer nächsthöheren nähert sich nach den ersten vier Gliedern der Folge dem Wert 0,618 an.

          Diese Proportion, der sogenannte Goldene Schnitt, scheint der Mensch, zumindest im Abendland, seit je als die perfekte Harmonie zu empfinden. So ist der menschliche Körper in der Idealvorstellung der alten Griechen nach dem Goldenen Schnitt proportioniert: Vom Nabel bis zur Fußsohle misst er 1, vom Nabel bis zum Scheitel 0,618. Deshalb formten die Griechen vieles nach dieser Idee der Ausgewogenheit. Der Pantheontempel ist zum Beispiel nach dem Goldenen Schnitt gebaut. Auch das christliche Kreuz weist diese Proportion auf - und das Format der modernen Scheckkarte.

          Ermittlung von Kurszielen

          Den Goldenen Schnitt an der Börse benutzen Fibonacci-Anwender, um Kursziele zu ermitteln: Ausgehend vom Kurshoch und -tief einer abgeschlossenen Welle, multiplizieren sie den Abstand mit einer Fibonacci-Relation. Diese gibt das prognostizierte Ausmaß einer folgenden Welle an. Da die Fibonacci-Relationen erst nach den ersten vier Zahlen auffallend gegen 0,618 tendieren, haben auch die ersten drei Relationen (1, 0,5, 0,7, 0,3) Bedeutung.

          Am meisten werden die Fibonacci-Quotienten 61,8 und 38,2 beachtet, aber auch 76,4 und 23,6 Prozent als Ergebnis des Verhältnisses einer Fibonacci-Zahl, dividiert durch ihren Vorvorgänger, haben Anhänger. ham.

          Weitere Themen

          Weltgrößter Börsengang erfolgreich Video-Seite öffnen

          Aramco-Aktie im Plus : Weltgrößter Börsengang erfolgreich

          Der weltgrößte Börsengang des Ölkonzerns Saudi Aramco ist ein Erfolg: Die Aktien der saudiarabischen Staatsfirma debütierten am Mittwoch mit 35,2 Riyal an der Börse in Riad. Das ist ein Plus von zehn Prozent im Vergleich zum Ausgabepreis.

          Topmeldungen

          Christine Lagarde auf der Pressekonferenz in Frankfurt

          EZB-Präsidentin Lagarde : Zinsentscheid mit einem Lächeln

          Die neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, stellt sich erstmals nach einer Ratssitzung der Presse. Den Zinssatz lässt sie unverändert, doch ihr Stil unterscheidet sich deutlich von dem ihres Vorgängers Draghi.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.