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Börsengehandelte Indexfonds : Die ETF-Branche kämpft um ihren Ruf

  • -Aktualisiert am

Klare Regeln für Swap-Geschäfte: Auch Comstage, der ETF-Anbieter der Commerzbank, hat Standards geschaffen Bild: dpa

Die internationale Finanzmarktaufsicht weckt Zweifel an der Sicherheit börsengehandelter Indexfonds (ETF). Die Anbieter widersprechen: Selbst wenn ETF und strukturierte Produkte eine identische Rendite aufwiesen, sei das Risiko ein völlig anderes.

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          Börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF) zählen zu den größten Innovationen, die das Finanzgeschäft in den vergangenen Jahren gesehen hat. Dabei versprechen sie gar nicht eine hohe Rendite, sie sind vielmehr Ausdruck einer Finanzprodukt gewordenen Bescheidenheit. ETF sollen nicht wie herkömmliche Investmentfonds besser als ihre Bezugsgröße - beispielsweise ein Aktienindex - abschneiden, sondern dem Index nur so genau wie möglich folgen.

          Doch vor kurzem hatte das Financial Stability Board (FSB) in Basel vor den Risiken von ETF gewarnt und damit die Branche aufgeschreckt. Immerhin kam die Kritik von einem Gremium der Notenbanken, das Finanzkrisen wie die von 2008 verhindern soll. Das Board hatte ETF mit strukturierten Produkten wie Collateral Debt Obligations (CDO) verglichen und so in die Nähe jener gefährlichen Instrumente gerückt, die im Jahr 2008 für den Ausbruch der Finanzkrise mitverantwortlich waren.

          iShares bildete die Börse Seoul allein mit Samsung ab

          „Bei ETF sprechen wir über Produkte, die alle den strengen Vorgaben für Investmentfonds unterliegen“, sagt Thorsten Michalik, der Leiter von DB X-Trackers, dem ETF-Anbieter der Deutschen Bank. Dadurch gebe es ganz klare Regeln für die Swap-Geschäfte, die ETF eingehen. „Wir bei DB X-Trackers haben einen Standard geschaffen, der über diese Regeln hinausgeht“, sagt Michalik weiter. „Und das haben wir freiwillig gemacht.“ Thomas Meyer zu Drewer, Leiter von Comstage, dem ETF-Anbieter der Commerzbank, sieht das ähnlich. „Wir finden es gut, sich mit diesem Thema zu befassen“, sagt Meyer zu Drewer. „Allerdings halte ich ETF nicht für eine Gefahr für die Finanzmärkte.“ Immerhin seien die Produkte streng reguliert. Diese Sicht teilt man bei ETF Lab, dem ETF-Anbieter der deutschen Sparkassen. „Die allermeisten ETF sind wie ganz normale Investmentfonds aufgebaut und unterliegen auch dieser extrem starken Regulierung und Überwachung“, sagt ein Sprecher von ETF Lab.

          Bild: F.A.Z.

          Ursprünglich bildeten ETF möglichst genau den Index ab, dem sie folgen sollten. In einem Dax-ETF befanden sich Siemens-Aktien entsprechend dem Gewicht von Siemens im Dax. Diese ETF werden im Finanzjargon „voll replizierende ETF“ oder „physische ETF“ genannt. Bei manchen Indizes wie dem FTSE-100 oder dem S&P 500 stößt die Methode jedoch an Grenzen. Die Zahl der Aktien, die jeden Tag gehandelt werden muss, wird zu groß. Auch ist der Anteil einiger Aktien am Index so gering, dass sie dessen Verlauf nicht beeinflussen.

          Daraus entstanden „teilreplizierende ETF“, die beispielsweise den S&P 500 nur mit einem Teil der enthaltenen Aktien abbilden. Diese Methode hat jedoch Nachteile. So hatte iShares in den Vereinigten Staaten einen ETF auf einen Welt-Aktienindex aufgelegt und bildete die Entwicklung der Börse Seoul allein mit Samsung ab. Ausgerechnet dieser Titel ist jedoch nicht repräsentativ für Koreas Aktienmarkt. Daraufhin wies der ETF große Abweichungen zum Index auf - das gilt in diesem Marktsegment als Katastrophe.

          „Die ETF-Branche braucht einen eigenen Verband“

          In den Vereinigten Staaten sind diese ETF, die physische Aktien ins Portefeuille nehmen, die am häufigsten verbreitete Variante. In Europa dagegen sind synthetische ETF beliebt geworden und machen mittlerweile 45 Prozent des Anlagevermögens in ETF aus. Diese Variante hat auch den Argwohn des FSB hervorgerufen. Denn in synthetischen ETF liegen nicht zwingend die Aktien des Index. Das Anlagevermögen kann aus irgendwelchen Wertpapieren oder aus Gold bestehen. Die Schwankungen des Index, auf den sich der ETF bezieht, holt sich der Fondsanbieter über Swaps, also über Tauschgeschäfte mit Banken, ins Portefeuille.

          Dass synthetische ETF deshalb jedoch mit Swaps oder strukturierten Produkten gleichgesetzt werden können, wollen die Anbieter dieser Produkte so nicht gelten lassen. „ETF sind etwas völlig anderes als strukturierte Produkte“, ließ sich Dan Draper, Leiter des ETF-Geschäfts der Credit Suisse, kürzlich in der englischen Presse zitieren. Selbst wenn ETF und strukturierte Produkte eine identische Rendite aufwiesen, seien sie doch hinsichtlich des Risikos etwas völlig anderes. Manche Anbieter wie DB X-Trackers oder Comstage veröffentlichen zudem im Internet die genauen Swap-Positionen ihrer ETF.

          Für Verwirrung sorgt in der Branche auch, dass der Bericht des Financial Stability Board synthetische ETF mit anderen Produkten vergleicht, die am Erfolg der ETF teilhaben wollen. Im Bericht werden besonders Exchange Traded Commodities (ETC) genannt, Exchange Traded Vehicles (ETV) und generell Exchange Traded Products (ETP). Diese unterliegen nicht unbedingt den Regeln für Investmentfonds. „Die ETF-Branche braucht einen eigenen Verband, der einen einheitlichen Standard für ETF einführt“, fordert deshalb Michalik. „Es gibt ja noch nicht einmal eine Definition, was ein ETF ist.“

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