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Börsengänge : Zertifikate auf Neulinge haben ihre Tücken

Im Visier der Emittenten: Die Berliner Wohnungsgesellschaft GSW Bild: dpa

Die Aktien von Kabel Deutschland und Brenntag kamen vor etwa einem Jahr an die Börse. Heute liegen sie deutlich im Plus - bei so manchem Derivat ist das anders. Denn Volatilität und Handelsvolumen ergeben sich erst mit der Zeit am Markt.

          Der Markt für Börsengänge in Deutschland belebt sich zusehends. Die bisher größten Aktienneuemissionen dieses Jahres sind der Industriezulieferer Norma Group und die Wohnungsgesellschaft GSW, die beide erst vor wenigen Tagen ihr Börsendebüt gegeben haben. Wie immer zeigen sich die Derivateanbieter rege. Denn schon jetzt sind die ersten spekulativen Hebelprodukte oder Zertifikate, die sich auf diese Aktien beziehen, auf dem Markt oder zumindest in Planung. Doch nicht immer fahren Anleger mit solchen Derivaten gut, zumal auch die Emittenten die Börsenneulinge und ihre relevanten Marktdaten nur schwer einschätzen können.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Vor etwas mehr als einem Jahr kamen hierzulande der Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland, die Bekleidungskette Tom Tailor und der Chemikalienhändler Brenntag an die Börse. Während die Aktien von Kabel Deutschland und Brenntag seit März 2010 inzwischen rund 80 Prozent beziehungsweise 60 Prozent an Wert gewonnen haben, hat sich der Kurs von Tom Tailor kaum verändert.

          Je höher die Ausschüttung, desto besser die Kondition des Zertifikats

          Derivative Wertpapiere auf diese Börsenneulinge gab es teilweise schon am ersten Handelstag der Dividendenpapiere. Für Privatanleger, die diese Derivate frühzeitig gekauft haben, fällt die Kurs-Bilanz jedoch häufig schlechter aus als für die Aktionäre. So hat zum Beispiel das Discount-Zertifikat der Deutschen Bank auf Kabel Deutschland mit der Wertpapierkennnummer (WKN) DB7KRY und einer Laufzeit bis Dezember 2011 nur rund 7,5 Prozent an Wert gewonnen. Ähnlich sieht es für andere Zertifikate auf den Kabelnetzbetreiber oder auch Brenntag aus. Ihre Emittenten sind Commerzbank, Deutsche Bank und Macquarie. Teilweise sind die Zertifikate noch kein Jahr am Markt. Andere Papiere sind dagegen schon ausgelaufen. Die Zertifikate von Macquarie auf Tom Tailor gibt es erst seit Jahresbeginn.

          Das schlechte Abschneiden der Zertifikate liegt vor allem an der Eigenheit der emittierten Produkte. Auf den Kurszetteln der Stuttgarter Börse, dem größten Handelsplatz für Privatanleger-Derivate in Deutschland, finden sich für Brenntag, Kabel-Deutschland, Tom Tailor oder Norma nur Discount-Zertifikate oder Bonuszertifikate mit einem „Cap“. Mit den Discountern können Anleger einen Basiswert wie eine Aktie mit einem Kursabschlag – einer Art Rabatt – erwerben. Diese Zertifikate bieten daher einen gewissen Kapitalschutz, falls die Kurse fallen. Gleichwohl sind die Gewinnchancen nur begrenzt. Letzteres gilt auch für „Capped“-Bonuszertifikate. Diese sind, anders als klassische Bonus-Zertifikate, mit einen Cap (Höchstkurs) ausgestattet, der den maximal erreichbaren Wert beschränkt. Dafür bieten sie häufig größere Sicherheitspuffer und höhere Renditen.

          Diese Konzentration auf wenige Zertifikatearten erklärt sich aus der fehlenden Börsenhistorie der Neulinge. Für die Ausgestaltung von Zertifikaten wichtige Daten sind Schwankungsstärke (Volatilität) der Aktienkurse, das tägliche Handelsvolumen sowie die Höhe der zu erwartenden Dividende. Dabei gilt: Je höher die Ausschüttungen eines Unternehmens und je stärker die Kurse schwanken, desto besser können auch die Konditionen der Zertifikate sein; desto höher ist die mögliche Rendite, desto größer ist der mögliche Schutz. Für all diese Eckdaten gibt es aber bei den Börsendebütanten, anders als bei den Aktiengesellschaften, die schon länger am Markt sind, keine Erfahrungswerte. All dies können die Banken – vielleicht mit Blick auf vergleichbare Unternehmen – nur grob abschätzen. Entsprechend vorsichtig gestalten und preisen sie ihre Zertifikate.

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