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Börsengänge : Zehn Tips für Neuemissionen

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Jetzt ist die Stimmung wieder prima Bild: picture-alliance / dpa

Wer die Aktien des Öldienstleisters Catoil gezeichnet hat, kann sich glücklich schätzen: Die Aktien starteten 15 Prozent über dem Zuteilungspreis in den Handel. Doch Neuemissionen garantieren keine schnellen Gewinne. Worauf Anleger achten sollten.

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          Wäre man doch nur dabei gewesen! Die Aktien des Öldienstleisters Catoil sind an diesem Donnerstag bei ihrem Börsendebüt in Frankfurt 15 Prozent über dem Zuteilungspreis in den Handel gestartet. Wer vor wenigen Wochen die Wacker-Aktie für 80 Euro gezeichnet hat, kann sie heute für mehr als 110 Euro verkaufen.

          Doch eine Neuemission ist keine Garantie für schnelle Gewinne, und Anleger sollten sich hüten, blind alle neuen Aktien zu zeichnen (siehe auch: Mit der Würstchenbude an die Börse und Keine Garantie für Gewinne bei Börsengängen). „Wer als Privatanleger Aktien von Börsen-Neuzugängen zeichnen will, sollte ein paar Faustregeln beachten, um nicht wie vor ein paar Jahren beim Aktienboom am Neuen Markt auf die Nase zu fallen“, schreibt die ING-DiBa hat in ihrer jüngsten Ausgabe der „Infos für kritische Bankkunden“. Zehn Tips für Neuemissionen:

          1. Unreife Anfänger meiden

          Privatanleger sollten kein Geld für unternehmerische Experimente lockermachen. „Der Börsenkandidat sollte deshalb mindestens 50 Millionen Euro Umsatz pro Jahr machen, seit zwei Jahren Gewinne ausweisen und 50 Vollzeitkräfte beschäftigen“, so die ING-Diba. Diese 50-2-50-Regel ist sicherlich willkürlich, die Grenze ließe sich auch höher oder niedriger ziehen, aber sie hilft bei der Vorauswahl.

          2. Das Geschäftsmodell hinterfragen

          Wie bei jedem Engagement am Aktienmarkt müssen sich Interessenten auch mit Börsenkandidaten genau befassen. Hilfreich ist dabei der Börsenprospekt, der in der Regel im Internet auf der Homepage des Unternehmens veröffentlicht wird. Anleger sollten sich fragen, ob der Börsenaspirant in einem Markt mit langfristiger Zukunft agiert, und - falls möglich - die Geschäftszahlen mit an der Börse bereits notierten Konkurrenten vergleichen. Läßt sich das Geschäftsmodell ohne große Investitionen leicht kopieren, ist die Gefahr groß, daß das Unternehmen schnell wieder in der Versenkung verschwindet.

          3. Wer sind die Altaktionäre?

          Bei den Börsengängen verstärkt sich derzeit der Trend, daß die bisherigen Eigentümer einen Großteil ihrer Aktien verkaufen und Kasse machen - Beispiel Patrizia. Denn das kann darauf hinweisen, daß der Börsenkandidat seine beste Zeit bereits hinter sich hat, schließlich kennen die Alteigentümer ihr Unternehmen ja am besten. Behalten die Altaktionäre dagegen ein Großteil ihrer Aktien weiter, ist dies ein Indiz dafür, daß sie an die Zukunft der Firma - und an Kurssteigerungen - glauben.

          4. Die Haltefristen prüfen

          Die Alteigentümer sollten nicht nur mindestens einen Teil ihrer Aktien behalten. Sie sollten sich auch dazu verpflichten, ihre Aktienpakete möglichst lange nicht zu verkaufen. Sind diese Fristen nach zwölf, 18 oder womöglich sogar 36 Monaten abgelaufen, verhindert eine möglichst breite Streuung der anderen Aktien, daß durch die Abgabe von Paketen der Kurs abstürzt.

          5. An das Verkaufslimit denken

          Anleger sollten immer mit einer Stop-Loss-Order arbeiten. Damit wird die Bank beauftragt, eine Aktie automatisch zu verkaufen, wenn der Kurs eine bestimmte, vorher festgelegte Schwelle unterschreitet. Wie wichtig dies ist, zeigt das Beispiel Premiere. Wer die Aktie des Fernsehsenders nicht bald nach der Emission 2005 verkaufte, sitzt nach dem Tiefflug des Aktienkurses in den vergangenen Monaten auf hohen Verlusten.

          6. Manager hinterfragen

          Aufstieg und Fall des Neuen Marktes und Börsenstars wie EM.TV zeigen, daß zu viel Gutgläubigkeit viel Geld kosten kann. Je größer die Sprüche des Managements, desto mehr Vorsicht ist geboten. In der Vergangenheit waren solche Aussagen oft nicht mit Fakten unterlegt. Die Ankündigungen hatten nur ein Ziel: den Kurs nach oben zu reden.

          7. Den Preis begutachten

          Der Preis ist immer umstritten. Der Verkäufer will einen möglichst hohen Emissionserlös herausschlagen, der Käufer dagegen die Papiere günstig erstehen. Privatanlegern bleibt da nur, die öffentlichen Diskussionen zu verfolgen, sich eine eigene Meinung zu bilden und dabei eine Faustregel zu beachten: Der Neuling sollte grundsätzlich günstiger bewertet sein als Konkurrenten, die bereits an der Börse notiert sind. Einen Hinweis, ob Zeichnungsgewinne zu erwarten sind, gibt der Graumarktpreis, der zum Beispiel bei den Wertpapierhandelshäusern DKM (www.schnigge.de) oder Lang und Schwarz (www.quotecenter.de) zu verfolgen ist. Notiert dieser Preis deutlich über der angekündigten Preisspanne, sind Zeichnungsgewinne wahrscheinlich, aber natürlich nicht garantiert.

          8. Beim „Entry Standard“ aufpassen

          Was früher der Neue Markt war, ist jetzt der „Entry Standard“ an der Frankfurter Börse. In diesem Börsensegment können junge und kleine Unternehmen ihre Aktien handeln lassen. Derzeit boomt dieser Markt, doch Vorsicht: Die Unternehmen müssen nicht einmal einen Emissionsprospekt veröffentlichen. Wer hier mitspekulieren will, kann hohe Gewinne einfahren - aber auch einen Totalverlust (siehe auch: Entry Standard: Der neue Neue Markt).

          9. Warnsignale registrieren

          Wenn am Stammtisch oder im Fitneßstudio wieder am liebsten über Aktien geredet wird und der Nachbar mit Gewinnen prahlt, ist es höchste Zeit, sich von der Börse zu verabschieden. In solchen Phasen sollten Privatanleger Neuemissionen lieber meiden. Die Preise für die Börsenneulinge könnten zu hoch sein.

          10. Ein Tagebuch zur Kontrolle führen

          Gerade Privatanleger überschätzen ihre Fähigkeiten an der Börse. Darum ist zu empfehlen, in einem Anlagetagebuch zu notieren, was man sich von seinem Investment versprochen hat. Späteres Nachlesen dürfte so manche Erkenntnis bringen.

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