https://www.faz.net/-gv6-qhtw

Börsengänge : 2007 könnte ein erfrischendes Jahr werden

  • Aktualisiert am

Mehr Firmen dürften den Sprung ins kalte Börsenwasser wagen Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Das Geschäft mit Börsengängen kommt in Schwung. Berater rechnen in diesem Jahr mit rund 30 Börsengängen im Prime Standard. Die interessantesten Kandidaten des Jahres 2007 im FAZ.NET-Spezial.

          2 Min.

          Vor dem ersten großen Börsengang in diesem Jahr steigt die Nervosität in den Investmentbanken. Denn die Banken verdienen in dieser Disziplin besonders viel Geld. „Versatel muss fliegen“, sagt ein Banker, der am Börsengang des Telekommunikationsunternehmens nicht beteiligt ist, wohl aber hochgesteckte Erwartungen an dieses Jahr hat. Zuletzt gingen dem Aktienmarkt etliche Kandidaten durch die Lappen. Ein Beispiel ist der Energiekostenabrechner Ista, den der Finanzinvestor CVC an den Finanzinvestor Charterhouse für 2,4 Milliarden Euro verkaufte. Offenbar glaubte CVC nicht daran, an der Börse mehr erlösen zu können.

          Auch der Großaktionär von Versatel, der Finanzinvestor Apax, hat vor dem Börsengang einen Verkauf des Telekommunikationsunternehmens geprüft. Mit mindestens drei Bietern wurde verhandelt, aber offenbar erfolglos. Nun soll Versatel am Freitag das Börsendebüt feiern. Im grauen Markt wird die Aktie schon gehandelt - am oberen Ende der von 29 bis 36 Euro reichenden Preisspanne.

          Damit erscheint ein Emissionsvolumen von einer Milliarde Euro möglich. Versatel könnte der Eisbrecher für viele Schwergewichte sein, die in diesem Jahr noch Aktien an der Börse plazieren wollen. Doch auch bei Siemens VDO, der Landesbank Berlin oder Tognum (früher MTU Friedrichshafen) wird parallel ausgelotet, ob ein einzelner Bieter einen höheren Preis zahlt, als ein Verkauf über die Börse einbringen dürfte.

          Verschobene Börsenpläne

          Unterdessen bessern sich die Bedingungen für einen Börsengang im Vergleich zu einem Komplettverkauf. Die Zinsen steigen, so dass es für einen Unternehmenskäufer schwerer wird, einen Kauf zu finanzieren. Dagegen haben sich viele Aktienkurse von ihrem Einbruch Ende Februar erholt und neue Höchststände erreicht. Wie wichtig dies für das Geschäft mit Börsengängen ist, machen Berichte von Kommunikationsberatern deutlich. Danach haben viele kleinere Unternehmen unter dem Eindruck des Kurseinbruchs im Frühjahr ihre Börsenpläne verschoben. Jetzt ist es nur möglich, eine Auswahl von Kandidaten vorzustellen, die in diesem Jahr den Börsengang wagen könnten.

          Berater, die Börsenneulinge auf der Suche nach neuen Aktionären begleiten, rechnen gleichwohl in diesem Jahr mit rund 30 Börsengängen im Prime Standard, dem am schärfsten regulierten Segment. Damit würde 2007 an das gute Jahr 2006 anknüpfen, als der Kurszettel um 35 Unternehmen länger wurde. Die Neulinge sammelten mehr als 7 Milliarden Euro ein. Dieses Emissionsvolumen dürfte 2007 übertroffen werden. Schließlich sind mit Gerresheimer, dem Hafenbetrieb HHLA und der Immobiliengesellschaft Deutsche Annington weitere milliardenschwere Börsengänge zu erwarten.

          Wertentwicklungen locken Privatanleger

          Zudem haben es 2007 immerhin schon acht Neulinge an die Börse geschafft. Allerdings ist das Emissionsvolumen von 775 Millionen Euro unerwartet gering, vor allem, wenn man weiß, dass allein das Gewerbeimmobilienunternehmen Alstria 437 Millionen Euro einsammelte. Auch die Kursentwicklung nach dem Börsengang ist in den meisten Fällen schwach. Dagegen haben die Anleger mit vielen Neulingen des Jahres 2006 hohe Kursgewinne erzielt. Die beiden größten, Symrise und Wacker Chemie, sowie Klöckner & Co (Klöco) sind inzwischen im M-Dax. Air Berlin, Bauer, Catoil und Demag rückten in den S-Dax. Die Kurse von Klöco und Bauer haben sich verdreifacht.

          Diese guten Wertentwicklungen könnten Privatanleger locken, sich stärker bei Börsengängen zu engagieren. Doch viele scheuen als gebrannte Kinder nach den schmerzvollen Erfahrungen am Neuen Markt das Feuer. Air Berlin im vergangenen Jahr und Premiere im Jahr 2005 waren Sonderfälle. Die meisten Emissionen werden auch 2007 bei Großanlegern landen, wenn sie nicht schon vor dem Börsengang komplett an einen Käufer gehen. Erst im Jahr 2008 stehen mit der Deutschen Bahn und der Ruhrkohle AG (RAG) absehbar bei Großanlegern schwierig zu plazierende Börsengänge an, bei denen zudem ein Verkauf an einen einzelnen Investor ausgeschlossen ist.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          5:0 gegen Schalke : Die Bayern blasen zur Jagd auf Leipzig

          Die Münchner erteilen Schalke eine Lehrstunde und kommen Spitzenreiter Leipzig, der sein Spiel in Frankfurt verliert, nah. Die Bayern indes siegen imposant – auch weil der Torwart der Königsblauen zwei Mal patzt.
          Demonstranten in Leipzig

          Sechs Polizisten verletzt : Wieder Krawall in Leipzig

          Etwa 1300 Menschen demonstrieren in Leipzig gegen das Verbot einer linksextremen Online-Plattform. Zunächst bleibt der Protest friedlich, dann fliegen Steine. Die Polizei kesselt die Demonstranten ein, sechs Beamte werden verletzt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.