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Börsenaufsicht : Amerikas Geldmarktfonds drohen mehr Regeln

Im Finanzdistrikt in New York soll bald mehr Kontrolle herrschen Bild: Bloomberg

Nach dem gescheiterten Versuch der Börsenaufsicht SEC wollen Notenbank und Finanzministerium mehr Vorschriften durchsetzen. Der Finanzstabilitätsrat könnte helfen.

          Eine verschärfte Regulierung amerikanischer Geldmarktfonds ist trotz eines gescheiterten Versuchs der Börsenaufsicht SEC noch nicht vom Tisch. Nach Informationen der „New York Times“ erwägen die Notenbank Federal Reserve (Fed) und das amerikanische Finanzministerium, die Fonds zukünftig unter die Aufsicht der Fed zu stellen und sie damit der Kontrolle der SEC zu entziehen. Vertreter der Fed und des Finanzministeriums haben diese Alternative in den vergangenen Wochen erwogen, nachdem sich eine Niederlage der SEC-Vorsitzenden Mary Schapiro bei der Abstimmung der fünfköpfigen SEC-Kommission abgezeichnet hatte.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Schapiro hatte in der vergangenen Woche eine für diesen Mittwoch angesetzte Abstimmung zu dem Thema abgesagt, weil sich in dem Gremium nur zwei Befürworter für verschärfte Auflagen fanden. SEC-Kommissar Luis Aguilar, der wie Schapiro der demokratischen Partei angehört, hatte sich auf die Seite der beiden Republikaner in der Kommission geschlagen. „Ich fühle mich nicht wohl dabei, den Vorschlag in der jetzigen Version zu unterstützen“, sagte Aguilar, der allerdings für eine weitere Prüfung der Angelegenheit plädierte. Aguilar war vor seiner Berufung in die SEC unter anderem Syndikus der großen Fondsgesellschaft Invesco gewesen, die auch Geldmarktfonds im Angebot hat.

          Kapitalpuffer für potentielle Verluste

          Schapiro hatte auf eine schärfere Regulierung gedrängt, um zukünftig eine Destabilisierung des Finanzsystems durch Schieflagen von Geldmarktfonds zu verhindern. Unter anderem war geplant, dass die Fonds einen Kapitalpuffer bilden müssen, um potentielle Verluste abzufedern. Dazu hätte es möglicherweise Restriktionen beim Abzug von Geldern durch Anleger gegeben.

          Geldmarktfonds spielen eine wichtige Rolle im Finanzsystem, weil sich Banken, Unternehmen oder Hedgefonds bei ihnen kurzfristig Geld leihen, um ihren Betrieb zu finanzieren. Das geschieht über sogenannte Pensionsgeschäfte, bei denen Banken Wertpapiere gegen Bargeld tauschen. Für europäische Banken sind die amerikanischen Geldmarktfonds wichtig, weil sich die Kreditinstitute bei ihnen kurzfristig Dollar leihen. Verluste eines in Amerika sehr bekannten Geldmarktfonds mit wertlos gewordenen Anleihen der zusammengebrochenen Investmentbank Lehman Brothers hatten auf dem Höhepunkt der Finanzkrise vor rund vier Jahren für Panik unter Investoren gesorgt. Anleger hatten innerhalb von nur einer Woche 300 Milliarden Dollar aus Geldmarktfonds abgezogen.

          Die Fonds, die in kurzlaufende Anleihen von Staaten und Unternehmen investieren, galten bis dahin als extrem sichere Anlage, die einem Bankkonto ähnelt. Die Fonds versprechen Anlegern nämlich die volle Rückzahlung ihres investierten Kapitals. Im Fall des betroffenen Fonds, des Primary Reserve Fund, war das nach den Verlusten mit Lehman-Papieren allerdings nicht mehr möglich. Nach einer jüngsten Studie der regionalen Notenbank in Boston mussten während der Finanzkrise 21 Geldmarktfonds von ihren Muttergesellschaften finanziell gestützt werden.

          Im Gegensatz zu Banken gibt es in der Branche auch keinen staatlichen Einlagenschutz, und die Fonds müssen auch kein Kapital vorhalten. Vor zwei Jahren verfügte die SEC allerdings, dass Geldmarktfonds mehr Geld in bargeldähnliche Anlagen investieren müssen, um auf überraschend hohe Anteilsverkäufe von Investoren reagieren zu können. Dabei handelt es sich vor allem um sichere Staatspapiere und um Unternehmensanleihen, die sehr kurz vor ihrer Fälligkeit stehen. Nach Ansicht der Fondslobby reichen diese Maßnahmen aus, um abermalige Schieflagen von Fonds zu vermeiden.

          Rückgang um 80 Prozent

          Die SEC-Vorsitzende Schapiro würde indes Initiativen anderer Regulierungsbehörden für eine Reform der Branche nach eigenen Angaben unterstützen. „Das Thema ist zu wichtig für Investoren, unsere Volkswirtschaft und für Steuerzahler, um den Kopf in den Sand zu stecken“, sagte die SEC-Vorsitzende. Der amerikanische Finanzminister Timothy Geithner sitzt dem vor zwei Jahren im Zuge der Dodd-Frank- Finanzmarktreform etablierten Finanzstabilitätsrats vor, dem auch der Vorsitzende der Notenbank angehört. Dieses Gremium könnte möglicherweise für eine schärfere Regulierung der Geldmarktfonds sorgen. Es ist aber nicht klar, was der Rat genau verfügen kann und wie lange ein solcher Prozess dauern würde.

          Unterdessen agieren amerikanische Geldmarktfonds weiterhin konservativ. Das gilt besonders für Engagements bei Banken aus dem Euroraum, die unter der Staatsschuldenkrise leiden. Nach Angaben der Kreditbewertungsagentur Fitch ist die Kreditvergabe an europäische Banken durch amerikanische Fonds im vergangenen Jahr um rund 80 Prozent zurückgegangen.

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