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Blackrock : Sind große Fonds schuld am Crash?

Blackrock Gebäude in New York: Wer unbemerkt bleibt, muss keine Fragen beantworten. Bild: Reuters

Die Fondsgesellschaft Blackrock ist ein Gigant: Sie ist an fast allen Konzernen der Welt beteiligt und verwaltet unfassbare 4700 Milliarden Dollar. Sind ihretwegen die Aktienkurse unerwartet so heftig gefallen?

          Larry Fink ist ein unscheinbarer Mann. Randlose Brille, hohe Stirn, getöntes Haar – böse gesagt: So stellt man sich einen typischen Buchhalter vor. Oder den Schalterbeamten in der örtlichen Sparkasse. Doch Larry Fink, 62, mag zwar aussehen wie der Nachbar von nebenan, spielt aber in Wahrheit in seiner ganz eigenen Liga: Er ist Chef von Blackrock, der größten Fondsgesellschaft der Welt.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Unglaubliche 4700 Milliarden Dollar verwalten Fink und seine Leute von New York aus, so viel wie keine andere Investmentfirma. An allen größeren Aktiengesellschaften dieser Welt ist Blackrock beteiligt, an allen Dax-Konzernen hält die Fondsgesellschaft Anteile: sechs Prozent an BASF, sechs Prozent an der Deutschen Bank, sechs Prozent an Daimler.

          Der unscheinbare Larry Fink gehört damit in der Welt des Geldes ohne Zweifel zu den mächtigsten Männern. Doch weder von Fink noch von Blackrock hat man außerhalb der Finanzszene jemals etwas gehört.

          Risiko für die Stabilität?

          In diesen Wochen aber, in denen die Aktienmärkte in New York und Frankfurt so turbulente Zeiten erleben wie lange nicht mehr, rücken der Blackrock-Chef und seine Leute in den Fokus der Öffentlichkeit – was ihnen, so darf man annehmen, nicht wirklich recht ist. Wer unbemerkt bleibt, muss schließlich keine lästigen Fragen beantworten. Solche Fragen aber gibt es derzeit zuhauf.

          Denn eine Firma mit so viel Geld erzeugt selbst bei anderen Profi-Anlegern Misstrauen. Kann es sein, dass beispielsweise am vergangenen Montag die Aktienkurse in aller Welt auch deswegen so deutlich gefallen sind, weil Fink und seine Leute so viel Geld kontrollieren? Geht von Fondsgesellschaften wie Blackrock gar ein systemisches Risiko für die Stabilität der Finanzmärkte aus?

          Wer sich das Unternehmen genauer anschaut, kommt zu dem Schluss: Blackrock ist sicher keine heimliche Weltmacht, wie dies manche Verschwörungstheoretiker behaupten. Aber es gibt starke Indizien dafür, dass Blackrocks schiere Größe bestimmte Kursbewegungen noch unangenehmer, noch verheerender machen kann.

          Größe ist kein Manko

          Zunächst aber gilt es, einen populären Vorwurf auszuräumen: Größe ist per se schlecht, lautet er. Oder anders ausgedrückt: Verwaltet eine Fondsgesellschaft Tausende Milliarden Dollar, gehen mit dieser Marktmacht automatisch negative Folgen für alle anderen Anleger einher. Davon ist in normalen Börsenzeiten nichts zu beobachten.

          Benjamin Braun vom Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung kommt in einer aktuellen Untersuchung sogar zu dem gegenteiligen Ergebnis: Danach führen große Spieler wie Blackrock den Aktiengesellschaften zu, wonach jede börsennotierte Firma fieberhaft sucht – jenes Kapital nämlich, das nicht hektisch von einer Aktie in die nächste umgeschichtet wird, sondern langfristig angelegt ist.

          Unfassbare 4700 Milliarden: Blackrock ist die größte Fondsgesellschaft der Welt.

          Das hat mit einer Besonderheit Blackrocks zu tun: Rund 3100 Milliarden Dollar, also etwa zwei Drittel des verwalteten Vermögens, sind in sogenannten ETF oder verwandten Anlageformen investiert. Das Kürzel steht für Exchange Traded Funds und ist Ausdruck eines einfachen Prinzips: ETF bilden die Wertentwicklung eines Börsenbarometers wie des Dax exakt nach, indem sie anteilig Aktien aller im Index vertretenen Firmen kaufen.

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