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Börsen : Frauen sind die besseren Hedge-Fonds-Manager

  • -Aktualisiert am

Erstaunliche Karrieren: Frauen haben das Hedge-Fonds-Management gut im Griff Bild: dpa

Hedge-Fonds werden nur selten von Frauen geleitet. An der Perfomance kann dies jedoch nicht liegen. Denn laut einer Studie haben sie in der Finanzkrise besser abgeschnitten als die männliche Konkurrenz.

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          Hedge-Fonds sind Männerdomäne. So jedenfalls lautet das gängige Urteil in der Londoner City und der Wall Street. In der Tat werden nur 3 Prozent der weltweit 9000 Hedge-Fonds von Frauen geleitet, hat das amerikanische Institute National Council for Research on Women ermittelt.

          Einige Frauen haben es allerdings geschafft und in der harten Welt der Hedge-Fonds erstaunliche Karrieren aufgebaut. Nicht nur das: Nach einer Analyse von Hedge Fund Research haben sie in der Finanzkrise sogar besser abgeschnitten als die männliche Konkurrenz. Seit dem Jahr 2000 haben ihre Fonds eine Jahresrendite von 9,06 Prozent erzielt gegenüber der Indexrendite der Branche von 5,82 Prozent. Während der Finanzkrise verloren von weiblichen Fondsmanagern geführte Hedge-Fonds nur 9,61 Prozent des Kapitals gegenüber eine Quote von 19,03 Prozent, die Investoren von der gesamten Branche abzogen.

          Liegt die Performance nur vom Testosteron-Spiegel ab?

          Der Grund: Frauen investieren vorsichtiger, verfolgen eine nachhaltigere Investmentstrategie, halten ihre Investments länger und verarbeiten bei ihren Entscheidungen mehr Detailinformationen auch widersprüchlicher Art. Männer hingegen investieren aktiver, schneller, häufiger, und ihre schnellen Investitionsentscheidungen - die medizinisch nachweisbar auch vom Grad ihres Testosteron-Spiegels abhängen - geben ihnen kurzfristig oft mehr Erfolg, nicht aber unbedingt langfristig.

          Es gibt spektakuläre Karrieren von Frauen in der Szene der Hedge-Fonds: Mina Gerowith, 58 Jahre alt, steht trotz ihrer Ehe und ihrer Rolle als Mutter zweier Söhne als Managing Director an der Spitze von Paulson & Co in Europa, einem der führenden Hedge-Fonds der Welt. Sie hat Jura studiert, war Kommilitonin von John Paulson auf der Havard Business School und leitet die Anlageteams für mehrere europäische Fonds von Paulson. Ihr Interesse an Geldanlage wurde schon geweckt, als sie als Neunjährige einem Aktienclub ihrer Schule beitrat.

          Ein anderer Name in der Branche ist Leda Braga, die BlueCrest Capital Management zu einem der führenden globalen Hedge-Fonds ausbaute. Ihre Fonds verwalten 9,6 Milliarden Dollar. In der Branche wird gesagt, sie vereinbare Beruf und Privatleben gut, auch wenn sie bis zu 15 Stunden am Tag arbeiten könne. Sie hat Ingenieurwesen studiert und am Imperial College London promoviert, bevor sie bei JP Morgan arbeitete und später in die Welt der Hedge-Fonds wechselte.

          Viele der weiblichen Hedge-Fonds-Unternehmerinnen haben zwanzig bis dreißig Jahre Erfahrung im Finanzwesen hinter sich wie Elena Ambrosiadou von Ikos. Sie ist einer der Pioniere der Hedge-Fonds-Szene in Europa.

          Wahl der Ausbildung ein Grund für die mangelnde Frauen-Präsenz

          Warum haben es gerade diese Frauen geschafft? Das National Council betont, die mangelnde Präsenz der Frauen liege zunächst an ihrer Ausbildung: Schon in der Schule wählten Mädchen Mathematik und wissenschaftliche Fächer ab, vermieden später das Studium von schweren wissenschaftlichen Fächern, fortgeschrittener Mathematik und Wirtschaftswissenschaften. Die Zahl von Frauen, die sich MBA-Programme zutrauten, stagniere seit Jahren bei 30 Prozent. Selbst nach einem Abschluss wichen Frauen einer Karriere bei Hedge-Fonds, Investmentfonds oder Banken aus.

          Freilich kommen später die langen Arbeitsstunden, die vielen Reisen und die wettbewerbsorientierte Arbeitsmoral im Wertpapiergeschäft hinzu. Das fängt schon in den Handelssälen der großen Investmentbanken an, wo sich zwischen den endlosen Reihen von Nadelstreifenanzügen mitunter auch Frauen ausmachen lassen. "Ich habe ein dickes Fell, weiß genau, was ich kann, und scheue keine Konflikte. Es ist die Einstellung - viele Frauen wollen das aber nicht täglich aushalten", war der Tenor auf der Jahresfeier des Verbandes "100 Women in Hedge Funds" im Oktober 2009.

          Eine Erhebung von Pricewaterhouse Coopers und dem "Hedge Fund Journal" zeigt, dass viele der 50 besten Frauen in der Branche Mathematik, Jura, Wirtschaftswissenschaften oder Fächer wie Ingenieurwesen studierten. Sie haben ihre Berufslaufbahn in der Regel bei großen Investmentbanken, Anwaltskanzleien oder Wirtschaftsprüfern begonnen und hatten keine Angst, sich in den Bereichen Wertpapierhandel, Wertpapierrecht, elektronische Handelsplattformen, quantitative Analyse oder Investmentstrategien zu spezialisieren. Zusätzlich bildeten sie sich weiter, ob auf renommierten Hochschulen, mit MBA-Programmen oder über Tätigkeiten bei verschiedenen Banken und Brokern im Ausland.

          Trotz ihrer Anstrengungen, Beruf und Privatleben mit Kindern zu vereinbaren, treten viele von ihnen auch noch eloquent am Rednerpult von Fachverbänden auf. Da sie offenbar gut organisiert sind, finden einige gar Zeit für ein Engagement bei Wohltätigkeitsvereinen. Es darf vermutet werden, dass sie im Zweifel auch noch in der Schule ihrer Kinder engagiert sind.

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