https://www.faz.net/aktuell/finanzen/fonds-mehr/boersen-der-neue-praesident-ist-fuer-die-finanzmaerkte-nur-nebensache-1195757.html

Börsen : Der neue Präsident ist für die Finanzmärkte nur Nebensache

  • Aktualisiert am
Ob Kerry oder Bush gewinnt, ist aus Sicht der Börsianer egal
          2 Min.

          Nach Einschätzung von Analysten und Aktienstrategen wird der Ausgang der Wahlen in Amerika am 2. November für die Entwicklung der Aktienmärkte mittelfristig eher von geringerer Bedeutung sein.

          Die Themen, die 2005 die Börsen bewegen werden - wie etwa Gewinnentwicklung der Unternehmen, Wirtschaftswachstum, Rohstoffpreise und Terror - dürften sich unabhängig vom Namen des neuen Präsidenten nur wenig unterschiedlich gestalten. Mit Blick auf das hohe US-Staatsdefizit ist nach Einschätzung von Klaus Stabel, Aktienstratege bei ICF, der politische Spielraum beider Kandidaten ohnehin beschränkt.

          Viele Dinge entwickeln sich unabhängig vom Namen des Präsidenten

          Auch auf die Zinspolitik der Notenbank sei der Einfluß des Präsidenten beschränkt, sagt ein weiterer Experte. Die Societe Generale geht davon aus, daß die Federal Reserve weiter eine Politik langsam aber stetig ansteigender Leitzinsen verfolgen wird. Ein Anstieg der Inflationsdaten könne allerdings eine Beschleunigung des Zinsanstiegs auslösen. Es gebe jedoch keinen Grund zur Annahme, daß sich die Zinspolitik der Fed unter einem Präsidenten Bush oder Kerry fundamental unterschiedlich entwickelt.

          Traditionell werde sehr häufig ein republikanischer Präsident mit steigenden Aktienmärkten assoziiert. Statistisch betrachtet könne eine solche Korrelation aber nicht aufrecht erhalten werden, sagt ein Analyst im Gespräch mit Dow Jones Newswires. Seit 1948 seien die Kurse an Wall Street während einer demokratischen Präsidentschaft im Schnitt um rund 13 Prozent gestiegen. In den Amtszeitein republikanischer Präsidenten hätten die Indizes dagegen lediglich einen durchschnittlichen Anstieg von acht Prozent% ausgewiesen.

          Kurzfristige Kursausschläge sind aber nicht ausgeschlossen

          In Abhängigkeit des Wahlausgangs sind nach Einschätzung von Marktteilnehmern kurzfristige Bewegungen in einzelnen Sektoren aber durchaus denkbar. Typische Branchen, die von einem Bush-Sieg profitieren könnten, sind Öl-, Rüstungs- und Pharmatitel. Dagegen werden Titel alternativer Energiehersteller, Einzelhändler und Biotechnologieaktien kurzfristig als potenzielle Gewinner eines Kerry-Erfolgs gehandelt. Bis zum Wahltag am 2. November seien allerdings keine größeren Bewegungen in diesen Sektoren mehr zu erwarten. Angesichts des extrem engen Rennens, das sich zwischen beiden Kandidaten abzeichne, sei es schwierig, sich im Vorfeld zu positionieren.

          Vielmehr dürfte die Entwicklung in den kommenden zwei Wochen von der Berichtssaison in Amerika und Europa geprägt sein. Das negativste Szenario für Stabel ist eine Wiederholung der Präsidentenwahl 2000, die erst nach Wochen letzendlich durch die Gerichte entschieden wurde. “Der Markt will keine Unsicherheit.“ Daher sollte ein gerichtliches Tauziehen eine zeitweilige Lähmung der Aktienmärkte zur Folge haben. Allerdings werde sich auch eine solche Konstellation über kurz oder lang von selbst auflösen. Denn bekanntlich hätten politische Börsen kurze Beine.

          Nur begrenzte Handlungsspielräume

          Auch nach Meinung der Societe Generale sind den Spielräumen beider Kandidaten Grenzen gesetzt. So werde es für Kerry auf der einen Seite nicht einfach werden, sich gegen einen republikanischen Kongress durchzusetzen. Änderungen im Gesundheitswesen oder Steuererhöhungen bedürften einer breiten Unterstützung durch den Kongress. Auf der anderen Seite seien auch weitere Steuerkürzungen durch die Bush-Administration nur schwer vorstellbar. Selbst in der eigenen Partei wachse der Widerstand gegen die Steuerpolitik Bushs in fiskalpolitisch konservativ eingestellten republikanischen Kreisen.

          Tatsache sei, dass die Größe des Haushaltsdefizits und das Leistungsbilanzdefizit ein merkliches Hindernis darstellen werden - unabhängig davon, wer letzendlich ins Weiße Haus einziehe, so die Analysten weiter. Es sei fraglich, ob die Pläne zur Reduzierung des Defizits beider Kandidaten fiskalpolitisch überhaupt tragbar seien. Beide hofften auf höhere Steuereinnahmen aufgrund einer wachsenden Wirtschaft. Aber weder Bush noch Kerry unterstrichen die Notwendigkeit haushaltspolitischer Disziplin.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Als Orte mutmaßlicher Fälle von Cancel Culture gelten oft amerikanische Universitäten. Hier zu sehen ist der Campus der Yale University.

          Cancel Culture : Das laute Schweigen

          Wovon die Rede ist und wovon nicht mehr: Der Literaturwissenschaftler Adrian Daub analysiert den Cancel-Culture-Diskurs als Kampf um Aufmerksamkeit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.