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Börse : Zertifikate verlieren weniger als der Dax

Bild: F.A.Z.

Die klassischen Discountzertifikate liegen gegenüber Bonusprodukten seit Jahresbeginn im Vorteil. Denn sie haben auf den Dax nur knapp 4 Prozent an Wert verloren. Etwas besser haben die abgewandelten Formen der Bonuszertifikate abgeschnitten.

          Zertifikate auf den Deutschen Aktienindex Dax sind im Januar nicht ganz so stark gefallen wie der Index selbst. So haben Produkte mit Schutzmechanismen zwar auch Verluste verbuchen müssen, diese fielen aber nach Berechnungen der Ratingagentur Scope Analysis teilweise deutlich geringer aus als die des Dax.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          So haben klassische Discountzertifikate auf den Dax seit dem Jahresanfang nur knapp 4 Prozent an Wert verloren, während der Dax um gut 15 Prozent nachgegeben hat. Bei Discountzertifikaten erhält der Anleger einen Preisnachlass auf den Basiswert. Im Gegenzug ist aber der Gewinn nach oben begrenzt. Unter der Annahme eines konstanten Kurses des Basiswerts resultiert aus dem Preisnachlass ein Gewinn für den Anleger. Steigt dagegen der Kurs des Basiswertes, so steigt auch der Gewinn des Anlegers, er kann jedoch den festgelegten Maximalgewinn nicht übersteigen. Bei einem fallenden Basiswertkurs reduziert sich der Gewinn des Anlegers und kann bei stark fallenden Kursen in einen Verlust umschlagen.

          Bonuszertifikate haben fast so viel wie der Index verloren

          Mit der Gewinnbegrenzung und der Einbehaltung der Dividenden finanzieren die Emittenten den Preisnachlass. „Die geringen Verluste der Discountzertifikate auf den Dax spiegeln die Tatsache wider, dass die Emittenten dem Absicherungsbedürfnis der Anleger in jüngster Zeit durch höhere Preisnachlässe immer stärker Rechnung tragen“, sagt Sasa Perovic, leitender Zertifikate-Analyst bei Scope. „Selbst nach dem Absturz des Dax um 7 Prozent am ,Schwarzen Montag' vor gut anderthalb Wochen hatte noch jedes fünfte Discountzertifikat einen Sicherheitspuffer von mehr als 25 Prozent.“

          Sehr viel weniger erbaulich lief der Monat für die Bonuszertifikate. Mit gut 13 Prozent verloren sie im Durchschnitt fast so viel wie der Index. Jedes achte von Scope untersuchte Bonuszertifikat auf den Dax hat seine Sicherheitsschwelle nach unten durchbrochen. Damit haben die Anleger keinen Anspruch mehr auf den Bonus, der ihnen in seitwärts gerichteten oder leicht fallenden Märkten dennoch eine ansprechende Rendite verspricht. „Dass die klassischen Bonuszertifikate so stark verloren haben, liegt auch an den höheren Aufgeldern, die für die Zusicherung höherer Boni verwendet wurden“, sagt Perovic.

          Mit den Aufgeldern ist die Differenz zwischen dem Preis des Zertifikats verglichen mit einer Direktinvestition in den Basiswert gemeint - unter Berücksichtigung des Bezugsverhältnisses. Sie werden wie auch die einbehaltenen Dividenden für die Finanzierung der Struktur der Zertifikate verwendet. „Mehr als die Hälfte der Bonuszertifikate hat mittlerweile Aufgelder von mehr als 2 Prozent“, sagt Perovic. Wenn diese für höhere Bonuszahlungen verwendet werden sollen, der Anspruch auf den Bonus aber wegen des Durchbrechens der Sicherheitsschwelle nach unten verlorengeht, leidet die Rendite des Zertifikats besonders darunter.

          Riskantere Sprint-Produkte hielten sich besser als der Dax

          Etwas besser sind die leicht abgewandelten Formen der Bonuszertifikate durch den turbulenten Börsenmonat gekommen. Bei den Capped-Bonuszertifikaten partizipiert der Anleger nur bis zu einer Höchstgrenze von den Kursgewinnen, erhält dafür aber in der Regel einen größeren Sicherheitspuffer nach unten. Angesichts der Kursverluste war dieser hilfreich. Die Bonus-Capped-30-Zertifikate profitierten zusätzlich davon, dass bei ihnen erst relevant ist, ob die Sicherheitsschwelle in den 30 Tagen vor Ablauf des Zertifikats unterschritten wird. Vorheriges Unterschreiten - zum Beispiel im jüngsten Kurssturz - führt daher nicht zum Verlust des Bonusanspruchs.

          Und selbst die etwas riskanteren Sprint-Produkte, bei denen der Anleger bis zu einer Obergrenze mit einem Hebel von mehr als eins von Kursgewinnen profitiert, dafür aber keinen Schutz nach unten hat, hielten sich mit Verlusten von 9 Prozent besser als der Dax. Profitiert vom Rückgang des Dax haben hingegen die Reverse-Bonus-Zertifikate. Sie steigen, wenn der Basiswert - hier der Dax - fällt. „Mit 27 Prozent sind sie wegen der höheren Volatilität in fallenden Märkten sogar überproportional gestiegen“, sagt Perovic. „Daher ist der Einstieg in die bestehenden Produkte recht teuer, aber mit neueren Produkten kann der Anleger weiterhin gut von fallenden Märkten profitieren.“

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