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Börse : Familienbetriebe erhalten einen eigenen Index

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Bild: F.A.Z.

Die Deutsche Börse bildet Familienunternehmen, die vom Eigentümer geführt werden in dem neuen Index Gex ab. Bei der Auswahl der Unternehmen stehen qualitative Aufnahmekriterien im Vordergrund.

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          Die Deutsche Börse geht mit einem neuen, auf Familienunternehmen spezialisierten Aktienindex an den Start. Ab dem 3. Januar kommenden Jahres werden mehr als 120 eigentümergeführte Unternehmen im neugeschaffenen Index Gex abgebildet. Dieses Vorhaben stellte die Frankfurter Börse am Montag auf dem Deutschen Eigenkapitalforum vor.

          Im Gegensatz zu den bestehenden Indizes Dax, M-Dax, S-Dax und Tec-Dax stützt sich das neue Börsenabbild bei der Auswahl der Unternehmen auf Kriterien, die sich nicht aus dem täglichen Handel der Aktien ergeben: Ausschlaggebend für die Aufnahme in den Kreis der Gex-Unternehmen sind vielmehr die Eigentümerstruktur und die Dauer der Kapitalmarktzugehörigkeit. So dürfen die Unternehmen nicht länger als zehn Jahre börsennotiert sein und müssen von Eigentümern geführt werden, die mindestens ein Viertel der Anteile halten. Dabei werde nicht nur die Besetzung des Vorstands, sondern auch Aufsichtsratssitze berücksichtigt, erläuterte eine Sprecherin der Deutschen Börse.

          Quantitative Kriterien nicht im Vordergrund

          Der Index berücksichtigt ausschließlich Unternehmen, die im Prime Standard gelistet sind. Dieses Handelssegment ist durch hohe Transparenzanforderungen wie die Pflicht zur Quartalsberichterstattung charakterisiert. Anders als in den klassischen Auswahlindizes soll es im Gex aber keine zahlenmäßige Begrenzung geben. Da nicht quantitative Kriterien wie Handelsumsätze oder Marktkapitalisierung im Vordergrund stehen, werden einfach alle in Frage kommenden Familienunternehmen berücksichtigt.

          Derzeit sind es 124 Firmen, die sich für den Gex qualifizieren. Diese Unternehmen repräsentieren 2,5 Prozent der Marktkapitalisierung des Prime Standard, die nach Auskunft der Deutschen Börse aktuell bei knapp 530 Milliarden Euro liegt. Damit läge der Gex knapp unter der Marktkapitalisierung des Tec-Dax. Die Mehrheit der Gex-Kandidaten ist in keinem der großen Auswahlindizes abgebildet. Nur 31 dieser Unternehmen sind in jeweils einem der vier Dax-Indizes. Mit Henkel und FMC sind sogar zwei Dax-Unternehmen dabei.

          Die Wiege des neuen Index

          Analog zu der bisherigen Indexfamilie der Deutschen Börse werde es auch im Gex eine Grenze für die Gewichtung eines Unternehmens geben, sagte die Sprecherin. So solle der Anteil eines Wertes am Gex auf maximal 10 Prozent beschränkt werden, wie dies in allen Indizes (außer dem Dax mit 15 Prozent) ebenfalls üblich ist. Auch bei der Berechnung der Marktkapitalisierung nach dem Streubesitz und der vierteljährlichen Überprüfung der Index-Zusammensetzung lehnt sich der Gex an die bisherige Vorgehensweise an.

          Die Wiege des neuen Index war eine gemeinsame Studie der Börse mit dem Center for Entrepreneurial and Financial Studies der Technischen Universität München. Diese Untersuchung zeigte auf, daß sich Familienunternehmen an der Börse deutlich besser schlagen als die Auswahlindizes. "In den vergangenen Jahren haben sich eigentümergeführte Unternehmen eindrucksvoll an der Börse behauptet", sagt Rainer Riess, bei der Deutschen Börse für den Kassamarkt zuständig. Seit Juni 2002 schlug der zurückgerechnete Gex sowohl Dax als auch Tec-Dax.

          Mit dem Gex liegt die Deutsche Börse im Trend der deutschen Börsenlandschaft, die sich zunehmend um den Mittelstand bemüht. So hat die Stuttgarter Börse Anfang dieses Jahres die neue Handelsplattform Gate-M geschaffen. Bisher verlief der Zuspruch allerdings eher schleppend: Statt der erhofften 40 bis 50 Firmen sind bislang nur 22 Unternehmen im Gate-M gelistet. An der Münchener Börse gibt es bereits seit einigen Jahren den Prädikatsmarkt, in dem aktuell allerdings nur zehn Unternehmen gelistet sind. Die Düsseldorfer Börse wiederum hat ihre Pläne, ein Segment für junge, mittelständische Börsenneulinge zu schaffen, auf Eis gelegt.

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