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Biotechnologie : "Wir setzen auf die mittelgroßen Biotech-Werte"

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Harald Schwarz betreut den erfolgreichsten Biotech-Fonds 2001 Bild:

Als bester Biotech-Fonds schnitt 2001 der Topic Biomedical ab. FAZ.NET sprach mit Fondsmanager Harald Schwarz über seine Erfolgsstrategie.

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          Ein Kursplus von 2,4 Prozent erwirtschaftete der Topic Biomedical Fonds von Franken Invest und schaffte damit den Sprung auf den ersten Platz in den Performance-Ranglisten. Der Nasdaq Biotechnology Index gab im gleichen Zeitraum zwölf Prozent ab. Harald Schwarz von Medical Strategy berät den Fonds. FAZ.NET sprach mit dem Biotech-Experten über seine Anlagestrategie und seinen Favoriten.

          Sie haben mit dem Franken Invest Topic Biomedical Fonds im vergangenen Jahr die beste Performance innerhalb des Sektors hingelegt. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

          Das Schwergewicht unserer Investitionen liegt im Mid-Cap-Bereich. Dies sind nicht die großen bekannten Namen wie die Amgen, Biogen oder Genzyme, sondern Biotechnologieunternehmen mit einer Marktkapitalisierung zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Dollar. Wir bevorzugen Firmen, die Produkte in den späten Zulassungsphasen ihrer klinischen Entwicklung haben. Dies sind meistens Medikamente, die schon in der Phase drei sind und wo wir damit rechnen können, dass diese Produkte in den nächsten zwei bis drei Jahren zugelassen werden.

          Welche Unternehmen sind dies?

          Das sind zum Beispiel Neurocrine Biosciences, Ligand Pharmaceuticals, OSI Pharmaceuticals und Versicor. Diese vier Werte machen allein schon ein Fünftel des Fondsportfolios aus. OSI Pharmaceuticals hat ein Medikament entwickelt, das das Wachstum von Krebszellen hemmt. Neurocrine Biosciene arbeitet an einem interessanten Schlafmittel, das das schnelle Einschlafen fördert und hat ein neuartiges Therapieprinzip gegen Depressione. Viele dieser Medikamente haben Blockbuster-Potenzial, das heißt ein Umsatzpotenzial von 500 Millionen Dollar oder mehr. Die Entwicklungserfolge dieser Firmen haben eine wesentlichen Beitrag zur Performance des Fonds geleistet.

          Welche Sektoren bevorzugen Sie innerhalb der Biotechnologie, Medikamentenentwickler oder Technologieanbieter?

          Wir investieren vorwiegend in Produktentwickler. Wir setzen auf die Medikamentenforscher, weil hier der Entwicklungsprozess gut nachvollziehbar und der Patentschutz für ein neu entwickeltes Produkt langfristig ist. Zudem kann man relativ schnell erkennen, ob ein anderer Anbieter ein vergleichbares Produkt entwickelt. Hier kann es von der Wettbewerbsseite nicht zu bösen Überraschungen kommen wie etwa bei den Zulieferern, die Laborausstattungen oder Reagenzien für die Biotechnologie herstellen.

          Bei den Medikamentenentwicklern ist die Gefahr, dass die erhoffte Zulassung nicht erteilt wird. Dies bedeutet gemeinhin hohe Kursverluste wie sie es zuletzt bei Imclone gab. Wie schützen sie sich davor?

          Bei den Medikamentenentwicklern investieren wir bevorzugt in Unternehmen, die über eine breitere Produktpipeline verfügen. Ligand Pharmaceuticals hat beispielsweise bereits drei Krebsprodukte im Handel. Darüber hinaus erwarten wir Anfang diesen Jahres die Zulassung für ein Medikament gegen Krebsschmerzen. Zudem hat die Firma 17 Produkte in der Entwicklung in Zusammenarbeit mit großen Pharma-Unternehmen. Da auch bei Medikamenten in der letzten klinischen Phase, der sogenannten Phase drei, die Zulassungschancen nur bei 60 bis 70 Prozent liegen, muss das Restrisiko durch eine breite Diversifizierung reduziert werden. Daher sind die Engagements in unseren Fonds mit rund 50 Werten auch relativ breit gestreut.

          Die Bewertungen der Biotechnologie-Unternehmen ist sehr hoch. Wie sehen sie hier noch Potenzial nach oben?

          Die bekannten und profitablen Biotechnologieunternehmen wie Idec , Immunex und Medimmune sind unserer Meinung nach üppig bewertet. Diese Firmen haben ihre hohe Bewertung jedoch mit der erfolgreichen Einführung eines Produktes erzielt. Bei Idec war es das Krebsmedikament Rituxan, dass dem Unternehmen eine Marktkapitalisierung von zehn Milliarden Dollar beschert hat. Das gleiche passierte bei Immunex mit der Einführung von Enbrel und bei Medimmune mit dem Verkaufsbeginn von Synagis. Es gibt also ein Wertentwicklungsmodell in der Biotechnologie. Wir versuchen daher in Firmen zu investieren, die jetzt kurz davor stehen ein derartiges Produkt auf den Markt zu bringen und damit vor einem derartigen Wertaufstieg sind.

          Den deutschen Biotechs wird oft vorgeworfen, dass sie noch Jahre hinter der Entwicklung in den USA her hinken. Sehen Sie das ebenso?

          Ja, deswegen ist unser Fonds zu 90 Prozent in amerikanische Unternehmen investiert. Die Biotechnologie blickt dort auf eine 25jährige Erfolgsgeschichte zurück, die ihren Anfang mit der Gründung von Unternehmen wie Genentech und Amgen nahm. Dort sind mehr als 300 Biotech-Unternehmen börsennotiert und über 700 Medikamente befinden sich bereits in der klinischen Entwicklung. Demgegenüber sind am Neuen Markt weniger 20 Biotech-Untenehmen notiert - wobei die meisten Zulieferer sind - so dass sich hier gerade einmal 25 Produkte in der klinischen Prüfung befinden.

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