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Biotechfonds : Spagat zwischen Risikopotenzial und Gewinnchance

  • -Aktualisiert am

Fonds erlauben das Reiten auf der Fusionswelle Bild: dpa-Bildfunk

Die Investition in Biotech-Fonds ist mit hohen Risiken behaftet. Die Fusionwelle in der Branche birgt aber auch neue Chancen.

          3 Min.

          Im Dezember rollte die Fusionswelle über die amerikanische Biotech-Welt: MedImmune übernahm Aviron, Cephalon schluckte Lafon, Millennium Therapeutics kaufte Cor Therapeutics und der bisherige Höhepunkt war der Deal zwischen Immunex und Amgen.

          Doch die Entwicklung der gesamten Branche brachte den Anlegern bislang keinen Wertzuwachs ins Depot: Der Nasdaq Biotechnologie Index CXBT verlor im letzten Jahr etwa zwölf Prozent, von 1.025 auf aktuell 860 Punkte. Noch deutlicher abwärts ging es am Neuen Markt. Der Neue Markt Biotech-Index NMKA verlor etwa 45 Prozent, von 158 Punkten vor einem Jahr auf aktuell 86 Punkte.

          Traurige Bilanz 2001

          Und auch ein Blick auf die durchschnittliche Performance der bei Standard & Poor's aufgeführten Biotech-Fonds verdeutlicht die traurige Bilanz des vergangenen Jahres. Im Schnitt gaben die Fonds zehn Prozent nach. Lediglich vier Fonds legten zu: an der Spitze der Topic-Biomedical (WKN 580249 ) von Franken-Invest, der ein Plus von 9,12 Prozent verbuchte. Das Schlusslicht hält H & A Lux DAC-BioTech (WKN 933803) von Hauck & Aufhäuser mit einem Minus von 36 Prozent.

          „Die Konsolidierung des US-amerikanischen Marktes wird sich weiter fortsetzen“, meint Christian Garbe, Senior Manager für Biotech-Werte bei der DZ Bank. Sie werde vorangetrieben durch große US-Biotechs mit einem hohen Marktwert. „US-Biotechs haben im Schnitt ein KGV von 50, Pharmawerte hingegen von 28 bis 35“, so Garbe. Der Handlungsbedarf bestünde darüber hinaus, weil die Unternehmen ihre Produktpipeline gefüllt halten müssten. Denn der Weg zur Zulassung wird zunehmend schwerer, ebenso wird es schwieriger, immer wieder neue, noch nicht am Markt vorhandene Produkte zu entwickeln.

          "Bis 2005 in den USA 60 profitable Biotechs"

          „Die Biotechnologie wird weiterhin eine der interessantesten Branchen sein“, meint hingegen Michael Fischer, Analyst für Biotechnologie bei der unabhängigen Beratungsgesellschaft Medical Strategy. Bei der Biotechnologie handele es sich nach wie vor um ein funktionsfähiges Geschäftsmodell. Heute haben die Unternehmen meist ausreichende Mittel, um die Produktentwicklung bis zum Ende zu führen. „Ich glaube nicht, dass nun eine Fusionswelle auf die Branche zurollt, nur, weil es jetzt einige Zusammenschlüsse gegeben hat“, sagt Fischer. Und gibt sich optimistisch: Bis zum Jahr 2005 werden in den USA 60 Unternehmen die Gewinnzone erreichen - gegenwärtig sind es 25. Anleger sollten nach Meinung Fischers darauf achten, welche Titel der Fonds enthält und wie sie gewichtet sind. Die interessantesten Biotechwerte sind dabei allerdings nicht die großen, wie zum Beispiel Amgen. „Die sind mittlerweile zu teuer“, erklärt Fischer.

          Viel mehr Fantasie stecke in Unternehmen, die in der letzten Testphase oder kurz vor der Zulassung stünden. Ein Beispiel sei Versicor, das mit einem Medikament gegen Pilzinfektionen auf den Markt strebt. „Ein Biotech-Fonds ist in meinen Augen eine langfristige Kapitalanlage, also über einen Zeithorizont von mindestens fünf Jahren. Ich denke, dass die Biotech-Fonds in diesem Zeitraum eine durchschnittliche Performance von 20 Prozent erreichen können“, so Fischer. Eine interessante Performance schließt auch Christian Garbe nicht aus. Allerdings gibt er zu bedenken: „Eine Investition in die Biotech-Branche bedeutet einen Spagat zwischen Risikopotenzial und Gewinnchancen.“

          Die Risiken seien dabei vielfältig. Sie reichten vom technischen Risiko, das die Stolpersteine bei der Entwicklung eines Medikaments beschreibt, über das Marktrisiko, das darin besteht, dass ein Wettbewerber dasselbe Produkt schneller zur Zulassung bringt bis hin zum Finanzrisiko, entsprechende liquide Mittel über die zähe Phase der Zulassung zu halten. Und darüber hinaus besteht noch ein gewisses gesellschaftliches Risiko: kein Unternehmen kann an Produkten verdienen, die nicht anerkannt sind, wie zum Beispiel gentechnisch veränderten Lebensmitteln.

          Fonds sollten möglichst breit diversifizieren

          Auf der anderen Seite sind die Fantasien natürlich auch verlockend. Wenn ein Unternehmen einen Blockbuster am Markt landet, beflügelt das natürlich auch den Kurs. Zum Beispiel Prilosec/Losec von AstraZeneca. Das ist ein Magen-Darmmittel, das dem Unternehmen jährlich einen weltweiten Umsatz von 6,2 Milliarden Dollar gebracht hat.

          Deshalb sollte bei der Auswahl der Fonds genau hingesehen werden. „Der Fonds muss möglichst breit diversifiziert sein, er sollte nicht nur Medikamenten- sondern auch Technologieanbieter haben“, rät Christian Garbe. Darüber hinaus empfiehlt der Spezialist eine ausgewogene Mischung in Hinblick auf die Marktkapitalisierung - Small Caps gelten zwar als Performanceantrieb, sind aber auch mit einem hohen Risiko behaftet. Zudem hält Garbe eine globale Investition von 80 Prozent in amerikanische Unternehmen und die restlichen 20 Prozent in britische, schweizerische, französische und deutsche Unternehmen für sinnvoll. Und nicht zuletzt lässt auch die Performance des letzten Jahres gewisse Rückschlüsse auf die Qualität des Managements zu.

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