https://www.faz.net/-gv6-85bof

Erfolgreichster Investor : „Baby Buffett“

Wie genau hat es Ackman, der trotz seines silbergrauen Haares immer noch jung wirkt, an die Spitze seiner Branche gebracht? Auffallend häufig redet der Hedgefondsmanager in letzter Zeit von seinem Vorbild, dem mit 84 Jahren nach wie vor bekanntesten Investor der Welt, Warren Buffett. Das Magazin „Forbes“ nannte Ackman darum jüngst in einer Titelgeschichte halb spöttisch, halb bewundernd „Baby Buffett“. Doch tatsächlich hat der Hedgefondsmanager mit Buffett nur zwei Dinge gemein: Wie Buffett (und wie wohl jeder Anleger auf dieser Welt) möchte Ackman Aktien am liebsten so günstig wie möglich kaufen. Und genau wie Buffetts Investment-Holding Berkshire Hathaway an der Börse notiert ist, so brachte auch Ackman seine Gesellschaft Pershing Square im vergangenen Jahr an die Börse.

In seinem Investmentstil, in seiner ganzen Art unterscheidet sich der Hedgefondsmanager dagegen völlig von Buffett, und man darf annehmen, dass Ackman dies genau so beabsichtigt. Denn es ist vor allem seine Unverfrorenheit (an der Wall Street oft schönfärberisch als Aktivismus bezeichnet), die ihm seinen Erfolg garantiert. Ohne sie würde in der Finanzwelt niemand Notiz von ihm nehmen. Ackman aber wird jedes Mal gehört, wenn er sich zu Wort meldet. Eben weil er sich nicht scheut, dreist zu sein.

So war es bei dem amerikanischen Finanzkonzern MBIA, der fleißig Versicherungsschutz auf ebenjene Hypothekenpapiere verkaufte, die dann in der Finanzkrise zum Problem wurden. Ackman geißelte diese Geschäftspraxis schon im Jahr 2002 öffentlich und machte sich dadurch einen Namen, dass er im großen Stil auf den Niedergang der Aktie spekulierte. Als 2008 die Lehman-Pleite die Welt schockierte, brach MBIAs Aktienkurs dramatisch ein, und Ackman machte Kasse. Ähnlich gut lief es im vergangenen Jahr beim Übernahmekampf um den Botox-Hersteller Allergan. Erst sicherte sich Ackman einen beträchtlichen Anteil an dem Unternehmen. Dann gab er gemeinsam mit Allergans kanadischem Konkurrenten Valeant ein Übernahmeangebot ab und forderte öffentlich den Rücktritt des Vorstandschefs. Zwar wurde Allergan dann am Ende doch an eine andere Firma verkauft, aber der smarte Ackman war trotzdem fein raus: Er verkaufte seine Aktien zum doppelten Preis.

Dollars maximieren

Noch lauter läuft seit fast drei Jahren die Auseinandersetzung um Herbalife ab, ein Konzern für Diätprodukte. Ackman glaubt, dass dessen Geschäftsmodell in Wahrheit auf einem Schneeballsystem aufbaue, und spekuliert seitdem auf fallende Kurse: „An der Wette gegen diese Aktie werde ich festhalten bis zum Ende aller Zeiten.“ Mit Starinvestor Carl Icahn, einst Vorbild für die Figur des Gordon Gekko im Film „Wall Street“, lieferte sich Ackman darüber sogar einen handfesten Streit in einer Börsenshow. Als „Heulsuse“ musste sich Ackman von Icahn bezeichnen lassen.

Wer recht hat, ist zwar noch nicht entschieden. Aber die Beschimpfung dürfte Ackman nicht wirklich stören. Denn so ist zumindest sichergestellt, dass er weiter im Zentrum der Aufmerksamkeit steht. Aufmerksamkeit, die er gut gebrauchen kann, wenn er irgendwann die nächste Firma ins Visier nehmen wird.

Es gehe im Finanzgeschäft doch eigentlich nur um eines, hat Ackman mal gesagt: „Man will seine Dollars maximieren.“ Er jedenfalls ist diesem Ziel schon ziemlich nahe gekommen: 2014 hat er gut eine Milliarde Dollar verdient.

Weitere Themen

Führungswechsel in Europa

Technische Analyse : Führungswechsel in Europa

Am europäischen Aktienmarkt kam es zum Führungswechsel. Nestlé wird von ASML verdrängt, bleibt aber ein technischer Zukauf. Kann ASML diese Position halten, auch bei der nächsten Baisse?

Topmeldungen

Olaf Scholz, Annalena Baerbock und Armin Laschet während des Triells

Das letzte Triell : Dieses Mal war Scholz vorbereitet

Baerbock, Scholz und Laschet hatten nochmals die Chance, ihre Schlagfertigkeit zu zeigen. Der Sozialdemokrat und die Grüne präsentierten sich als Partner von morgen.
Ein bedrohlicher Anblick: Die feuerrote Lava schießt in die Höhe.

Mehrere Eruptionen : Vulkanausbruch auf Kanareninsel La Palma

Fachleute hatten es befürchtet: Nach vielen kleinen Erdstößen ist ein Vulkan auf La Palma ausgebrochen. Lava und Asche schleudern durch die Luft. Seit Sonntagnachmittag wurden mehrere Tausend Menschen in Sicherheit gebracht.
Christian Lindner beim FDP-Parteitag am Sonntag in Berlin.

FDP vor der Wahl : Lindner will Stimmen aus Überzeugung, nicht aus Kalkül

Die Freidemokraten sinnieren darüber, wer sie wählt und warum. Aus Taktik sollten die Leute nicht für die FDP stimmen, sagt Parteichef Lindner. Doch die Vorzeichen haben sich während des Wahlkampfs dramatisch verändert.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.