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Bewertungscheck : Die günstigen Börsen liegen in Brasilien und Thailand

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Bild: FAZ.NET

An den Finanzmärkten gab es in den vergangenen Wochen einen wahren Kaufrausch. Dei Stimmung ist überaus optimistisch, Risiken scheinen kaum noch wahrgenommen zu werden. Wirklich attraktiv sind die Märkte nur noch selektiv.

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          Mit rasanten Kursgewinnen haben sich in den vergangenen Monaten die Börsen von ihren Tiefs erholt und streben immer weiter nach oben. Der Optimismus scheint keine Grenzen mehr zu kennen.

          Grund dafür sind einerseits die anhaltend tiefen Zinsen und die gute Liquiditätsversorgung, beinahe weltweit. Auf der anderen Seite können die Unternehmen in der Mehrheit ihre Umsätze und Gewinne zum Teil deutlich steigern. Und das soll auch so weiter gehen, glaubt man der Mehrheit der Analysten und Marktstrategen.

          Konjunkturelle Abkühlung in Amerika?

          Sie gehen von einem anhaltenden Wirtschaftswachstum weltweit aus. Aufgrund der in den vergangenen Monaten erhöhten Leitzinsen in den Vereinigten Staaten werde sich dort der Häusermarkt zwar in den kommenden Monaten etwas abkühlen und indirekt dämpfend auf den Konsum auswirken.

          Auf der anderen Seite rechnen sie mit zunehmender Dynamik in Europa und insbesondere auch in Asien. Dort werde nicht nur die „Wachstumsmaschine“ China weiter vor sich hinkochen wie bisher, sondern neben einer anhaltend positiven Entwicklung in den restlichen Ländern der Region werde sich die große Volkwirtschaft nach einer mehrjährigen stagnativen Phase mit geringen Investitionen und einer verhaltenen Konsumneigung wieder deutlicher beleben.

          Genau aus diesem Grund ist in den vergangenen Monaten viel internationales Geld an die japanische Börse geflossen und hat den Nikkei von 10.770 Punkten noch im Mai des vergangenen Jahres auf zuletzt 16.551 Zähler am Montag getrieben. Das entspricht einem Kursgewinn von knapp 54 Prozent in gerade einmal acht Monaten. Angesichts der jüngsten Dynamik rechnen nicht wenige mit einer Korrektur, allerdings nur als Zwischenspiel auf dem weiteren Weg nach oben.

          Ende der deflationären Phase in Japan?

          Immerhin scheint sich das Ende der deflationären Phase abzuzeichnen. In den vergangenen Monaten hat die Kreditvergabe im Lande erstmals seit Jahren wieder zu genommen. Auch die Unternehmen haben in den vergangnen Wochen zum Teil sehr gute Umsatz- und Ertragszahlen vorgelegt und blicken optimistisch nach vorne. Angesichts der inzwischen erreichten Bewertung der Aktien dürfte das aber auch dringend nötig sein. Denn mit einem Kurs-Gewinnverhältnis von 27 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende Jahr sind die Aktien der im Nikkei enthaltenden Unternehmen im Durchschnitt längst keine Schnäppchen mehr.

          Ähnliches gilt für die Aktien an den chinesischen Börsen in Shanghai und Shenzhen, aber auch für die Nasdaq, den TecDax, den Russel 2000 in Amerika, für die Aktien in Australien, in der Türkei und auch in Tschechien. Selbst die Aktien im deutschen MDax scheinen mit Blick auf die erreichte Bewertung schon weit gelaufen zu sein.

          Interessanter sieht es dagegen am anderen Ende der Bewertungsskala aus. Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von etwas mehr als zehn sehen die handelbaren Unternehmensanteile in Thailand und Brasilien sehr günstig aus. Dabei sollte man allerdings die Feinheiten beachten. So hat Thailand unter anderem Schwierigkeiten mit der Preisentwicklung: Der Konsumentenpreisindex ist von 0,1 Prozent im Mai des Jahres 2002 bis auf 6,2 Prozent im Oktober des vergangenen Jahres gestiegen, bevor er sich im November und Dezember wieder etwas beruhigte. Die Zentralbank hatte mit einer zehnfachen Zinserhöhung auf zuletzt 4,25 Prozent im Januar darauf reagiert.

          Günstige Aktienbewertungen in Brasilien und Thailand

          In Brasilien sieht die Lage dagegen etwas besser aus. Das Land profitiert von der internationalen Nachfrage nach Rohstoffen und konnte so nicht nur wachsen, sondern seine zuvor angeschlagene Finanzlage deutlich verbessern, obwohl eigentlich notwendige Wirtschaftsreformen zur Ausgabenbeschränkung nicht oder nur ungenügend umgesetzt wurden. Sollte die Weltwirtschaft nicht deutlicher schwächeln und zu einer Korrektur bei Rohstoffen führen, dürfte es sich weiterhin gut schlagen. Die niedrige Bewertung der Aktien und die hohen Renditen der Anleihen machen die Papiere für internationale Anleger auf der Suche nach attraktiven Renditen trotz der vorhandenen und wohl im Moment unterschätzten Risiken interessant.

          Neben diesen beiden Märkten sind bewertungsmäßig auch die Aktien in Ungarn, Holland, Polen, auf den Philippinen, in Frankreich (CAC 40), Dänemark, Spanien, Norwegen, Indonesien, Hongkong, Großbritannien und nicht zuletzt auch die Werte im Dax 30 selektiv noch interessant. Die restlichen Märkte dagegen sind schon relativ weit gelaufen und sollten eher vorsichtig betrachtet werden.

          Insgesamt dürfte es ratsam sein, sich eher in den noch günstigen Märkten nach Anlagemöglichkeiten umzusehen, denn in den teureren. Allerdings immer unter Berücksichtigung der jeweiligen Risiken und der Tatsache, daß angesichts des geringen Risikobewußtseins und der tiefen Volatilitäten deutlichere Korrekturen nicht überraschen sollten. In diesem Fall dürften auch diese Werte zumindest vorübergehend nicht vor Kursverlusten verschont bleiben.

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