https://www.faz.net/aktuell/finanzen/fonds-mehr/besteuerung-neue-regeln-fuer-fondsanleger-14086812.html

Besteuerung : Neue Regeln für Fondsanleger

Bild: F.A.Z.

Das Bundeskabinett startet eine Reform der Investmentbesteuerung. Diese soll neu geregelt und damit zugleich ein weiteres Steuerschlupfloch geschlossen werden.

          2 Min.

          Das steuerliche Umfeld für Anlagen in Investmentfonds ändert sich. An diesem Mittwoch wird das Bundeskabinett dazu einen Gesetzentwurf auf den Weg bringen. Ein Teil der Erträge wird dann auf Fondsebene besteuert werden, ein anderer Teil auf der Ebene der Anleger.

          Manfred Schäfers
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          In Regierungskreisen wird das Vorgehen mit drei Zielen begründet: Man will erstens Steuergestaltungen verhindern, zweitens EU-Risiken eindämmen und drittens den Aufwand für Steuerpflichtige, Finanzverwaltung und Wirtschaft mindern.

          Komplex ist die neue Besteuerung gleichwohl. Bis zur Sommerpause hofft man, die Gesetzgebung abgeschlossen zu haben. Der größte Teil der Neuregelung soll Anfang 2018 in Kraft treten. Die ursprünglich geplante Besteuerung von Veräußerungsgewinnen aus Streubesitz wurde im Gesetzentwurf ausgespart, um die Start-up-Branche nicht zu belasten.

          Doppelbesteuerung soll vermieden werden

          Kernelement des Gesetzentwurfs ist, dass mehr Erträge auf der Ebene der Fonds besteuert werden. So will man erreichen, dass inländische und ausländische Publikums-Investmentfonds gleich besteuert werden. Bei Aktienfonds werden in Zukunft Dividenden mit 15 Prozent Körperschaftsteuer besteuert, bei Immobilienfonds werden Mieten und Pachten, aber auch Veräußerungsgewinne aus Immobiliengeschäften mit 15 Prozent belastet. Alle anderen Erträge bleiben auf Fondsebene steuerfrei, also Zinsen, Gewinne aus der Veräußerung von Aktien und anderen Wertpapieren sowie Erträge aus Termingeschäften.

          Ausschüttungen solcher Publikums-Investmentfonds werden beim Anleger allerdings grundsätzlich mit 25 Prozent der Kapitalertragsteuer belastet. Um eine doppelte Besteuerung auf Fonds- und Anlegerebene zu vermeiden, werden Ausschüttungen aus Aktienfonds und Immobilienfonds teilweise freigestellt. Die Teilfreistellung beträgt für Privatanleger bei Aktienfonds 30 Prozent, bei Immobilienfonds 60 Prozent, bei überwiegend ausländischen Immobilien 80 Prozent und bei Mischfonds mit einem geringeren Aktienanteil 15 Prozent.

          Für Alt-Fondsanteile in der Regel keine Steuer auf Veräußerungsgewinne

          Für Investmentanteile, die vor 2009 angeschafft wurden, gilt bei Veräußerungsgewinnen Steuerfreiheit. Dieser Bestandsschutz soll zeitlich gekappt werden: Es sollen nur noch Wertveränderungen steuerfrei bleiben, die vor dem 1. Januar 2018 anfielen. Danach entstehende Wertzuwächse oder -verluste werden steuerpflichtig. Aber nur, wenn steuerpflichtige Veräußerungsgewinne einen Freibetrag von 100.000 Euro übersteigen. Dadurch dürfte sich für die überwiegende Zahl der Steuerpflichtigen weiter ein Bestandsschutz ergeben.

          Steuerschlupfloch schließen

          Rückwirkend zu Beginn dieses Jahres sollen die Regeln zu sogenannten Cum-Cum-Geschäften wirksam werden, die nicht mit Cum-Ex-Geschäften zu verwechseln sind. Insbesondere Steuerausländer übertragen gerne inländische Aktien kurz vor der Dividendenausschüttung auf bestimmte Steuerinländer (insbesondere deutsche Banken) und kaufen diese sofort über ein Termingeschäft zurück.

          Faktisch wandeln sie so die steuerpflichtige Dividende in einen steuerfreien Veräußerungsgewinn um. Beim Steuerinländer wird wiederum der größte Teil der Kapitalertragsteuer erstattet oder angerechnet, so dass auch er kaum eine Steuerlast tragen muss.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.